Spielwarenmesse: Die Zukunft des Spielens: warum sich techno­logisches Spiel­zeug durch­setzen wird

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02. Mai 2017 / Trends

Die Zukunft des Spielens: warum sich techno­logisches Spiel­zeug durch­setzen wird

von Richard Gottlieb /  Kommentare anzeigen

Im ersten Teil der Serie „Die Zukunft des Spielens“ schaute Richard Gottlieb ganz weit in die Zukunft und machte sich Gedanken darüber, wie sich neue Entwicklungen auf unsere Art zu spielen und auch auf unser Kaufverhalten im Spielzeugsektor auswirken werden. Nun analysiert er die Frage, wie technologisches und digitales Spielzeug in Zeiten einer Rückbesinnung auf traditionelles Spielzeug seinen Platz in der Spielwarenwelt festigen wird.

Dieses Jahr wurde viel über Eltern gesprochen, die Spielzeug mit technologischen bzw. digitalen Komponenten ablehnen. Es wurde ein Revival von Outdoorspielen ausfindig gemacht und es hieß, dass traditionelles Spielzeug wiederkommt. Gestützt werden diese Thesen durch einen Report der NPD Group, demzufolge „Outdoor & Sports Toys“ im Jahr 2016 das zweitstärkste Wachstum verzeichnen konnten. Die Marktforscher von NPD kamen darüber hinaus zu dem Schluss, dass auch andere Old-School-Produktgruppen wie Brettspiele, Puzzles und Puppen sich im Jahr 2016 gut verkauft haben, während digitales Spielzeug nur ein moderates Wachstum verzeichnen konnte.

Das sind zwar erfreuliche Nachrichten, aber wir sollten uns durch sie nicht dazu verleiten lassen zu denken, dass die neue Begeisterung für das Nicht-Digitale ein Vorbote für eine Rückkehr des traditionellen Spielens als solches ist. Im Technologiesektor wird die Entwicklung weitergehen, und wir sollten uns sogar auf ein exponentielles Wachstum einstellen. Auch der Bereich der Spielzeuge ist davor nicht gefeit.

Warum sind Spielzeuge nicht immun gegen die digitale Entwicklung?

Tech2Play
Technologische Spielwaren konnten erstmals auf der Aktionsfläche Tech2Play der Spielwarenmesse® 2017 ausprobiert werden.

Mein Freund Scott Traylor ist ein allseits anerkannter Experte für digitale Konsumgüter und Autor des Essays „Moore’s Echo“.

Sie kennen wahrscheinlich eher das Mooresche Gesetz, das 1965 voraussagte (und diese Voraussage hat sich bewahrheitet und gilt immer noch), dass sich die Anzahl der Transistoren pro Flächeneinheit in integrierten Schaltkreisen in einem bestimmten Zeitraum kontinuierlich verdoppelt. „Moore’s Echo“ prognostiziert dagegen, dass jede bahnbrechende neue Technologie nach drei Jahren auch in Form eines Spielzeugs zu haben ist.

Und tatsächlich folgen Spielwaren neuen Technologien oft auf dem Fuße, denn sobald große Mengen von etwas produziert werden, sinken die Preise, bis sie in einen Bereich kommen, in dem sich auch Spielwaren produzieren lassen.

Warum wird Technologie in Zukunft exponentiell wachsen?

Unlängst stieß ich auf den Begriff „Accelerating Change“, mit dem das Gesetz des sich beschleunigenden Nutzens beschrieben wird. Die Idee dahinter ist, dass sich der technische Fortschritt historisch gesehen immer stärker beschleunigt hat. Schauen Sie sich beispielsweise an, was sich in Ihrem Leben alles geändert hat und vergleichen Sie das mit den Veränderungen, die im Leben Ihrer Eltern stattgefunden haben.

Bei meiner Recherche zu diesem Thema stieß ich auf den renommierten Futurologen Ray Kurzweil. Die vielen Prognosen, die er angestellt hat, haben sich erstaunlicherweise alle bewahrheitet. Er ist auch Erfinder, und das Magazin Forbes bezeichnet ihn sogar als den „rechtmäßigen Erben von Thomas Edison“. Teilweise kennt man Kurzweil durch seinen Essay aus dem Jahr 2001 mit dem Titel „The Law of Accelerating Returns“, in dem er Folgendes schreibt:

Eine Analyse der Geschichte der Technologie zeigt, dass das technologische Wachstum exponentiell verläuft… Deswegen werden wir im 21. Jahrhundert nicht 100 Jahre Fortschritt erleben, sondern es werden eher um die 20.000 Jahre Fortschritt sein…

Zur Erläuterung dieser These geht Kurzweil auf die Geschichte mit dem Kaiser und dem Schachbrett ein. Er schreibt:

Ich erzähle gerne die Geschichte von dem Erfinder des Schachspiels und seinem Herrn, dem Kaiser von China. Auf die Frage, welche Belohnung er sich für das neue Spiel wünsche, das der Kaiser über alles liebte, bat der Erfinder um ein Reiskorn auf dem ersten Feld, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten usw. Der Kaiser gewährte ihm diese Bitte, die ihm bescheiden und demütig erschien. In einer Version der Geschichte verliert der Kaiser sein gesamtes Hab und Gut und bleibt dennoch den geforderten Lohn schuldig, denn die 63 Verdoppelungen ergeben letztendlich 18 Millionen Billionen Reiskörner.

Dabei sollte man bedenken, dass der Kaiser und der Erfinder durch die erste Hälfte des Schachbretts gingen, ohne dass etwas Besonderes passiert wäre. Der Erfinder erhielt zunächst mit Reis gefüllte Löffel, dann mit Reis gefüllte Schalen und schließlich mit Reis gefüllte Fässer. Am Ende der ersten Hälfte hatte der Erfinder jedoch bereits Anspruch auf die Ernte eines großen Reisfelds (4 Milliarden Reiskörner) und der Kaiser erkannte allmählich, wie es um ihn stand. Als sie dann die zweite Hälfte des Schachbretts durchgingen, wurde seine Lage schnell immer schlechter.

Die Lehre, die wir daraus ziehen können, ist, dass das Zeitalter des technologischen Spielzeugs gerade erst begonnen hat. Aktuell haben wir es mit einer kurzen Verschnaufpause zu tun, weil die Menschen sich erst einmal zurücklehnen wollen. Danach wird es aber mit einer immer höheren Geschwindigkeit weitergehen.

Deswegen darf die Spielzeugbranche sich nicht gegen den Einsatz von Technologie in Spielzeugen sträuben. Natürlich wird es immer das rein körperliche Spiel geben, aber schlaue Unternehmen werden ihre Portfolios mischen. Es wird noch mehr Wachstum geben, und dieses Wachstum wird wild und ganz anders sein als wir erwarten. Kurzweil sagt dazu: „Wenn man im Jahr 2035 mit einem Menschen spricht, dann wird das jemand sein, der eine Kombination aus biologischer und nicht biologischer Intelligenz darstellt.“ Und wie soll man für so ein Kind Spielzeuge machen?


Richard Gottlieb ist ein weltweit renommierter Berater und Kommentator im Bereich Spielzeug und Spielen. Er ist Gründer des Beratungsunternehmens Global Toy Experts, Herausgeber der Global Toy News und verfasst den Toys & Play Futurist Letter.
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Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

 

Autor dieses Artikels:

Richard Gottlieb, Global Toy Experts

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