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Nachhaltigkeit in der Produktion & im Handel mit Spielwaren
  Markt

27. Februar 2017 / Markt

Nachhaltigkeit in der Produktion & im Handel mit Spielwaren

von Eva Stemmer und Jörg Meister /  Kommentare anzeigen

Wo beginnt Nachhaltigkeit? Ökologisches und nachhaltiges Spielzeug ist ein Thema von wachsender Bedeutung. Die ökologische Verantwortung lässt sich allerdings nicht nur auf einen Akteur abwälzen. Produzenten, Händler, Käufer und Politik sind hier gefragt, mit der Zukunft nachfolgender Generationen verantwortlich umzugehen. Und es gibt bereits einige positive Beispiele.

Populär wurde der Begriff Nachhaltigkeit 1987 (als sustainable development) mit dem „Brundtland-Report“, einem der wohl am häufigsten zitierten Werke der Umwelt- und Entwicklungsliteratur:

 

Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Kein Raubbau also auf Kosten nachfolgender Generationen, sondern dauerhafte Stabilität durch Ausgeglichenheit von ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen. Seither ist viel geschehen – und vieles auch nicht.

Der Schlüssel liegt in der Verantwortung

Wer sollte mit gutem Vorbild vorangehen?

  • Die Nutzer, die mit jedem Kauf darüber entscheiden, was und wie konsumiert wird?
  • Die Regierungen, die Spielregeln für richtiges Handeln aufzeigen, es regulieren und überwachen müssen?
  • Der Handel, der sein Sortiment verantwortungsbewusst gestalten sollte?
  • Die Hersteller, die korrekt handeln und produzieren sollten?

Nun, das Mammutprojekt „Nachhaltiger Wandel“ muss von allen Beteiligten vollzogen werden. Die gute Nachricht ist: An allen Ecken ist bereits Bewegung festzustellen!

Verschiedene Ansätze für nachhaltige Produktion

Für eine nachhaltige Produktion haben sich verschiedene Ansätze etabliert. Aber es wäre utopisch, auf einmal alle Prozesse der Herstellung auf den Kopf zu stellen.

Grundlegend ist die Reflexion der eigenen Situation. Das Bekenntnis zu nachhaltiger Produktion muss sich im Firmenethos widerspiegeln. Und oft ist es nicht mal ein Wandel, sondern eher ein Bewusstmachen von vorhandenen Potentialen und Optimieren von Schwachstellen. Betrachtet man die Langlebigkeit von Produkten, so schneiden viele Unternehmen bereits hervorragend ab.

Langlebigkeit

Als Beispiel wäre hier Lego zu nennen: Die Steine sind seit Generationen miteinander kompatibel und äußerst langlebig. Sie werden nicht weggeworfen, sondern aufbewahrt und vererbt, sind wert- und formstabil. Und sollten sie doch einmal kaputt gehen, können sie wieder in den Materialkreislauf rückgeführt werden, da sie aus einem einzigen Werkstoff bestehen.

Womit bereits ein zweiter Nachhaltigkeitsaspekt erfüllt ist: Nur Produkte, die in ihre einzelnen Materialien zerlegbar sind, können fachgerecht recycelt werden und somit ein „zweites Produktleben“ haben.

Big Bobby Car next
Big Bobby Car Next

Beispielhaft hierfür steht das seit Jahrzehnten gleich konstruierte Bobby Car aus dem Hause BIG. Anstatt vieler einzelner, miteinander verbundener Komponenten begnügt sich das Auto mit einem großen Bauteil und reduziert somit das Beschädigungspotenzial: Es gibt wenige Fügestellen, welche es anfällig für eine höhere Obsoleszenz machen würden.

Schadhafte Anbauteile können kundenseitig getauscht und repariert werden, Transport- und Serviceaufwand fallen weg. Weder großes Volumen noch unnötiges Gewicht muss transportiert werden und somit Energieressourcen verbrauchen. An Stelle der Mülldeponie oder des Recyclinghofes steht also die Verlängerung der Lebensspanne.

Kompakt, multifunktional und weniger Material

Ein weiterer Aspekt der Nachhaltigkeit: Produkte werden virtuell und immer kompakter, multifunktionaler und mit weniger Materialaufwand herstellbar und somit auch günstiger. Das allerdings kann auch in die Gegenrichtung führen: Niedrigere Kosten können zu mehr Konsum und zu schnellerem Ersetzen der Konsumgüter verführen.

Neue Smartphones erscheinen als „Black Boxes“, mit denen viele verschiedene Funktionen abgebildet werden können. Ein einziges Gerät tritt also an die Stelle vieler Produkte und reduziert somit die Menge an Dingen, mit denen wir uns umgeben. Die Verknüpfung von Apps und traditionellen Spielwaren kann hier auch als Beispiel herangenommen werden, dass Digitalisierung für Spielwaren ohne zusätzliche, elektronische Geräte funktionieren kann.

Multifunktional geht aber auch anders. In der Spielwarenbranche setzt sich häufiger die Idee durch, Verpackung und Kartonagen Teil des Spiels zu machen. Schon beim Design eines neuen Produkts können alle Komponenten für das Spielerlebnis berücksichtigt werden. Mehr Spielspaß, weniger Müll.

Herkunft

Auch die Herkunft der Produkte und ihrer Komponenten spielt eine große Rolle in der Ökobilanz. So ist es beispielsweise offensichtlich, dass Kartonagen aus europäischem Holzbestand, die in Asien produziert werden, eine höhere Energiebilanz aufweisen als solche, deren Rohstoff an Ort und Stelle verarbeitet wird und aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt.

Natürlich hat nicht jeder Werkstoff die gleiche Ökobilanz. Es gibt solche, die bei der Erzeugung immens viel Energie benötigen, wie zum Beispiel Aluminium. Zweifelhaft ist, ob dieses Mehr an Energieaufwand über die Produktlebenszeit aufgrund der Materialeigenschaften wieder eingespart werden kann - und sie somit ökologischer sind als andere Materialien.

Neue Materialien

Haba Greifling "Farbenbogen"
Haba Greifling "Farbenbogen" aus Ahorn, Buche und Biopolymere aus nachwachsenden Rohstoffen
PlanToys: My First Camera
My First Camera von Plan Toys aus PlanWood.

So ist die Nachfrage nach umweltfreundlichen Materialien groß - und die Industrie reagiert bereits mit einem breiten Sortiment. Arboform ist so ein neues Material. Aus Reststoffen der Papierherstellung synthetisiert hat es ähnliche Eigenschaften wie herkömmliche Kunststoffe, ist jedoch 100% abbaubar. Hersteller wie Haba oder Schleich sammeln hier bereits erste Erfahrungen. Und auch der Holzspielwarenhersteller Plan Toys hat mit PlanWood ein holzbasiertes, spritzgießbares Material in Verwendung.

Viele gute Materialien müssen nicht unter Lacken und Coatings versteckt werden. Sie haben Charakter und zeugen von Qualität. Sie überdauern eine gewisse Zeit - und einige davon dürfen sogar altern und patinieren. Wie zum Beispiel Holz oder Leder: Erst durch Nutzung wird dem Produkt Leben eingehaucht. Aus einem Produkt wird mein Produkt - was dazu führt, dass es gerade durch Ecken und Kanten, die es im Laufe des Produktlebens erfährt liebenswert wird. Zahlreiche Firmen haben das erkannt und bieten „mass customizing“ an: Individualisierung von Industrieware.

Reparierbarkeit

Erinnern Sie sich beispielsweise an Ihr erstes Lieblings-Kuscheltier? Wenn ihm ein Ohr oder Auge abfiel, wurde es von der Oma liebevoll repariert. Womit wir beim nächsten Schritt zur Nachhaltigkeit wären: Reparierbarkeit beim Nutzer. Spart Lagerhaltung, Logistik und Personal - und verlängert die Produktlebensdauer.

Heunec Gustav
Stoffhund "Gustav" von Heunec, ein nach Cradle to Cradle Basic zertifiziertes Stofftier

Und wenn dann das Ende des Produktlebens tatsächlich erreicht ist, sollte es idealerweise wieder in den Materialkreislauf zurückwandern - oder rückstandsfrei kompostieren können. Ein Beispiel aus der Spielwarenbranche: Heunec hatte 2013 das nach eigenen Angaben weltweit erste Cradle to Cradle zertifizierte Plüschtier vorgestellt, dessen Materialien nach dessen „Leben als Kuscheltier“ wieder verwerten lassen.

Viele Hersteller bewerben eingesetzte Recyclingmaterialien. Leider benötigen diese oft mehr Energie in der Herstellung als neue Materialien. Und sogenannte Blends, also Mischmaterialien aus Kunststoff und biologischem Füllstoff können lediglich thermisch verwertet werden, da es keinen reellen Materialkreislauf für sie gibt. Nicht jedes Recyclingmaterial ist deswegen gleich nachhaltiger. Entscheidend ist die individuelle Energiebilanz.

Relevanz

Der gravierendste Punkt jedoch, und das ist besonders im Bereich Spielware wichtig, ist die Relevanz des Produktes: Nicht Herstellung, Herkunft oder Material macht das Spielzeug begehrenswert und sorgt für hohen Spielwert und lange Spielfreude. Es ist die Gestaltung unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Nutzer.

Und hier ist auch der Handel mit in der Verantwortung, da dieser über das Angebot bestimmt. Nicht Hype-Themen und kurzfristige Trends bringen nachhaltige Spielzeuge hervor, sondern Themen, die andauernd sind. Glücklicherweise ändern sich kindliche Bedürfnisse nicht wirklich, sondern verlaufen seit Generationen in ähnlichen Entwicklungsstufen.


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