Marktüberblick
Lebensgefühl Outdoor
Die weltweite Nr. 2 unter den Sportmarken, Adidas, positioniert sich mit seiner "Terrex Kollektion" als "die athletische Outdoormarke". Puma, der Sportlifestyle-Konkurrent, will in "neue Kategorien expandieren, die langfristige Wachstumsmöglichkeiten versprechen" und rät derzeit schon mal mit seinen Wanderstiefeln: "Mach doch mal ’nen Spaziergang." Für den Outdoor-Spezialisten Tatonka ist Geocaching schlicht eine moderne Form der Schnitzeljagd, die man mit dem neuen iPhone jetzt auch besonders einfach betreiben kann. Überhaupt ist dem Freizeitausrüster "jedes Kind ein Sportler in freier Natur." Casual Clothing mutiert zur Outdoor-Kleidung: ursprünglich gedacht für Abenteurer und Naturburschen, jetzt auch trés chic in der Fußgängerzone. Hersteller von Spielzeug rüsten ebenfalls kräftig auf, bieten Expeditionswagen, Angelsets, Bumerangs, "Pfadfindermesser", Karabinerhaken, Thermometer, Zelte, Gitarren zum Lagerfeuer oder Kompasse an, damit sich der GPS-verwöhnte Nachwuchs auch so in freier Natur zurecht findet. Der Mega-Trend heißt: draußen zu Hause!
Outdoor – Ausdruck eines Lebensgefühls
Nichts verdeutlicht die gesellschaftlichen Veränderungen und den Wandel im Kaufverhalten der Konsumenten so sehr, wie der Drang zur Natur als "Nutzungs- und Erlebnisraum." Die Natur wird buchstäblich zum "Lebensraum" und der Garten zur Lounge. Und wer Wandern bis dato als verstaubt und konservativ wahrnahm, muss umdenken. Die Profilstudie "Wandern" der Uni Marburg von 2007 zeigt, dass 67 Prozent aller befragten Studenten gerne wandern. 2001 waren es noch 54 Prozent. Ergo: Auch Geist wandert gerne. Campen als attraktive Urlaubsform erlebt eine Renaissance. Das bestätigt ein namhafter Spielzeuganbieter, der 2009 erstmals auf einer Outdoor-Fachmesse ausstellte. Die Konjunktur und die Lust, in heimischen Gefilden zu verweilen, mögen zwei Motive für das Comeback liefern, allerdings dürften es keine hinreichenden sein. Viel entscheidender ist das selbst bestimmte Erleben, das mit dieser Form der Freizeitgestaltung verbunden wird.
Klassischer "Cross Market"
Outdoor ist ein Trend, der alle gesellschaftlichen Schichten erfasst. Darüber herrscht Einigkeit. Die European Outdoor Group taxiert den europäischen Markt für 2008 auf 5,75 Mrd. €, während das Marktforschungsunternehmen NPD Group Inc. (2007: 10,4 Mrd. €) ihn deutlich größer sieht. 2008 sei voraussichtlich ein Wachstum zwischen 1,2 und 1,4 Prozent in den europäischen Kernmärkten erzielt worden. In den differierenden Zahlen spiegeln sich Definitionsprobleme wider, was Outdoor eigentlich umfasst. Schwierig wird es besonders bei der Frage, in welchem Maße die Spielwarenbranche davon profitieren kann und was sie dazu beiträgt. Zum einen variieren die Motive der Kunden, die Outdoor gleichsam als Lebensstil wählen. Mal kann der Genuss, schöne Landschaften zu erleben, im Vordergrund stehen; mal der Wunsch, dem Körper etwas Gutes zu tun. Mal sind es die "Best Ager", die fit bleiben wollen; mal ganze Familien, die sich mit ihren Steppkes auf den Weg machen; mal die Jungs, die die Straße zurückerobern. Schließlich handelt es sich um einen Markt, in den diverse Wirtschaftszweige mitspielen: die Tourismus- und Freizeitbranche, die Sportartikelindustrie und nicht zuletzt auch die Spielwarenbranche, die mit ihren Produkten – vom klassischen Sandspielzeug über Drachen und Bällen bis hin zu Wasserpistolen – in gewisser Weise schon immer ein Spezialist für Outdoor war.


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