Spielwarenmesse: Die Zukunft des Spielens: warum schnellere Liefer­zeiten den Markt verändern werden

Sprache wählen

Spielwarenmesse® worldwide

 

Zeit für Kapital
  Markt

26. Juli 2017 / Markt

Die Zukunft des Spielens: warum schnellere Liefer­zeiten den Markt verändern werden

von Richard Gottlieb /  Kommentare anzeigen

In der Serie „Die Zukunft des Spielens“ macht sich Richard Gottlieb Gedanken darüber, wie sich globale Entwicklungen und Trends auf unsere Art zu spielen und auch auf unser Kaufverhalten im Spielzeugsektor auswirken werden. In diesem Teil schaut er nun gezielt auf veränderte Konsumgewohnheiten, in denen Zeit eine größere Rolle spielen wird als der Preis.

Im Online-Einzelhandel geht es derzeit darum, wer seine Produkte am schnellsten zu den Kunden bringt. Diese Entwicklung kann sich auch auf den Großhandel auswirken, da von den Lieferanten kürzere Lieferzeiten gefordert werden. Die Markteinführungszeit könnte daher den Preis als wichtigste Triebkraft ablösen.

Im lokalen Einzelhandel geht es um unmittelbare Befriedigung. Funktioniert er richtig, marschieren die Kunden in den Laden, finden schnell was sie suchen, kaufen es, nehmen es mit nach Hause und verwenden es. Dieser Prozess kann wenige Minuten oder mehrere Stunden dauern.
Eine der ursprünglichen Herausforderungen des Onlinehandels war die verzögerte Gratifikation, denn die Kunden mussten warten, bis sie ihren Kauf in den Händen hielten.

Das hat sich inzwischen natürlich geändert. Amazon bietet heute Lieferungen in nur 24 Stunden an. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, plant Walmart bis 2017 die Eröffnung acht neuer Warenlager. In Verbindung mit neuen Systemen wird erwartet, dass sich dadurch die Lieferzeiten direkt zum Kunden verkürzen.

Doch auch eine Lieferung in nur 24 Stunden wird demnächst langsam erscheinen. Denn Amazon verspricht ein Liefersystem, „mit dem die Pakete mithilfe unbemannter Flugobjekte, sogenannter Drohnen, in 30 Minuten oder weniger zum Kunden gelangen.“

Wer denkt, das sei schnell, dem verspricht die Fastfood-Kette Jimmy John’s Lieferzeiten von nur 15 Minuten. Dort nennt man es „Freaky Fast“; offenkundig allerdings ein wenig zu „freaky“ – es gab nämlich einige Unfälle. Das hält Uber wiederum nicht davon ab, in einigen Städten Essenslieferungen in nur 10 Minuten zu versprechen. Egal ob 10-15 Minuten der Realität entsprechen oder lediglich ein Zielwert sind, es ist mit Sicherheit besser als 45 oder 60 Minuten – vor allem, wenn der Magen knurrt.

Schnelle Lieferung schlägt günstigen Preis

Geschwindigkeit ist so wichtig, dass manche meinen, sie hätte den günstigsten Preis als größten Kundenvorteil bereits abgelöst. Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass die Erwartungen an die Markteinführungszeit steigen. Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass Flugreisen wegen der Zeitersparnis langwierige Schiffspassagen längst ersetzt haben.

Meiner Meinung nach wird die Schnelligkeit dem Preis als wichtigstem Anreiz für die Entscheidung, von welchen Firmen Einzelhändler ihre Produkte beziehen, einigen Boden streitig machen. Wenn man darüber nachdenkt, erscheint es in unserer heutigen schnelllebigen und globalisierten Welt auch einfach nur merkwürdig, dass Händler bereit sind, bis zu 60 Tage auf eine Lieferung von der anderen Seite der Erde zu warten.

Lieferzeit kann Änderungen in Bestellverhalten und Fertigungsstätten bewirken

Wäre es für Einzelhändler und Zulieferer nicht besser, wenn sie ihren Warenbestand in wenigen Tagen auffüllen könnten, anstatt monatelang darauf zu warten? Wie viel Geld wird im Einzelhandel verschwendet, weil im Grunde erfolgreiche Produkte wegen viel zu hoher Warenbestände ausgebucht werden müssen? Warum nicht weniger Waren führen und neu bestellen, wenn man die Zeit zwischen Bestellung und Lieferung um Wochen oder gar Monate verkürzen kann?

Diese Konzentration auf Geschwindigkeit wird die Gesamtdynamik verändern. Warum sollte ein chinesisches Unternehmen wie Li & Fung keine Bereitstellungsbereiche in Europa oder Nordamerika unterhalten? Das chinesische Lohnniveau steigt unweigerlich – warum also nicht zumindest einen Teil der Produktion in die USA verlagern und dort auch die Endmontage erledigen? Die Japaner haben das mit Autos getan. Warum sollte nicht dasselbe auch mit Konsumgütern geschehen?

Im Jahr 2013 fiel in Nordamerika besonders die Region San Diego/Tijuana als aufsteigenden Montagefertigungsstandort auf. Sie bietet kurze Lieferketten und Just-in-Time-Fertigung. Bedenkt man den aktuellen Geschwindigkeitsrausch, wird diese Region mit Sicherheit auch weiterhin boomen. Die aktuelle Protektionismus-Bewegung in den USA wird sicherlich auch ihren Teil dazu beitragen. Wenn es hier wie angekündigt abschreckende Maßnahmen für Stellenverlagerungen ins Ausland geben soll, könnte diese Entwicklung mitbestimmen, wo die Fertigung stattfindet.


Richard Gottlieb ist ein weltweit renommierter Berater und Kommentator im Bereich Spielzeug und Spielen. Er ist Gründer des Beratungsunternehmens Global Toy Experts, Herausgeber der Global Toy News und verfasst den Toys & Play Futurist Letter.
-----

Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

 

Autor dieses Artikels:

Richard Gottlieb, Global Toy Experts

Diesen Artikel:

Tags in diesem Artikel:

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.

 

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.