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Strategiespiel unter Verlagen

Interview mit Heiko Eller-Bilz, Inhaber und Geschäftsführer der HeidelBÄR Games GmbH
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„Nachdem der Vertrieb und das Marketing von dem Spiel des Jahres 2016 zuletzt allein bei Asmodee in Deutschland lagen, kehrte Codenames nun zu seinen Ursprüngen zurück. Während HeidelBÄR Games den Titel als Verlag betreut, wird der Heidelberger Spieleverlag zum ersten Ansprechpartner für Vertriebsfragen. Gleichzeitig wird Asmodee Deutschland sich auf die vertriebliche Weiterentwicklung der Marke in strategische Absatzmärke konzentrieren und neue Kundengruppen ansprechen,“ teilte die HeidelBÄR Games GmbH Ende 2021 mit.

Wir sprachen mit Heiko Eller-Bilz, Inhaber und Geschäftsführer der HeidelBÄR Games GmbH, über die Gründe für diese Entwicklung und eine interessante Verlagskonstruktion.

Spielwarenmesse:

Was führte zu der Entscheidung, dass HeidelBÄR Games und der Heidelberger Spieleverlag im deutschen Markt den Vertrieb wieder übernommen haben?

Bild von Heiko Eller-Bilz, dem Inhaber und Geschäftsführer der HeidelBÄR
Heiko Eller-Bilz, Inhaber und Geschäftsführer der HeidelBÄR Games GmbH

Heiko Eller-Bilz: 

HeidelBÄR Games hat ja bereits Herbst 2019 die gesamte Bandbreite an deutschsprachigen Lizenz- und Vertriebsrechten von Czech Games Edition-Produkten von Asmodee übernommen – außer Codenames. Zu dieser Zeit war unser Verlag nach seiner Wiedergründung noch recht jung. Und das bedeutet, wir waren in einer Phase, wo man entscheiden muss, was man stemmen kann und was nicht. Wir wir Codenames wohl noch nicht angemessen gerecht werden können. So hat sich die Frage gar nicht gestellt, ob wir es gemeinsam mit den anderen starken CGE-Produkten von Asmodee übernehmen. Immerhin ist Codenames ein Titel, der jährlich über 100.000 mal im deutschsprachigen Raum verkauft wird. Doch nun, drei Jahre später, haben wir uns zusammen mit unserem Exklusivvertrieb Heidelberger Spieleverlag so gut etabliert, dass wir Codenames mit der restlichen CGE-Produkt-Familie vereinen können.

Spielwarenmesse:

Kommen alle Impulse für Neuheiten von CGE oder sitzt man da gemeinsam am Tisch?

Heiko Eller-Bilz: 

Ein Verlag wie CGE ist länger mit sich und der Entwicklung eines Produktes beschäftigt, als man denkt. Erst ab einem gewissen Punkt macht es Sinn, Partnerverlage ins Boot zu holen. Das ist bei Spielen von HeidelBÄR Games nicht anders. Gewissermaßen kommen wir also erst dann ins Spiel, wenn das Spiel 70% bis 80% fertig ist. Das gewährleistet, dass unsere Einsichten des deutschen Marktes einfließen können. Je nach Projekt wird der Input auch mal früher abgefragt. Aber da fehlen uns aktuell die Events, wie zuletzt auch die Spielwarenmesse, wo man mal bequem gemeinsam über ein Produkt zusammen beraten könnte. Das ändert sich hoffentlich bald wieder.

Aktuell können wir dadurch ehrlicherweise kaum beanspruchen, größere Impulse bei CGE-Entwicklungen zu setzen. Allerdings haben wir uns vor kurzem einfach persönlich getroffen. So wissen wir, was in Zukunft kommt, auch wenn noch gar nichts angekündigt ist. Positiv ist, dass wir uns so auf die optimale Umsetzung für den deutschsprachigen Markt konzentrieren können. Das wird oft unterschätzt, was da alles dahintersteckt. Und natürlich erweitern wir seit unserer Gründung auch unser eigenständiges Verlagsprogramm permanent, welches mit SPICY seinen bislang größten auch internationalen Erfolg vorweisen kann.

Spielwarenmesse:

Welche Rolle spielen die Spieleautoren in diesem Zusammenspiel der Verlage?

Heiko Eller-Bilz: 

CGE hat es geschafft, viele kreative Köpfe aus dem eigenen Umfeld zu mobilisieren. Teilweise namhafte Autoren, wie Vlaada Chvatil, aber eben auch Leute aus dem eigenen Verlagsteam, wie zuletzt die Autoren von Die verlorenen Ruinen von Arnak. Es war 2021 zum Kennerspiel des Jahres nominiert und hat den Deutschen Spielepreis im selben Jahr gewonnen. Das Vertrauen in die Zusammenarbeit mit langjährigen Partnern und Freunden ist das, was uns bei HeidelBÄR Games und auch CGE sehr wichtig ist. Wir haben das Glück mit gut befreundeten Partnern und auch Autoren arbeiten zu können, die wir mögen und respektieren. Natürlich gibt es aber auch immer wieder großartige Ideen von Newcomern, die wir genauso brauchen, um tolle Spiele machen zu können. Unsere und CGEs Autoren sind generell bis zum letzten Schritt involviert und können sich einbringen, daher haben wir auch intensiven Kontakt mit den CGE-Spielemachern.

Das Codenames Spielebrett besteht aus 25 Karten mit je einem Begriff. Jedes Team erhält eine Farbe (im Bild als Beispiel grün) und muss die Begriffe passend zur Farbe erraten.
Codenames ist ein spannendes Knobelspiel für clevere Agententeams, in dem jedes Team bestimmte Begriffe finden muss, hinter denen sich die Agenten ihrer Farbe verbergen. 

Spielwarenmesse:

Welche Unterstützung darf der Handel beim Abverkauf von Codenames erwarten?

Natürlich ist uns und Heidelberger ein guter Abverkauf und weiterhin tolle Zahlen für die Codenames-Reihe äußerst wichtig. Deshalb arbeiten wir hier gemeinsam eng mit dem Handel zusammen. Dies geht bei vergünstigten Einkaufspreisen bei entsprechenden Mengenabnahmen los, erweitert sich um verbesserte Konditionen bei Ausweitung des Codenames-Sortiments bis hin zu Marketingmaßnahmen, um neue Kunden in Kontakt mit Codenames zu bringen. Man denke hier z.B. an codenames.game, der digitalen Umsetzung des Spiels online, welche 2022 gerade erst neue Features erhalten hat, und worüber wir unzählige neue Kontakte für die Spiele-IP gewinnen werden. Alle Codenames Produkte werden dabei ganzjährig von geeigneten PR- und Social-Media-Maßnahmen im deutschsprachigen Markt begleitet werden. Für den POS laufen aktuell zudem nicht nur Planungen für Displays, sondern wir denken hier auch an den Einsatz von bspw. Demomaterialien, um das Spiel unverbindlich testen zu können oder Promomaterialien als Give-Aways, um zum Kauf anzuregen.

Spielwarenmesse:

Vielen Dank für das Interview, Heiko Eller-Bilz.

Info

Produktgruppe Spiele, Bücher, Lernen und Experimentieren

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