Spielwarenmesse: Interview idee+spiel: Die Modellbahn-Hersteller sind für die Zukunft gerüstet

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Interview idee+spiel: Die Modellbahn-Hersteller sind für die Zukunft gerüstet
  Macher

23. Dezember 2015 / Macher

Interview idee+spiel: Die Modellbahn-Hersteller sind für die Zukunft gerüstet

von Ulrich Texter /  Kommentare anzeigen

Sind die Weichen richtig gestellt? Die Hersteller von Modelleisenbahnen und Zubehör haben einen tiefgreifenden Strukturwandel vollzogen. Mit neuen Konzepten für Kinder und technischer Aufrüstung bei hochwertigen Loks sieht sich die Branche inzwischen wieder bestens aufgestellt. Davon ist Thomas Kohnen, Produktgruppenmanager der idee+spiel Marketinglinie EUROTRAIN, überzeugt.

Spielwarenmesse®: Die Modelleisenbahn zählt, neben klassischen Spielwaren, häufig zu den Topsellern bei idee+spiel. Womit rechnen Sie für 2016?

Thomas Kohnen: Einiges spricht dafür, dass es ein gutes Jahr wird. Ich sehe in erster Linie zwei Ansätze für Wachstum. Zum einen die klare Zuwendung der Industrie zu den jüngeren Zielgruppen. Zum anderen bieten immer höherwertigere Fahrzeuge mit raffinierten elektronischen Zusatzfunktionen neues Potenzial. Außerdem erkennen wir deutlich einen Trend zu klassischem Spielzeug und eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte. Mit unterschiedlichen Konzepten für Kinder bieten die großen Modellbahn-Hersteller attraktive und günstige Einsteiger-Packungen an. Hier stehen der Spielwert und die einfache Handhabung an erster Stelle. Die Modellbahnindustrie ist also für die kommenden Jahre bestens aufgestellt.

Der Spielzeugmarkt wuchs in den letzten Jahren kräftig. Vor allem der Internethandel profitierte davon. Gilt das auch für die Produkte im Bereich Modelleisenbahn?

T.K.: Das Internet ist auch für den Handel mit Modelleisenbahnen eine zunehmend wichtige Plattform geworden. Daher hat idee+spiel 2015 für seine Mitglieder einen neuen Online-Marktplatz nach aktuellen Erkenntnissen konzipiert. Ein wesentliches Merkmal ist die regionale Ausrichtung. Jeder Nutzer findet zuerst die Angebote eines Händlers in seiner Nähe. Auch Mitgliedern ohne große Online-Erfahrung wird so die Möglichkeit geboten, zusätzlich zum stationären Geschäft im Online-Business aktiv zu sein. Aber auch im stationären Handel sind wir weiterhin rege. Im letzten Jahr sind wir sehr erfolgreich mit unserem neuen Marketingkonzept EUROTRAIN plus gestartet, mit dem wir unseren Kunden in jedem Quartal tolle, teilweise sogar exklusive, Markenprodukte anbieten. Für die erste Aktion hat der Branchenführer Märklin eine Lok extra für uns "gealtert", was sowohl unsere Händler als auch deren Kunden begeistert hat.

Modellbauprofis und Sammler bleiben nach übereinstimmenden Aussagen die wichtigste Kundengruppe für die Branche. Birgt diese Fokussierung nicht ein hohes Risiko, da die Zielgruppe doch eher schrumpft?

T.K.: Um dieser Herausforderung zu begegnen, wollen die Anbieter die einzigartige Ingenieurleistung und Faszination der kleinen Eisenbahn wieder in die Kinderzimmer bringen. Die Modellbahn ist da auf einem guten Weg und tritt heute selbstbewusst auch als modernes "Spielzeug" auf: Detailtreue und Technik vom Feinsten für die ambitionierten "Modellbahn-Profis", günstige "Out-of-the-Box-Spielfreude" für den Nachwuchs. Die vielen bestens besuchten Publikumsmessen, die tollen Schauanlagen und die gelungenen Aktionsveranstaltungen der EUROTRAIN-Fachhändler lassen hautnah erleben, welch große Faszination das Thema Modellbahn nach wie vor auf Menschen jeden Alters ausübt.

Man könnte sagen, dass parallel zum Strukturwandel das Angebot zugenommen hat. Wird der Hobbyist mit dieser Vielfalt nicht überfordert oder ist es ein Indiz dafür, dass bei tendenziell kleineren Stückzahlen attraktive Neuheiten für mehr Nachfrage sorgen?

T.K.: Selbstverständlich stehen attraktive Neuheiten immer im Fokus der Aufmerksamkeit. Das ist aus meiner Sicht aber keine Überforderung für die Modellbahn-Fans, sondern ein klarer Vorteil, weil jeder nach seinen individuellen Vorlieben bestens bedient wird.

Der Branchenführer stellte 2011 mit "my world" die Weichen in Richtung Kinderzimmer und Spielzeugabteilungen des Handels. Dieses Jahr folgte von PIKO "myTrain", auch Roco ist mit der digitalen Spielwelt "Next Generation" mit von der Partie. Wie lange wird es dauern, bis sich diese Nachwuchsarbeit auszahlt?

T.K.: Hier ist sicherlich ein etwas längerer Atem erforderlich. Da die Konzepte zur "Nachwuchsgewinnung" so vielfältig und unterschiedlich angelegt sind, ist die Chance groß, Kinder aller Altersstufen am richtigen Platz abzuholen. Die ganz Kleinen werden mit spielintensiven, robusten und bunten Batteriebahnen auf die Modelleisenbahn eingestimmt. Die Größeren locken die Steuerungsmöglichkeit über Smartphone oder Tablet und virtuelle Spielwelten. Das baut eventuell vorhandene "Berührungsängste" wirkungsvoll ab. Smartphone und Modellbahn – das passt zusammen und kann sich sinnvoll ergänzen.

Zur Spielwarenmesse® 2016 folgt mit Revell eine weitere Marke, die mit einem zielgruppenspezifischen Sortiment ein jüngeres Klientel erreichen will. Ist die "Verjüngung" eine allgemeine Tendenz im Bereich Modellbau & Hobby?

T.K.: Auch im klassischen Modellbau gilt es, potenziellen Nachwuchs sehr früh mit spezifischen Produkten anzusprechen. Hierbei ist es von größter Wichtigkeit, dass die Kinder schnelle Erfolgserlebnisse haben, und die Produkte stabil und spielintensiv sind. Außerdem müssen die Bausatzteile baufertig aufbereitet sein und das Bauen soll ohne Kleber und Farbe gelingen. Ist dann der Basteltrieb einmal geweckt, gibt es auch für die zunehmenden Fertigkeiten des jungen Bastlers die jeweils passenden Bausätze. Entscheidend ist, dass es in keiner Stufe zu Überforderungen und damit zu Negativerlebnissen kommt. Gewisse Herausforderungen sind dabei aber durchaus gewollt und wichtig.

Schaut man sich die Neuheiten-Kataloge der Hersteller an, dann sind die geprägt von attraktiven Dampfloks. Warum haben es moderne Loks so schwer?

T.K.: Bei Dampflokomotiven sind große Teile der Antriebstechnik deutlich sichtbar. Das macht sie filigran und für viele attraktiv. Auch beim Vorbild sind es oft die Dampfloks, die durch Geräusch und Geruch den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Auf der anderen Seite repräsentieren fast ausschließlich moderne Elektrolokomotiven und Triebwagen die "große" Bahn von heute. Wenn man davon ausgeht, dass die Liebe zur Modellbahn in den meisten Fällen über das Interesse an der "echten" Eisenbahn geweckt wird, dürfen selbstverständlich die Modelle der aktuellen Vorbilder in den Sortimenten der Hersteller nicht vernachlässigt werden.


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Ulrich Texter

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