Spielwarenmesse: Interview frechverlag: Die DIY-Bewegung wird immer jünger

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DIY für Kinder
  Macher

23. Mai 2016 / Macher

Interview frechverlag: Die DIY-Bewegung wird immer jünger

von Ulrich Texter /  Kommentare anzeigen

Der frechverlag ist mit der Marke TOPP Marktführer im Bereich der kreativen Ratgeber. Das Programm reicht von Bastelbüchern für Kinder bis zu Ratgebern für Erwachsene. Mit feinem Gespür für Trends und Themen zählt der Verlag zu den Trendsettern der Kreativbranche. Wir sprachen mit Verlagsleiter Dr. Bernhard Auge über die neue Liebe zum „Kreativsein“, das Internet als Impulsgeber und Nähen als das neue Yoga.

Herr Auge, sind die, die basteln, stricken, häkeln oder gemeinsam backen, tatsächlich glücklicher, wie Sie mit „Glück. Selbstgemacht!“ versprechen? Ich mache, also bin ich?

Dr. Bernhard AugeDr. Bernhard Auge: Früher war es reine Notwendigkeit etwas selbst anzufertigen, heute hat man einfach Spaß an Do-it-yourself – etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, das man anderen präsentieren oder schenken kann, das macht glücklich. Ich glaube, wir Menschen sind tief in unserem Inneren „Handwerker“, die es lieben, im Geist etwas zu erschaffen und dann mit den Händen umzusetzen.

DIY ist außerdem der perfekte Ausgleich zu unseren Bürojobs. Oftmals arbeitet man den ganzen Tag am PC und ist sich am Abend gar nicht bewusst, was man geleistet hat. Setzt man ein kreatives Projekt um, hält man am Ende das fertige Ergebnis in den Händen – das weckt natürlich Glücksgefühle.

Laut IFH Köln erlebte der Markt für Handarbeiten 2014 einen Boom. Setzte sich dieser Trend auch 2016 fort?

B.A.: Absolut! Zu beobachten ist, dass sich die Interessen etwas verschieben und Do-it-yourself immer mehr Lebensbereiche erfasst. Themen wie Stricken und Häkeln, die 2014 groß im Trend waren, sind immer noch sehr angesagt, wurden 2015 aber vom Nähen überholt.

Hinzugekommen sind Ausmalbücher für Erwachsene und das kreative Backen. Für viele ist Backen zu einem richtigen Hobby geworden, bei dem die Optik eine große Rolle spielt. Da entstehen beeindruckende Kuchen und Torten, toll verzierte Cupcakes, Macarons und mehr. Traditionelles Gebäck eben überraschend anders.

Die Kreativszene zeigt sich auch bei den Begriffen kreativ. Aktuelle Trends und Techniken heißenWikinger Stricken, Tunesisch häkeln und animalische Handarbeit. Klären Sie uns bitte einmal auf?

B.A.: Wikinger Stricken ist eine uralte Technik, bei der Mithilfe der Wikinger Strickliesel, einem einfachen Rundholzstab, wunderschöne filigrane Schmuckstücke aus Schmuckdraht gefertigt werden. Auch Tunesisch häkeln ist eine alte Handarbeitstechnik. Gehäkelt wird dabei mit einer speziellen Häkelnadel, die länger ist als eine durch­schnittliche Häkelnadel. Das fertige Häkelstück sieht aus als ob es gestrickt wurde, weshalb man tunesisches Häkeln auch „Sträkeln“ nennt.

Das animalische Handarbeiten steht für den Trend von gestrickten oder gehäkelten Tieren. Diese erfreuen sich gerade großer Beliebtheit. In unserem Programm sind das zum Beispiel kleinen Häkelminis, die Wollowbies, HäkelzauBären oder die charakterstarken Tiere aus den Büchern „Edwards freche Tierparade“ und „Edwards freche Tierparade – Vögel“.

„Mach mehr selbst“ fordern Internet-Startups wie Meisterclass, Makerist oder Supercraft auf, die sogar Online-Videokurse anbieten. Erlebt Selbermachen durch die Digitalisierung einen zweiten Frühling?

B.A.: Das Internet beflügelt den Trend ungemein. Es rückt das Selbermachen wieder in den Blick der Öffentlichkeit und bietet mit kreativen Blogs und Communities Plattformen, über die sich DIY-Begeisterte miteinander vernetzen oder gar neue Kreativtechniken im Online-Videokursen erlernen können. Außerdem ist es eine schöne Ergänzung zum Printprodukt. Mit unseren Büchern erhalten Kunden zum Beispiel Codes mitgeliefert, die sie in unserer digitalen Bibliothek auf www.topp-kreativ.de nutzen können, um sich zu etwas kniffligeren Anleitungen nochmal Hilfestellung in einem Video zu holen oder Vorlagen für die Projekte im Buch herunterzuladen.

Über unsere Facebook-Communities Mitstrickzentrale und Bastelzentrale können sich Gleichgesinnte austauschen und der Community ihre nachgearbeiteten Projekte aus den Büchern präsentieren. Besonders gut geht das übrigens auch mit unserer „Mach was“-App. Mit dieser können kreative Köpfe Fotos ihrer Projekte auf der Plattform www.machwas.de hochladen, mit anderen Usern teilen und Herzen (Likes) sammeln oder an andere vergeben. Umso mehr Herzen man sammelt, umso mehr Gratisanleitungen werden in der App freigeschalten.

Über 100 Titel führt der frechverlag im Segment „KinderKreativ.“ Was ist denn aktuell beim Nachwuchs angesagt?

B.A.: Wie im Erwachsenenbereich macht sich auch bei den Kindern der Ausmaltrend bemerkbar. Hier darf es aber ein bisschen mehr sein: Ausmalbilder auf Zauberpapier, das beim Ausmalen schöne Muster zum Vorschein bringt und „Buch-plus-Produkte“, die sich auch verbasteln lassen, sind groß im Trend.

Und was läuft bei Jungs gut, die es in der Regel doch mit Häkeln nicht so haben?

B.A.: Bücher wie „Bauen, Tüfteln, Selbermachen“ oder „Schnitz mit!“. Raus in die Natur, kreativ sein und experimentieren, das kommt bei Jungs gut an.

Die Initiative Handarbeit schreibt, dass Nähkurse für Kinder vielerorts Wochen und Monate im Voraus ausgebucht sind. Wird die DIY-Bewegung immer jünger?

B.A.: Ja, das lässt sich tatsächlich beobachten. Besonders beliebt ist bei der jungen bis sehr jungen Generation das Thema Nähen. Etwas Individuelles selbst zu fertigen und sich damit von der Masse abzuheben – das kommt gut an. Also weg vom Mainstream hin zum Einzelstück.


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Ulrich Texter

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