Spielwarenmesse: Interview Razor: wie die Leiden­schaft für das Produkt den Erfolg beeinflusst

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Razor RipSurf
  Macher

21. März 2016 / Macher

Interview Razor: wie die Leiden­schaft für das Produkt den Erfolg beeinflusst

von Ulrich Texter /  Kommentare anzeigen

Der kalifornische Outdoor-Spezialist Razor zählt zu den Marktführern bei Kinderfahrzeugen. Vor zwei Jahren präsentierte das Unternehmen auf der Spielwarenmesse® sein „Crazy Cart“, das mit dem „Outdoor Toy of the Year“-Award ausgezeichnet wurde. 2016 legte der Hersteller von Rollern und elektrischen Fahrzeugen mit „RipSurf“ nach. Wir sprachen mit Ali Kermani, dem kreativen Kopf hinter den Produkten.

Spielwarenmesse®: Herr Kermani, bei Ihrem Namen dachten wir sofort an den deutsch-iranischen Schrift­steller und Orientalisten Navid Kermani, der 2015 den international renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen hat. Sind Sie für Ihre Arbeit auch schon hochdekoriert worden oder reicht Ihnen der wirtschaftliche Erfolg?

Ali Kermani: Das Crazy Cart erfreut sich kommerziellen Erfolgs und einer ganzen Reihe Ehrungen und Auszeichnungen. Dazu zählt unter anderem die Auszeichnung 2014 zum „Outdoor Toy of the Year“. Für mich persönlich war es die größte Genugtuung, zu sehen, wie viel Spaß und Freude die Crazy Cart-Fahrer in den letzten Jahren ausstrahlten. Der einzige Grund, warum ich mich zehn Jahre meines Lebens dafür engagiert habe, dass das Crazy Cart auf den Markt kommt, ist, dass ich das Produkt einfach liebe und das großartige Gefühl, auf einem Crazy Cart zu fahren, mit Menschen auf der ganzen Welt teilen wollte.

Das Produkt erfreut sich immer größerer Beliebtheit rund um den Globus. Ich sehe Kinder und Eltern – alle Altersgruppen – die den Fahrspaß miteinander teilen. Das hat in den letzten Jahren immer wieder meine Aufmerksamkeit erregt. Diese Freude ist mit Abstand die größte Erfüllung all meiner Bemühungen.

Muss man als Produktenwickler ein wenig „crazy“ sein, um auf Ideen wie „Crazy Cart“, die „Jetts“ oder „RipSurf“ zu kommen?

A.K.: Einige mögen glauben, die Leidenschaft, die man braucht, um an sich selbst zu glauben, wenn es kein anderer tut, sei „crazy“, aber für mich passt Selbstvertrauen in diesem Zusammenhang viel besser. Ich bin nicht die einzige Person, die Ideen hat oder vielversprechende Möglichkeiten als solche erkennt. Aber ich gehöre zu den wenigen Menschen, die sich nicht durch Nein-Sager und Skeptiker davon abbringen lassen, ihre Ziele zu verfolgen.

Ich versuche jedem, der mich fragt, wie ich es geschafft habe, die Pro­dukte auf den Markt zu bringen und damit meine Träume zu verwirklichen, zu erklären: Menschen neigen immer dazu, erst einmal „nein“ zu sagen, „das wird nichts“ oder „das ist zu schwer“. Der Schlüssel ist aber, zu erkennen, dass jede Art negativer Rückmeldung der Weg zum Erfolg ist. Mit anderen Worten: Wenn jemand „nein“ sagt, frage ich ihn: „Warum nicht?“, und versuche, sein Feedback als Anleitung für ein noch besseres Produkt und/oder eine noch bessere Präsentation zu sehen.

Angeblich haben Sie einen großen Teil Ihres Lebens auf Rollen verbracht. Was ist in Ihrer Kindheit passiert, dass Sie vom Skaten nicht mehr loskamen?

A.K.: Was passiert ist? Schon als Kind liebte ich es, im Freien zu spielen. Das machte mir großen Spaß. Der erste Sport, für den sich meine Leidenschaft entfachte, war das Surfen. Aber die Entfernung von meinem Haus zum Strand war so weit, dass ich nur ein bis zwei Mal die Woche surfen konnte. Das reichte mir natürlich nicht.

Als ich eine Zeit lang in der Nähe der Berge wohnte, begann ich im Winter an den Wochenenden mit dem Snow­boarden und an den Werktagen mit dem Skateboarden. Als das Skateboarden immer be­liebter wurde, wurden Skateparks in der Nähe meines Hauses gebaut und diese neu ent­deckte Erreichbarkeit war meine Chance! Mein Leben spielte sich rund um den Skatepark ab, wo ich all meine Freizeit verbrachte und meine engsten Freundschaften schloss. Und vor allem, wo ich Carlton Calvin das erste Mal traf, den Gründer von Razor. Damit begann meine Karriere in der Spielwarenindustrie.

Das Design des „RipSurf“ ist einem Surfboard nachempfunden, was ungewöhnlich genug ist. Hatten Sie dabei die Beach Boys (Surfin’ U.S.A.) oder The Mamas and the Papas (California Dreaming) im Ohr und kalifornisches Lebensgefühl im Blut?

A.K.: Als die erste Idee des RipSurfs aufkam, hatte ich hauptsächlich den Spaß und das spannende Surf-Gefühl im Kopf, das ich an die breite, auf dem Land lebende Masse weitergeben wollte. Fast zehn Jahre lang sind meine Freunde und ich auf den RipStik Casterboards gefahren und wir haben immer gemerkt, wie viel Spaß uns das bereitete und dass es ein Surf-Gefühl vermittelte. Seitdem überlegte ich, wie es wäre, mit einem Caster­board auf einer Welle zu reiten.

In meinem örtlichen Skatepark dachte ich: Warum ent­wickle ich nicht eine neue Art Casterboard, das stärker aussieht und funktioniert wie ein echtes Surfboard? Dieser Gedanke entfachte die Idee zum RipSurf-Projekt. Mit dem Ziel, ein authentisches Surf-Erlebnis an Land zu bringen, starteten wir die Entwicklung des RipSurfs von Grund auf. Beide Komponenten sollten realisiert werden: das Design und die Funktio­nalität.

Das Ergebnis des jahrelangen Entwicklungsprozesses ist eines der spannendsten in der jüngeren Geschichte auf dem Markt neuer Boards: der RipSurf. Ich kann nicht beschrei­ben, wie bereichernd es war, einen Surfer nach dem anderen zu beobachten, wie er sich in den neuen RipSurf verliebte. Und ich habe bemerkt, dass der RipSurf Bewegungen, Gefühle und Spaß wie auf einem echten Surfboard hervorruft.

Elektromobilität ist ein aktuelles Thema. Razor präsentierte mit dem Power Core E90 einen weiteren Elektroroller in Nürnberg. Brauchen Bewegungs-Fans wirklich diese zusätzliche Power? Wo liegen die Vorteile?

A.K.: Um direkt Ihre erste Frage zu beantworten: Ja! Bewegungs-Fans brauchen immer zusätzliche Power. Das zusätzliche Drehmoment (was sich darin zeigt, wie schnell ein Fahrzeug an Geschwindigkeit gewinnt) ist ein unbezahlbares Gefühl. Das ist der größte Vorteil des PowerCore E90 im Vergleich zu traditionell motorisierten Rollern. Der PowerCore nutzt die neue Radnabenmotortechnologie von Razor. Dadurch leidet er nicht an dem Drehmoment-Verlust, der mit traditionellen gurt- oder kettengetriebenen Fahr­zeugen einhergeht.

Die 1:1-Übersetzung des Radnabenmotors wird sofort spürbar, wenn der Motor gestartet wird. Es gibt einen richtigen Power-Ruck! Jeder, der den neuen PowerCore E90 bisher getestet hat, bemerkt und fühlt, wie viel Kraft in dem Scooter steckt. Und das ist das Ergebnis des Drehmoments durch den integrierten Randnabenmotor des PowerCores.

Mit viralem Marketing haben Sie dem „Crazy Cart“ zum Durchbruch verholfen. Welche Rolle spielt das „Social Web“ inzwischen in den USA? Macht es dem klassischen Marketing die Pole Position streitig?

A.K.: Das Internet, insbesondere Social Media, stellt eine der größten Möglichkeiten für ein neues Produkte dar, schnell an Bekanntheit zu gewinnen, aber das heißt nicht, das es einfach ist. Anders als in den traditionellen Medien, wo die Inhalte für den Zuschauer kuratiert sind, liegt die Macht der Wahl beim Internet und den sozialen Medien in den Händen jedes einzelnen Zuschauers. Das bedeutet, dass der Erfolg von Marketing in diesen neuen Medien auf gewisse Weise mehr von den Werten bestimmt wird, die transportiert werden.

Mit anderen Worten: Um die Anstrengungen des Online-Marketing effektiv in den Vertrieb zu überführen, braucht man, glaube ich, beides – ein überzeugendes Produkt und eine aussagekräftige Botschaft. Das war auch der Schlüssel für unseren Marketing-Erfolg, das Crazy Cart über die Social-Media-Kanäle zu bewerben.

Das Crazy Cart ist ein tolles Produkt. Wir haben es geschafft, die Bekanntheit des Produktes mit Spaß und spannenden Videos zu steigern. Die Zuschauer fühlten sich so stark angesprochen, dass sie die Videos auf ihren eigenen sozialen Netzwerken teilten.  Ich würde sagen, virales Marketing kom­plettiert vielmehr das klassische Marketing, als dass es in Konkurrenz zu ihm steht.


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