Spielwarenmesse: Interview Busch GmbH: Einmalige Chance für Modellbahn Hersteller & Händler

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Busch GmbH
  Macher

29. Januar 2016 / Macher

Interview Busch GmbH: Einmalige Chance für Modellbahn Hersteller & Händler

von Ulrich Texter /  Kommentare anzeigen

Die Spielwarenmesse® ist und bleibt auch in Zeiten des Internets die zentrale Plattform für den Austausch von Herstellern und Handel. Davon zeigt sich Jörg Vallen, Geschäftsführen­der Gesellschafter der Busch GmbH & Co. KG, Viernheim, überzeugt.

Spielwarenmesse® : Den Mikro Länder Club, zu dem BUSCH auch zählt, gibt es jetzt seit 2009, um das Hobby Modellbau und –Bahn zu fördern. Wie fällt Ihr Fazit nach acht Jahren aus?

Jörg Vallen: Natürlich handelt es sich dabei um das Bohren dicker Bretter, aber wir haben inzwischen deutlich über 3.000 aktive Mitglieder. Es ist uns also gelungen, viele Menschen für das Hobby zu begeistern. Sinn und Zweck ist es, dass wir das Hobby Modellbahn fördern und gleichzeitig unsere Kunden, die ja auch immer internetaffiner werden, motivieren wollen, zu ihren Händlern zu gehen.

Die Interessengemeinschaft Modellbahnausstellungen, kurz IGEMA, war lange Jahre die erste Adresse, wenn es um das Hobby Modellbahn ging....

J.V.: Das ist sie immer noch, denn es gibt keine Alternative.

Mag sein, aber mittlerweile finden sich in diesem Kreis nur noch Zubehörhersteller. Ist das nicht wie ein Auto ohne Motor?

J.V.: Nein, sicherlich wäre es schön, wenn wieder die großen Hersteller von „Rollendem Material“ dabei wären. Die IGEMA hat sich mittlerweile anderen Aufgaben als der Ausrichtung von Ausstellungen zugewandt. Ein Hauptproblem unserer Branche sind u.a. Fragen zum Thema Sicherheit. Da arbeitet die IGEMA sehr intensiv, auch wenn das nicht immer wahrgenommen wird. Zum Beispiel haben wir Richtlinien aufgestellt, was hin­sichtlich der Kennzeichnung auf den Verpackungen alles zu beachten ist. Die IGEMA gibt Anstöße, die dann durchaus in der gesamten Branche aufgegriffen werden.

Hersteller von „Rollendem Material“ wollen mit kindgerechten Produkten jüngere Zielgruppen erreichen. Denken Sie an MyWorld von Märklin, myTrain von Piko und Roco, das auf The Next Generation setzt. Wie unterstützen Zubehörhersteller diese Verjüngungskur?

J.V.: Wir Zubehörsteller bieten Materialien, die für diese Art von Bahnen geeignet sind. Faller bietet z.B. ein Basic-Sortiment. Allerdings darf man nicht verkennen, dass wir als Zubehörhersteller seit über 40 Jahren „Basic-Artikel“ im Sortiment führen. Das Rad braucht also nicht neu erfunden zu werden. Bei den Herstellern von „Rollendem Materia­lien“ verhält es sich etwas anders. Hier ist die Qualität und der Preis immer weiter nach oben geschraubt worden. Vielleicht war es einfach an der Zeit, hier neue Wege zu gehen.

Ein ähnliches Phänomen haben wir auch bei Autominiaturen, bei denen Busch ebenfalls mitspielt: immer filigraner, immer detaillierter, immer aufwändiger.

J.V.: Das ist richtig. Die Modelle waren immer weniger für Kinder geeignet. Busch bringt deshalb in diesem Jahr zur Messe einfachere, weniger detailliertere Modelle heraus, die dadurch auch preiswerter sein werden.

Busch ist Förderer der Initiative Spielen macht Schule. Seit ein paar Jahren gibt es auch die Werkstatt Modellbahn. Wie lauten Ihre Erfahrungen mit diesem Projekt?

J.V.: Jeder Tropfen höhlt den Stein. Die Zubehörhersteller und Märklin mischen hier kräftig mit und wir stellen fest, dass in jenen Schulen, in denen sich Lehrer für die Modell­bahn einsetzen, die Kinder wirklich begeistert sind. Ob sich das in den Umsätzen nieder­schlägt, ist natürlich nicht feststellbar.

Ein Nadelöhr ist der Fachhandel, von denen manche um ihre Laufkundschaft kämpfen muss. Heißt das für die Modellbahn: Letzte Ausfahrt Internet?

J.V.: Ich hoffe doch nicht, aber natürlich ist auch in unserer Branche das Internet extrem stark geworden. Tatsache ist, dass wird den Handel brauchen, um die Modellbahn erlebbar zu machen. Wir wissen, dass wir als Hersteller Konzepte auflegen müssen, um dem Handel das Überleben zu sichern. In unserem Mikro Länder Club-Forum zeigt sich die Problematik sehr deutlich. Das eine oder andere Mitglied sagt, dass er online bestellt, weil es weit und breit keinen Händler mehr gebe, während andere 50 km fahren, weil sie die Ware vorher sehen wollen. Das zeigt, dass wir am Internet nicht vorbeikommen, aber dennoch den Fachhandel brauchen.

Busch zeigt sich abstinent, was einen eigenen Shop betrifft. Warum kommt ein Web­shop, vielleicht in Zusammenarbeit mit Ihren Partner, nicht in Frage?

J.V.: Busch will dem Handel das Verkaufen überlassen. Natürlich können Sie jeden Busch-Artikel im Internet kaufen und es gibt genügend Fachhändler, die einen eigenen Internet-Shop betreiben. Der Endverbraucher hat bei einem Händlershop den Vorteil, dass er alles aus einer Hand bekommt und nur einmal die Frachtkosten bezahlen muss. Wenn wir als Mikro Länder Club einen eigenen Shop aufmachen würden, müssten wir bei ander­en Lieferanten bestellen, was die Sache kompliziert macht würde. Das Hauptproblem ist aber, dass im Internet sehr viel über den Preis agiert wird. Wollten wir also erfolgreich sein, müssten wir das Spiel mitspielen, aber wir wollen dem Fachhandel nicht in den Rücken fallen. Der Fachhandel macht sich ja leider bei den Preisen schon selber viel zu viel Konkurrenz.

Ihr Neuheiten-Katalog ist in den letzten 25 Jahren von 4 auf 48 Seiten gewachsen. Gleichzeitig haben Sie Nischen entdeckt, etwa die Spur 0, Gruben- und Feldbahn, Laser Cut-Modelle oder Marken wie MTH aufgenommen. Heißt der Trend „Mass Customiza­tion“: immer kleinere Stückzahlen für immer kleinere Zielgruppen?

J.V.: Busch hat sich in den letzten Jahren jedenfalls so aufgestellt, dass wir immer flexibler produzieren können. Früher konnten wir sagen, von dem Artikel produzieren wir 5.000 Stück. Das ist heute leider nicht mehr möglich. Produktionsmethoden wie Laser Cut oder 3D-Druck helfen uns heute, auch bei kleineren Stückzahlen profitabel produzieren zu können. Und Neuheiten müssen sie ausreichend anbieten, sonst verlieren sie ihre Stellung in den Geschäften. Händler kaufen zunächst immer Neuheiten.

Modellbahn wirkt manchmal sehr deutsch. Will man Modellbahn und Zubehör weltweit?

J.V.: Es gibt zwei Modellbahn-Nationen, Deutschland und USA. Die Schweiz ist eben­falls ein sehr gutes Modellbahnland, zwar vom Marktvolumen geringer, aber vom Pro-Kopf-Umsatz bestimmt ähnlich. Österreich, Holland und Belgien sind ebenfalls gut für die Modellbahn. Spanien entwickelt sich. In Osteuropa tun wir uns noch ein bisschen schwer. Der asiatische Raum spielt keine Rolle. Vielleicht ist die Mentalität zu unterschiedlich.

Vor Jahren tobte ein Glaubenskrieg zwischen den Befürwortern von Laser Cut-und traditionellen Modellen. Ist es inzwischen zu einem  „Frieden“ gekommen?

J.V.: Es gibt immer noch Endverbraucher, die von Laser Cut nichts wissen wollen. Meine persönliche Überzeugung ist, dass es überhaupt keine Rolle spielt, wie etwas hergestellt wird. Schauen Sie sich die Produkte in unserem Sortiment an. Da finden Sie Modelle aus Kunststoff, die per Laser Cut hergestellt wurden. Es ist ein reines Herstellungsverfahren wie es Kunststoffspritzguss auch ist. Oder nehmen Sie unsere Mo­delle mit Echtholzteilen, die sorgfältig koloriert sind. Das negative Image rührt aus den Anfängen von Laser Cut, als Kleinserienhersteller mindere Qualität auf den Markt gebracht haben.


Sehen Sie Modellbahn-Neuheiten live auf der Spielwarenmesse® 2016. Alle neuen Produkte und viele weitere Spielsachen aus der Produktgruppe Modelleisenbahnen und Zubehör finden Sie in der Halle 4A.

 

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Ulrich Texter

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