Spielwarenmesse: Interview Dusyma: Bildung, Lernen & freies Spielen als ganz­heitlicher Ansatz

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Kindergartenkinder mit Betreuerin
  Macher

21. November 2016 / Macher

Interview Dusyma: Bildung, Lernen & freies Spielen als ganz­heitlicher Ansatz

von Ulrich Texter /  Kommentare anzeigen

Die Dusyma Kindergartenbedarf GmbH zählt mit gut 12.000 Produkten für Kindergarten und Schule, Eltern und Senioren zu den führenden Anbietern von didaktischen Spielsachen, Lernmaterialien und Möbeln. Das Sortiment soll zur nachhaltigen Entwicklung von Kindern beitragen – so der Anspruch des 1925 gegründeten Unternehmens. Das Unternehmen zählt mit seinem Messestand zu den großen „Bildungsanbietern“ auf der Spielwarenmesse®. Geschäftsführerin Lulu Schiffler-Betz verdeutlicht im Interview, wie eng Bildung und Spielen verknüpft sind.

Spielwarenmesse®: Frau Schiffler-Betz, 2001 hatte die PISA-Studie Deutschland auf das Niveau eines Bildungs-Entwicklungslandes herabgestuft: Seitdem müsste es Dusyma blendend gehen oder?

Lulu Schiffler-Betz: Dusyma geht es gut. Blendend ist immer relativ! Mit PISA hat das heute nicht allzu viel zu tun. Allerdings hat die Studie die Bildungslandschaft und auch die Bildungswirtschaft wachgerüttelt und zum Handeln aktiviert. Eine der Folgen war, dass Kindergärten als bisher familienergänzende Betreuungseinrichtungen nun den Status von Bildungseinrichtungen erhalten haben. Hier trifft sich auch der Anspruch von Dusyma mit dem Anspruch der Elementarpädagogen: „Spielen bildet!"

PISA hat zudem dazu geführt, dass viele neue Lernprogramme und Lernmaterialien entwickelt wurden, die mit meist programmatischen Methoden im Turboverfahren Weltwissen vermitteln sollten. Viel Geld wurde dafür investiert und teilweise vergeudet. Nach unserer jahrzehntelangen Erfahrung, gestützt durch die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung, geschieht intrinsisches Lernen und die Entfaltung der kindlichen Potenziale ganz anders: im forschenden und experimentierenden Spiel, im Ausprobieren, Nachahmen und Wiederholen, im Trial-and-Error-Prinzip.

Diese Erkenntnisse beeinflussen erfreulicherweise das Auswahl-, Entscheidungs- und Kaufverhalten unserer Kunden. Als Fazit können wir für Dusyma resümieren, dass unter dem Einfluss von PISA der Absatz von Spielen, Spielzeug und Lernerfahrungsmaterial insbesondere zur sprachlichen Bildung und im naturwissenschaftlichen Bereich wie Mathe, Natur und Technik merklich zugenommen hat.

Die Qualität in Krippen und Kindergärten steigt, schrieb die Bertelsmann-Stiftung. Was zeichnet eine Kita aus und welche Rolle spielt dabei Spielzeug?

L.S-B.: Die Qualität einer Krippe und Kita zeichnet sich in erster Linie durch Sicherheit und Verlässlichkeit des Ortes und der dort agierenden Menschen aus. Idealerweise sollten diese mit Freude, höchst motiviert, fachlich kompetent und sehr engagiert ihre Arbeit ausüben. In partnerschaftlicher Kooperation sollten sie mit den Eltern und dem Träger das Wohl eines jeden Kindes und der gesamten Gruppe fördern.

Mehr nicht?

L.S-B.: Qualität drückt sich natürlich auch durch ein ganzheitliches pädagogisches und an den entwicklungsspezifischen Bedürfnissen der unterschiedlichen Kinder orientiertes Konzept aus. Außerdem halte ich es für eine Grundvoraussetzung, dass eine heitere und liebevolle Willkommenskultur herrscht, ausreichend fachlich professionelles und engagiertes Personal vorhanden ist und natürlich eine anregende Ausstattung mit guten aufeinander abgestimmten Materialien. So lassen sich Räume und Plätze schaffen, in denen Kinder alleine in Gruppen und auch gemeinsam mit den Pädagogen Spiel- und Forschergelegenheiten finden, ganz gleich ob musisch oder naturwissenschaftlich.

Und was trägt Spielzeug zur „liebevollen Willkommenskultur“ bei?

L.S-B.: Das richtig ausgewählte und angebotene Spielzeug spielt dabei eine sehr entscheidende Rolle. Gutes Spielzeug für die unterschiedlichen Spiel- und Lernbereiche, das alltags- und situationsintegriert eingesetzt werden kann und auch ganzheitlich herausfordert. Spielzeug, das mehr Fragen aufwirft und zum Herausfinden der Lösungen ermutigt, als dass es fertige Lösungen auf dem Silbertablett präsentiert und somit die Kinder in die Rolle des kreativen Forschers und Gestalters statt des passiven Konsumenten versetzt. Dass dabei Material und Verarbeitung ein Höchstmaß an Qualität und Ästhetik erfüllen müssen, ist für Dusyma seit über neun Jahrzehnten selbstverständlich.

Spielen, bewegen, erleben und erforschen – das Dusyma-Sortiment an Spielzeug bietet für jeden Geschmack etwas. Was war in den letzten 10 Jahren besonders gefragt? Spielsachen, die die kognitive Entwicklung fördern, oder eher Dinge, die zur motorischen Entwicklung beitragen?

L.S-B.: Diejenigen, die Dusyma kennen, wissen, dass wir grundsätzlich bei allen unseren Spielzeugen einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Dennoch legen wir auch Schwerpunkte, mit denen wir die aktuellen Belange und Anforderungen unserer Kunden unterstützen. Das waren und sind alle Produkte rund um die Sprachentwicklung, wie beispielsweise im Rollenspiel, dem Kaufladenspiel, Materialien.

Spiele, die Sozialkompetenz fördern aber auch Spielmaterialien für die Unterstützung des Forschens, Experimentierens und Entdecken, etwa Spiegel als Bauplattform, Sandwannen und Lichtplatten mit farbigen Acrylbausteinen. Spielmaterialien zum Erlernen von Handlungsplanungen, also vorrausschauendes strategisches Spiel ebenso wie Spiele zur Stärkung der mathematischen Grundkompetenzen, zum Erlernen der mathematischen Gesetzmäßigkeiten.

Ich kann hier nur exemplarisch einige Beispiele nennen und möchte gleichzeitig davor warnen, eine Kindergeneration in Förderschwerpunkte zu zwängen. Kinder haben ein Recht auf vielfaltige und spielerische Entfaltung aller Kompetenzen und Entdecken all ihrer Talente.

Ihr Sortiment umfasst rund 12.000 Produkte. Was sind Eigenkreationen, was Dinge, die von Partnern stammen und viele Neuheiten entwickeln sich jährlich, um Erzieherinnen glücklich zu machen?

L.S-B.: Ganz wichtiges Stichwort: das Glück der Erzieher und Erzieherinnen! Das liegt uns neben dem Glück und dem Wohl der Kinder besonders am Herzen! Auch dafür arbeiten wir und entwickeln in enger Kooperation mit Pädagogen aus der Praxis Produkte und Konzepte, die die tägliche Arbeitswelt unserer Kunden sinnvoll unterstützen.

Von den rund 12.000 Artikeln unseres Sortiments sind ca. 60% Handelsware, also Produkte, die wir zur Sortimentskomplettierung kaufen und verkaufen. Die restlichen 40% sind Eigenentwicklungen, 30% Möbel, 10% Spielzeug und Lernerfahrungsmaterial. Jährlich entwickeln wir im Spielzeugbereich zehn bis 20 Neuheiten, manchmal auch mehr. Bei den Möbeln sind es meist wesentlich mehr. Dort gibt es etwa bei den Schränken oder Garderoben mal Serien, die an sich schon aus einer Vielzahl von Einzelprodukten bestehen.

Auf der Spielwarenmesse findet man alles: Hightech, aber auch Old fashioned-Spielzeug. Wer kommt eigentlich zu Ihnen an den Messestand`?

L.S-B.: Zu uns kommen eigentlich alle, die sich für hochwertiges Spielzeug interessieren, insbesondere sind es jedoch Spiel- und Lehrmittelhändler aus Deutschland und dem Ausland.

Aber es kommen auch alle diejenigen, die auf der Suche nach besonderen Neuheiten sind, die sich bei der Neuheiten-Präsentation informieren wollen oder die neugierig sind, was die in Halle 3 angesiedelten Newcomer und Designer zu bieten haben.

Lizenzen spielen eine immer größere Rolle bei Spielzeug. In Ihrem Segment dürfte allerdings Darth Vader oder Biene Maja aber absolut tabu sein oder?

L.S-B.: Richtig, aber von Lizenzen distanzieren wir uns vollständig. Diesen Bereich überlassen wir den Produzenten und Unternehmen, deren Zielgruppe die Privatkonsumenten sind. Es gibt natürlich auch hier und da mal Lizenzen, die für uns reizvoll wären, aber wir bleiben unserem Leitbild treu und arbeiten auch zukünftig weiterhin an unseren eigenen Ideen und den pädagogischen Stärken. Da haben wir zum Glück auch für Zukunft sehr viel Potential für neue und spannende Produkte.


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Ulrich Texter

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