Spielwarenmesse: Brettspiele – eine Erfolgs­story und kein Ende in Sicht

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Kinder spielen ein Brettspiel
  Trends

10. Juli 2017 / Trends

Brettspiele – eine Erfolgs­story und kein Ende in Sicht

von Steve Reece /  Kommentare anzeigen

Über die Zukunft des Brettspiels wurde in der Vergangenheit viel spekuliert. Erst kamen die Videospielkonsolen, mit denen man verstärkt in das Spielerlebnis eintauchen und geradezu süchtig werden konnte. Dann erschienen die Tablets und Smartphones auf der Bildfläche, die dafür sorgten, dass alles, was wir wollten, immer und überall verfügbar war. Wozu braucht man da noch Brettspiele?

Doch, wir brauchen immer noch Brettspiele, trotz des immensen technischen Fortschritts, den wir in den vergangenen Jahren erlebt haben. Brettspiele gibt es seit mehreren tausend Jahren. Im zwanzigsten Jahrhundert erlebten sie eine beispiellose Weiterentwicklung und auch heute noch sind sie eine der tragenden Säulen im Spielwarenhandel.

Und vergleichbar mit den Tablets und Smartphones, die sich buchstäblich überall breitmachen, erleben auch die Brettspiele aktuell eine erneute Renaissance. Ich würde sogar behaupten, dass es den Brettspielen so gut geht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Früher waren sie die Freizeitaktivität schlechthin, aber diese Zeit liegt schon Jahrzehnte zurück. Als dann Medien und ihre Inhalte für unser Leben immer wichtiger wurden, gerieten sie mehr und mehr ins Hintertreffen.

Brettspiele als Mittel gegen zu viel Screen Time

Für das Wiedererstarken der Brettspiele gibt es mehrere Gründe:

Ein großer Vorteil besteht darin, dass sie zeitlos sind. Der Mensch ist nun einmal ein soziales Wesen, das sich gerne mit seinesgleichen umgibt und mit anderen Menschen interagiert. Manchmal tut dieser sozialen Interaktion etwas frischer Wind gut. So können Meckereien und Konflikte elegant umschifft werden und wir können Spaß mit Freunden und Familie haben. Das ist auch der wichtigste Zweck der Brettspiele: das Fördern des sozialen Miteinanders.

Die neuen Technologien haben den Brettspielen diesen Verdienst nicht streitig gemacht und sind bis zum heutigen Tag keine wirkliche Alternative bzw. Verbesserung. Hauptsaison für den Absatz von Brettspielen ist das Jahresende – das Wetter ist schlecht, es ist lange dunkel und die Familie kommt zusammen – all das schafft perfekte Voraussetzungen für eine Partie Mühle, Dame oder Halma.

Zweitens wollen die Gesellschaft und die Menschen ganz allgemein etwas dagegen tun, dass zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbracht wird. Denn wenn man tagein tagaus stupide auf einen kleinen Bildschirm schaut, ist das weder ein spannender Lifestyle, noch fördert es den sozialen Zusammenhalt oder die Sehkraft. Deswegen profitieren die Spielwarenbranche als Ganzes und die Brettspiele ganz besonders davon, dass sie als Mittel zur Bekämpfung von zu viel Screen Time gesehen werden – nicht nur für Kinder, sondern auch für uns Erwachsene selbst. Eltern kämpfen heutzutage darum, ihre Kinder von den Geräten wegzulocken, denn wenn man die Kleinen sich selbst überlassen würde, würden sie wahrscheinlich den ganzen Tag ohne Unterbrechung auf den Bildschirm starren.

Brettspiele und Spielzeug im Allgemeinen bieten dagegen Spielmuster, die von der Mehrheit der Eltern als wertvoller erachtet und überhaupt positiv bewertet werden. Je mehr wir an mobilen Geräten hängen, desto stärker wird diese Gegenbewegung werden. In der Realität muss das nicht unbedingt heißen, dass es den Eltern auch gelingt, ihre Kinder mithilfe von Brettspielen von den Bildschirmen wegzulocken, aber es stimuliert sie zum Kauf – auch wenn sich danach nicht unbedingt immer der gewünschte Erfolg einstellt.

Neue Spielkonzepte machen aus Spielen relevante Medien

Außerdem gibt es heute eine viel bessere und breitere Auswahl an Brettspielen als das zum Beispiel noch vor zehn Jahren der Fall war. Früher musste man an mehreren Gatekeepern vorbeikommen, um ein Spiel auf den Markt zu bringen: der Erfinder oder Urheber musste zum Spielzeugunternehmen durchdringen, der Spielzeughersteller dann zum Einzelhändler und der Einzelhändler zum Verbraucher.

Crowdfunding hat zumindest das Anfangsstadium dieses Prozesses revolutioniert und stark vereinfacht, weil alte Muster umgangen werden können. Heutzutage können Spiele, die noch vor zehn Jahren zu skurril gewesen wären, um auf den Markt zu kommen, ganz einfach dem letztendlichen Richter, nämlich dem Nutzer, vorgestellt werden.

Wenn genügend Verbraucher ein Spiel gut finden, kann es über Crowdfunding-Seiten wie zum Beispiel Kickstarter in die Produktion gehen. So wurden Verkaufsschlager wie Cards Against Humanity oder Exploding Kittens überhaupt erst möglich. Durch diese politisch ziemlich unkorrekten, dafür aber überhaupt nicht altbackenen Spiele und Spielkonzepte sind Brettspiele zu einem relevanten Medium für junge Menschen geworden und eine ganze „vergessene“ Generation junger Menschen wurde an Brettspiele herangeführt, die jetzt wieder angesagt und hip sind.

Das Spannende an diesem Trend ist, dass er noch in den Kinderschuhen steckt. Wir sollten uns also auf viele weitere Spiele gefasst machen, die in der Zukunft Grenzen austesten werden. Das etwas angestaubte Image der Brettspiele vergangener Zeiten ist zum Glück endgültig überwunden.


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Autor dieses Artikels:

Steve Reece, CEO Kids Brand Insight

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