Spielwarenmesse: Interview mit Horizon Hobby: neue Technik prägt den Modellbau

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18. November 2015 / Macher

Interview mit Horizon Hobby: neue Technik prägt den Modellbau

von Ulrich Texter /  Kommentare anzeigen

Im Modellbau wird der Traum vom Fliegen immer realer. Horizon Hobby LLC zählt hier zu den weltweit führenden Unternehmen. Zahlreiche Neuheiten wie die 2,4 GHz-Technologie oder die in diesem Jahr in Nürnberg neu vorgestellte SAFE-Technologie stammen aus der amerikamischen Ideen-Schmiede in Illinois. Seit 2004 ist Horizon Hobby in Europa präsent. Vier Jahre später übernahm man den deutschen Distributeur JSB. Daraus entwickelte sich eine Erfolgsgeschichte. Wir sprachen mit Jörg Schamuhn, Vizepräsident Marketing & Sales Europe bei Horizon Hobby.

Spielwarenmesse®: Herr Schamuhn, mit dem Modellflugzeug Hobbyzone Sport Cub SAFE gewannen Sie in diesem Jahr auf der Spielwarenmesse den Toy Award in der Kategorie Teenager & Family. Können Sie sich diesen Erfolg erklären, sind doch Multicopter der Trend schlechthin?

Jörg Schamuhn:
Wir glauben, wir konnten mit der Sport Cub SAFE demonstrieren, dass es in diesem Jahr noch mehr gibt als den Drohnen-Hype. Und mit der Super Cub in Zusammenhang mit der SAFE Technologie haben wir ein jahrzehntelanges Problem für den Endverbraucher gelöst: dass man sich selbst das Fliegen beibringen kann. Ich denke, dies war der Kernpunkt für den ToyAward.

Horizon Hobby
Jörg Schamuhn (r.) und das Horizon-Team

Der klassische Modellbau scheint „out“, die Welt aus der Vogelperspektive zu betrachten und zu vermessen „in“. Leiden darunter nicht die Segmente Flugzeuge, Boote oder Autos?

J.S.: Man muss hier eine differenzierte  Betrachtung vornehmen. In den Jahren 2003 bis 2007 wurden potentielle Neukunden durch sehr stark vorgefertigte Schaummodelle gewonnen, von 2007 bis 2013 von Hubschraubern, koaxial oder auch Hubschrauber mit modernen Stabilisierungshilfen. Dieses Neukundengeschäft liegt heute im Bereich der Drohnen – und fast ausschließlich dort. Hinzu kommt, das Drohen von den neuen Kunden oft nicht als Modellbau gesehen werden, sonders als fliegende Kameras. Der klassische Modellbau ist deshalb nicht out. Aber die Marktexpansion findet bei den Drohnen statt, ohne Frage. Damit verbunden ist ein signifikanter Abfluss von Kaufkraft in traditionellen Modellbausegmenten.

Was macht aus Ihrer Sicht den besonderen Reiz dieser Fluggeräte aus? Ist es die Modellflug-Technik oder das unbewusste Gefühl von „Big Brother is watching you“?

J.S.: Für mich als Modellpilot mit 30 Jahren Flugerfahrungen haben Drohnen als Fluggerät kaum einen Reiz. Ich finde sie nach kurzer Zeit langweilig. Aber der Reiz liegt in der Tatsache, dass ich mit der Kamera eine andere Perspektive meiner Umgebung erschließen kann. Die Welt von oben ist immer noch faszinierend. Und dies ist jetzt mit Drohnen einfach zu erreichen.

Die Bandbreite von Multicoptern reicht von Winzlingen bis zu Produkten, die auch die Spionage-Aufklärung einsetzen könnte; sie geht von preiswerten bis viele tausend Euro teuren Modellen. Wo spielt aus Ihrer Sicht inzwischen die Musik im Privatsektor?

J.S.: Wir glauben, dass sich der Markt der Kameradrohnen ähnlich entwickeln wird wie der von Kameras. Der private Nutzer wird sich auf Produkte unterhalb von 1000 € fokussieren. Das obere Preissegment wird maßgeblich von semi-professionellen und professionellen Anwendern genutzt werden. Und der Markt von Kameradrohnen unter 100 € wird beschränkt bleiben, wegen der marginalen Qualität der Bilder und Videos.

Die technische Ausrüstung schreitet immer weiter voran. Ihr Spitzenmodell Blade 350 QX3 AP Combo bietet sogar eine Return-Home-Funktion. Wo führen uns die Algorithmen noch hin und wird aus dem Modellbauer der Programmierer von morgen?

J.S.: Das ist wirklich schwer zu sagen, wo uns die Technik noch hinführt. Sicher ist, Innovationen schreiten voran. Sicher ist auch, dass der Modellbaukunde darauf pochen wird, noch selbst fliegen und fahren zu können. Für diese Gruppe sind Innovationen wichtig, die das Hobby und das Produkt sicherer und besser in der Handhabung machen. Der neue Kunde wird darüber hinaus Dinge wie return to home sehr schätzen. Deshalb bleibt es spannend. Es wird weitergehen, ohne Frage.

In den letzten Jahren war Horizon ein Wachstumstreiber. Inzwischen sind weitere Anbieter im Spiel. Wie und wo generieren Sie weiteres Wachstum?

J.S.: Es sind weitere Anbieter im Spiel und andere nicht mehr. Wir leben in einem sehr dynamischen Markt. Wachstum generieren wir aus unserem Portfoliomanagement, unseren Innovationen und aus den Lösungen von Kundenbedürfnissen, die im Bereich Modellsport und Modellbau engagiert sind und dies als Hobby zeitweise oder langfristig betreiben. Es gibt ausreichend Potential, um zu wachsen.

2014 haben Sie den traditionsreichen Hersteller und Händler Staufenbiel übernommen. Damit verkaufen Sie auch Wettbewerbsprodukte. Was ist das Ziel dieser Strategie?

J.S.: Unser Ziel ist es, im Vertrieb allkanalfähig zu sein, also in allen drei Vertriebssparten, um im Großhandel, Specialty und Einzelhandel Relevanz zu erhalten bzw. zu erreichen. Wir wollen als Unternehmen über jeden dieser Kanäle die Endverbraucher erreichen. Und wenn man auch Einzelhändler können will, braucht man Erfahrung, die wir mit Staufenbiel erworben haben. Der Verkauf von Wettbewerbsprodukten ist eine Notwendigkeit, um kompetenter Einzelhändler zu sein. Und es macht sogar jede Menge Spaß.

Ihr Unternehmen ist als Großhandel entstanden. Ihr Schlüssel zum Erfolg liegt in den Eigenmarken und eigenen Produkten. Mutiert Horizon Hobby sukzessive zum Hersteller, wie man es in anderen Segmenten beobachten kann, um so alle Wertschöpfungsstufen in einer Hand zu halten?

J.S.: Das Unternehmen ist in den USA als Großhändler entstanden. Aber in Europa waren wir von Anfang an ausschließlich mit Eigenmarken unterwegs. Ja, in diesem Zusammenhang verstehen wir uns schon lange als Hersteller und Innovator. Es ist der Schlüssel zu unserem Erfolg. In unserem heutigen Modell halten wir dabei jedoch nicht alle Elemente der Wertschöpfung in der Hand, denn die Produktion der Produkte übernehmen immer noch unsere Partnerunternehmen in Asien und im Bereich Distribution legen wir immer noch sehr großen Wert auf unsere Handelspartner im Einzelhandel.


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Ulrich Texter

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