Spielwarenmesse: 3 Thesen zur Zukunft des Spielens

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Zukunft des Spielens
  Trends

04. Januar 2017 / Trends

3 Thesen zur Zukunft des Spielens

von Richard Gottlieb /  Kommentare anzeigen

In einer Zeit, in der sich alles, und damit meine ich wirklich alles, so rasant ändert, ist auch die Zukunft schneller da als früher. Deswegen ist es heute wichtiger denn je, darüber nachzudenken, was die Zukunft bringt. Damit wir möglichst wenig überrascht sind und möglichst viele Pläne haben, wenn die Änderungen da sind.

Ich bin der Verfasser des „Toy and Play Futurist Letter“, der an eine limitierte Zahl von Abonnenten versandt wird. Dort gebe ich Prognosen für die nächsten ein bis fünf Jahre ab und stütze mich auf Entwicklungen, die in der Welt stattfinden, in der wir aktuell leben. Damit meine ich nicht Spielzeugtrends als solche, sondern gesellschaftliche, kulturelle und technische Phänomene, die sich auf die Spielwarenbranche auswirken. Nachfolgend will ich kurz auf ein Paar Bereiche eingehen:

1. Selbstfahrende Autos

Autonomes Fahren

Mit der Zunahme an autonom fahrenden Autos wird sich auch das Verhalten von Familien ändern, die unterwegs sind. Dadurch ergeben sich wiederum Auswirkungen auf die Spielwaren und Spiele, die produziert werden

Aktuell gibt es eine Bewegung hin zu selbstfahrenden Autos. Google, Mercedes Benz, Intel, Audi, Tesla, GM, VW - all diese Unternehmen setzen darauf, dass fahrerlose Autos bis 2020 zum Straßenbild gehören.

Und wenn es keinen klassischen Fahrer mehr gibt, dann fällt auch die Rolle des Kapitäns weg, der nicht nicht mit den Beifahrern spielen kann, weil er am Steuer sitzt. Der Fahrer wird vielmehr zu einem weiteren Fahrgast und kann mitspielen, Geschichten erzählen oder sich anders am Geschehen beteiligen, weil er seinen Sitz umdrehen kann und dann den anderen Fahrzeuginsassen gegenüber sitzt.

Eltern werden also verstärkt mit ihren Kindern interagieren, wenn sie unterwegs sind. Das Fahrzeug übernimmt dabei die Rolle eines erweiterten Wohnzimmers. Dadurch entsteht Nachfrage nach Spielzeug, das einfach zwischen Zuhause und dem Fahrzeug hin- und hertransportiert werden kann und entsprechend designt sein muss

In meinem „Toy and Play Futurist Letter“ habe ich folgende Prognose abgegeben:

 

Wir glauben, dass dadurch Familien mehr Zeit mit Spielen in geschlossenen Räumen verbringen werden. Das heißt, dass Brettspiele wie Trivial Pursuit, Scrabble, Monopoly, Schach und Dame, Tablets in Übergröße, die speziell zum Spielen im Familienkreis gedacht sind, stärker nachgefragt werde. Bastelartikel, Puzzles, Kartenspiele und Angebote von STEAM wie Lern-Karteikarten und Lernhefte sowie Soft Toys wie z.B. Produkte aus formfestem Spielzeugschaumstoff dürften ebenso für unterwegs nachgefragt werden.

Vorausschauende Spielzeughersteller werden sich in den Planungsprozess für den Innenraum von Fahrzeugen einbringen. Der Fokus liegt auf modulare Spielzeugangebote und entsprechende Speichermöglichkeiten, mit denen die Spielaktivität ohne Probleme aus dem Auto nach Hause und wieder zurück verlagert werden kann. Und die besonders vorausschauenden Produzenten werden versuchen, mit Kfz-Herstellern Exklusivverträge abzuschließen und Markenpartnerschaften einzugehen.

2. Time to Market im Umbruch

Drohne liefert Paket aus

Kennen Sie das geflügelte Wort der „New York Minute“? Dieses einst für New York typische Phänomen, dass man etwas sofort tut oder bekommt, ist mittlerweile auf der ganzen Welt zu beobachten. Manche Kommentatoren vertreten sogar die Auffassung, dass die Option der schnellstmöglichen Lieferung an die Stelle der preisgünstigsten Lieferung getreten ist, weil sie dem Kunden wichtiger ist.

Für die Hersteller wird es einen Umbruch bei den Fristen geben, die Einzelhändler bereit sind zu warten, bis eine Ware bei ihnen eingetroffen ist. Man sieht schon heute, dass der Käufer bei Onlinekäufen eine Zustellung innerhalb eines Tages erwartet. Und manche Unternehmen planen bereits, ihre Lieferzeit auf einen Minutentakt zu reduzieren. Amazon arbeitet aktuell an einem Liefersystem, das mit Hilfe von Drohnen eine Zustellung der georderten Ware innerhalb von 30 Minuten schafft. Uber tüftelt an einem System, mit dessen Hilfe die Fahrer eine Essensbestellung in weniger als zehn Minuten ausliefern können.

In meinem „Toy and Play Futurist Letter“ habe ich folgende Prognose abgegeben:

 

Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass die Erwartungen, die an die Time to Market gestellt werden, nach oben geschraubt werden. Im Zeitalter der Dampfschiffe waren Passagiere zufrieden, wenn sie den Atlantik in ein oder zwei Wochen überquerten. Wie Sie wahrscheinlich bemerkt haben, geht es bei Flugangeboten heutzutage eher um Stunden als um Tage, wenn man von Amerika nach Europa gelangen will.

Ähnlich hat McDonalds mit der Einführung des Fast Food in den 1950ern eine neue Branche allein dadurch aus der Taufe gehoben, dass man die antizipierte Wartezeit änderte. Schauen Sie sich die Leute mal an, wenn sie in der Schlange stehen und auf ihr Essen warten: Sie scharren förmlich mit den Hufen, sie schauen nach rechts und links und vor allem nach vorne, weil sie wissen wollen, wann sie endlich dran sind. Und wenn sie ihr Essen nicht innerhalb weniger Minuten bekommen, werden sie ungeduldig.

3. Global agieren, lokal produzieren

Auch im Bereich der Warenherstellung kann man davon ausgehen, dass Unternehmen umdenken werden. Hier 3 Überlegungen:

  • Chinesische Spielwarenhersteller werden Fertigungsstätten in Nordamerika und Europa aufbauen, so wie es die japanische Automobilindustrie schon vorgemacht hat.
  • Vielleicht werden sich einige chinesische Unternehmen sogar dazu entscheiden, die Herstellung von Dingen, die automatisiert produziert werden, in die Herkunftsländer ihrer Kunden zu verlegen.
  • Die Hersteller werden sich genau ausrechnen, wie der Bruttogewinn durch den Zeitfaktor und die Unwägbarkeiten, die sich aus übermäßig langen Lieferketten ergeben, beeinflusst wird.

Richard Gottlieb ist ein weltweit renommierter Berater und Kommentator im Bereich Spielzeug und Spielen. Er ist Gründer des Beratungsunternehmens Global Toy Experts, Herausgeber der Global Toy News und verfasst den Toys & Play Futurist Letter. Er ist stimmberechtigtes Mitglied der Toy Hall of Fame und hat das Buch „Ambassador to the Kingdom of Wal-Mart“ veröffentlicht. Wenn Sie ihm gerne mitteilen möchten, was Sie über seine Einschätzung der Zukunft des Spielens denken, können Sie unter Richard@globaltoyexperts.com direkt mit ihm in Kontakt treten.

 

Autor dieses Artikels:

Richard Gottlieb, Global Toy Experts

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