Spielwarenmesse: Interview Glow2B: Die Branche profitiert von DIY-Bau­sätzen mit Qualität

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Plastikmodellbau
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18. Juli 2016 / Macher

Interview Glow2B: Die Branche profitiert von DIY-Bau­sätzen mit Qualität

von Ulrich Texter /  Kommentare anzeigen

Die Do-it-yourself Bewegung und der Homing-Trend bieten seit Jahren Hobby-Bastlern neue Glücksgefühle. Für das „richtige Feeling“ wollen auch die Hersteller von Plastikmodellbausätzen sorgen. Profitiert die Branche tatsächlich vom Selbermachen-Trend? Ja, aber nur mit Qualität, meint Glow2B-Geschäftsführer Heinz Engstfeld.

Spielwarenmesse®: Herr Engstfeld, nicht nur die Deutschen bauen, basteln, hämmern, was das Zeug hält. Der Baumarkthandel floriert. Eigentlich müssten doch für den Plastikmodelbau gute Zeiten angebrochen sein oder?

Heinz EngstfeldHeinz Engstfeld: Das stimmt sicher für Modellbau-Marken, deren Modelle den heutigen, gestiegenen Ansprüchen gerecht werden. Marken, die noch Teile aus den 70er bis 90er Jahren verpacken, dürfen sich allerdings nicht wundern, wenn niemand einen zweiten Bausatz davon in die Hand nimmt. Wenn es dann noch ein erster Kontakt mit Plastikmodellbau war, dann ist derjenige eventuell für immer verloren. Die Marken, die verstanden haben, dass man nur mit hoher Qualität Modellbauer begeistern kann – die sind auch erfolgreich.

Von einem Marktbegleiter haben wir erfahren, dass sich der Plastikmodellbau dennoch neu erfinden müsse. Können Sie uns erklären, was damit gemeint sein könnte?

H.E.: Teilweise ist das richtig. Es bleibt jedoch ein Hobby von Menschen, die Freude daran haben, meist allein an einem Modell zu arbeiten, welches nie fahren, fliegen oder schwimmen wird. Einfach bauen, bemalen, altern, perfektionieren mit Zubehör. Das geht NIE mit Geschwindigkeit – man entschleunigt sich. Ich kenne viele Modellbauer, die einen sehr stressigen Beruf haben und das zur Entspannung machen.

Die Sechziger Jahre waren die Blütezeit für den Plastikmodellbau. Es kamen immer mehr Anbieter auf den Markt. Die Modelle wurden immer detaillierter. Hat man da zu sehr auf die Hobbyisten geschielt und den Nachwuchs vernachlässigt?

H.E.: Die Hobbyisten sind sicher eher bereit, hochwertige Modelle zu bauen, weil die Ansprüche gestiegen und der Bedarf an Zubehörteilen groß sind. Oft wird für ein gutes Modell nochmals das 2-3 fache an Zubehör investiert. Nachwuchs wurde früher mit schlechten Modellen verprellt. Das haben einige Hersteller, wie z.B. Airfix und einige andere verstanden. Heute wird wieder in neue Formen investiert und auf Passgenauigkeit geachtet. Bei manchen alten Modellen gibt man lieber gleich die Spachtelmasse hinzu.

Der Plastikmodellbau nimmt seit ein paar Jahren eine Kurskorrektur vor. Denken Sie an den Tag des Modellbaus oder Produkte für jüngere Zielgruppen. Sie sind seit 2014 mit der neuen Airfix-Reihe Quickbuild für Kinder ab 5 Jahren auf den Markt. Wie fällt Ihr Fazit aus? Was klappt, was ist erreicht worden und was ist noch zu tun?

H.E.: Am Tag des Modellbaus wird an etwa 150 Standorten insbesondere mit Kindern gebaut. Ca. 3000 Kinder bekommen so einen ersten Kontakt zum Hobby. Ich selbst betreue in den Sommerferien zwei Tage eine Bastelgruppe, oft Kinder, die ihr erstes Modell in der Hand haben. Für sie ist die erste Stunde oft sehr, sehr anstrengend. Dann entwickelt sich aber eine Dynamik. Die Kinder benutzen das Werkzeug, sie helfen sich gegenseitig, geben Erklärungen. Und das alles bei einer herrlichen Ruhe.

Mit dem Sortiment Airfix-Quickbuild kann man ebenfalls Kinder betreuen, deren Feinmotorik etwas weniger ausgeprägt ist und die weniger Geduld aufbringen. Auch diese Kinder haben ein Erfolgserlebnis mit Modellen, die sie dann gleichwertig neben die Plastikmodelle stellen können. Sicher ein perfekter Einstieg, aber der Sprung zum Hobby ist damit noch nicht getan.

Ihr Unternehmen Glow2B wächst stark, gerade auch im Segment Plastikmodellbau. Was sind die Gründe dafür und wo wird das Wachstum vor allem erzielt?

H.E.: Ja, im Bereich Plastikmodellbau wachsen wir seit mehreren Jahren im Bereich zwischen 15 und 25 % pro Jahr. Das liegt insbesondere an unserer europäischen Strategie, aber auch an der breiteren Aufstellung im Handel. Wir bewegen uns aus der Nische heraus.

Sie haben prognostiziert, dass es auf Distributionsseite zu einer Konzentration kommen wird. Die scheint zu kommen. Heißt das auch, dass die Hersteller enger zusammenrücken werden, um bei Modellen die Stückzahlen zu erzielen?

H.E.: Glow2B Germany ist heute ein Distributeur mit ca. 22.000 aktiven Artikeln von ca. 75 Herstellern, die wir weltweit einkaufen. Nahezu alle Marken bieten wir heute europaweit an und haben bereits einen Exportanteil von ca. 35 %. Gestartet sind wir vor einigen Jahren als rein deutscher Distributeur. Wir sehen Europa heute als unseren Heimmarkt. Ein solches Sortiment zu 95 % ständig lagernd zu haben und innerhalb von 48 Stunden zu liefern – das kann man nicht mehr nur für kleine Märkte allein.

Vor drei Jahren haben Sie das Konzept einer Systempartnerschaft mit dem Handel realisiert. Allerdings ist das Internet inzwischen der wichtigste Absatzweg für Ihre Produkte geworden. Wie kriegt man das unter einem Hut?

H.E.: Mein Vorbild dabei waren Buchhandlungen in mittleren Städten. Dort kann man am Samstag etwas stöbern, hat Freude am Regal, findet etwas für das Wochenende. Aber man bestellt auch noch etwas, das man Dienstag abholen kann. Der Buchhändler kann einem sofort an seinem Computer den Titel suchen und zusagen, wann es da ist. Ebenso ist es mit Fachhändlern, die mit uns arbeiten. Der Kunde kann stöbern und was fehlt, holt er Dienstag ab. Der Händler ist durch unseren Webshop völlig kompetent und kann Zusagen mit Hand und Fuß machen, weil er sich auf unser System verlassen kann.

Verhindern kann man natürlich nicht, dass der Kunde stöbert und im Internet kauft. Aber viele Modellbauer wissen das kompetente System bei „ihrem“ Fachhändler zu schätzen. Und durch die Vielfalt, die unsere Partner dadurch haben, lädt den Modellbauer auch für nächste Woche wieder ein.


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Ulrich Texter

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