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23. November 2016 / Trends

Die Kugel rollt

von Ulrich Texter /  Kommentare anzeigen

Holzspielzeug liegt im Trend. In einer immer komplexer und komplizierter werdenden Welt sehnen sich Eltern nach einfachen Dingen, die dennoch Kreativität und Fantasie fördern. Davon zeigen sich jedenfalls Hersteller von Holzspielzeug überzeugt. Gleichzeitig ist es eine positiv besetzte Reminiszenz an die eigene Kindheit. Ein Klassiker ist und bleibt dabei das Systemspielzeug Kugelbahn.

In den letzten beiden Jahrzehnten verringerte sich das Zeitfenster, in dem der Nachwuchs besonders affin für Holzspielzeug ist. Kinder werden früher älter und bestimmen zunehmend, was gespielt wird. Das stellt nicht nur BRIO, Haba, Hape & Co. vor neue Herausforderungen. Langjährige Branchenbeobachter sprechen davon, dass Kinder mittlerweile ab fünf bis sechs Jahren fast für das Thema verloren seien. Das ist einer der Gründe, warum Kugelbahnen immer „jünger“ werden.

Kugelbahnen bieten Herstellern – neben der Eisenbahn – die Chance, ein Systemspielzeug zu kreieren wie es exemplarisch Lego mit seinem Baustein verkörpert. Systemspielzeug ist ausbaufähig, variabel und flexibel. Start-Sets können mit Ergänzungspackungen zu komplexen Gebilden ausgebaut werden. Kugelbahnen fördern Vorstellungskraft, verlangen Geduld, Konzentration, Sorgfalt und, wenn mehrere Kinder ins Spiel kommen, Interaktion. Systemspielzeug ist, auch wenn der Begriff strapaziert ist, pädagogisch wertvoll.

Auf der Spielwarenmesse 2016 waren eine Fülle von Bahnen und Erweiterungen zu entdecken. Pünktlich zum 30-jährigen Geburtstag seines Kugelbahnsystems präsentierte der Schweizer Hersteller cuboro „cuboro cugolino start“ für Kinder ab 3 Jahren. Der Grundkasten ist ein Einstieg in die cuboro-Welt. Mit stabilen Schienen- und Bauelementen entstehen erste einfache Bahnverläufe. Neue Elemente sollen auch gestandene Fans überzeugen.

Auch bei Wonderworld rollt seit Jahren die Kugel. Design, Sicherheit, Qualität, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sind die Eckpfeiler der Firmenphilosophie. 2012 führte das thailändische Familienunternehmen „Trix Trax“ ein. Die leistungsfähige Kugelbahn erhielt im letzten Jahr den „Good Toy Award“ der japanischen „Good Toys Association“. Auf der Spielwarenmesse 2016 stellte Wonderworld u.a. das neue Set „Flipping Bridge“ vor, das Kinder die Beziehung von Ursache und Wirkung näherbringt.

Der Kugelbahn-Baukasten Quadrilla entstand Ende der 90er Jahre in Deutschland. Ein Ende der Entwicklung dieser technisch-konstruktiv geprägten Bahn für Kinder ab 4 Jahren ist nicht abzusehen. Seit 2012 besitzt „Hape“ die Produktions- und Markenrechte an Quadrilla. Kontinuierlich erweitert man das Sortiment, in diesem Jahr um die „Weltraumstadt“. Das Modell erlaubt eine 180 Grad Ebenen-Verschiebung, die auch schon in der „Autobahn“ und „Cyclone“ enthalten ist. Der Clou ist, dass sie im Dunkeln leuchtet. Umhüllt von der Dunkelheit wirken die leuchtenden Klötze, Schienen und Kuppeln, als wären sie von einem anderen Planeten.

Neben Kaden & Kaden Holzgestaltung, einer Pionierwerkstatt für Holzgestaltung, arbeitet sich kaum ein anderes Unternehmen so hartnäckig am Thema ab wie Haba. 1982 brachte Haba seine erste, die 36er Kugelbahn auf den Markt, die seitdem durch Ergänzungen und Baustein-Klemmen modernisiert, erweitert, aufgewertet wurde. Heute zählt die Bahn zu den Klassikern. Mit dem Slogan „Entdecken, erforschen und mehr!“ geht die aktuelle Generation ins Rennen.

30 Jahre brauchte Haba für die nächste große „Sause“, die Kullerbü-Kugelbahn, die jüngere Zielgruppen anspricht. Dank des Klicksystems, der Spezialeffekte und ihrer Größe wird hier das Kugelbahn-Bauen bunter und vielseitig. Die Bahn stellt eine neue Interpretation da, weil sie nicht nur Baumeister und Fans von Kugelbahnen anspricht. Auf der Bahn können auch Flitzer mit Schwungmotor oder eine Eisenbahn herunter sausen. Natürlich erhielt auch die „Neue“ 2016 attraktiven Zuwachs.

Gollnest & Kiesel lässt ebenfalls nicht locker und überarbeitet das aktuelle Modell. Auch Plantoys arbeitet an einem „Ramp Racer“, der voraussichtlich 2017 Jahr auf der Spielwarenmesse zu sehen sein wird.

Haben wir es also mit der ewigen Wiederkehr des Gleichen zu tun? Einmal Kugelbahn immer Kugelbahn? Das Spielverhalten habe sich verändert, glaubt Michael Hopf, Geschäftsleitung Marketing + Vertrieb Haba, dem müsse man auch bei Kugelbahnen Rechnung tragen. „Kugelbahnen zählen nach wie vor zu den Top-Produkten, aber sie müssen heute plakativer, weniger technisch-konstruktiv gestaltet sein. Jede Ergänzung muss am besten für sich spielbar sein.“ Offensichtlich wird auch die Zeit an Kugelbahnen immer kostbarer.

 

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Ulrich Texter

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