Nachhaltigkeit

Bausteine für eine bessere Zukunft

Interview mit Steven van Bommel, BiOBUDDi
Bausteine für eine besseres Zukunft

Spielwarenmesse:

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Bausteine aus umweltfreundlichen Materialien herzustellen?

Steven van Bommel,  CEO von BiOBUDDI
Steven van Bommel,  CEO von BiOBUDDI 

Steven van Bommel:

Alles begann im Prinzip an einem heißen Sommertag im Juni 2015, als ich von einem langen Arbeitstag nach Hause kam. Damals importierte unser Familienunternehmen schon seit Jahren Spielzeug aus Kunststoff, ich war für Werbung zuständig. Meine jüngste Tochter fragte mich an diesem Abend, warum wir eigentlich immer noch Plastikspielzeug in Fernost produzieren lassen. Sie erklärte mir, dass diese Produkte die Umwelt schädigen, in der sie und auch die nachfolgenden Generationen leben müssen. In der Schule hatte sie gelernt, dass Kunststoffe größtenteils aus Erdöl hergestellt werden, was wiederum ein knapper Rohstoff ist. Dadurch entsteht ein großer Umweltschaden, weil die Kunststoffproduktion zu enormen CO2-Emissionen führt. In diesem Moment habe ich begriffen, dass sich etwas ändern muss. Meine Tochter hat mir also unbewusst die Augen geöffnet und ich setzte mir zum Ziel, unsere Produktion umweltfreundlich zu machen. Dafür waren einschneidende Veränderungen im Unternehmen nötig. Unsere Spielzeuge sollten sicher sein, aber auch der Umwelt keinen Schaden zufügen. Am Folgetag wurde der Beschluss gefasst, alle bis dato gebildeten Reserven in dieses neue Projekt zu stecken, während alle anderen laufenden Projekte und Investitionen auf Eis gelegt wurden. An diesem Tag erblickte BiOBUDDi das Licht der Welt, auch wenn es bis zur Marktreife dann noch dauern sollte.

Wie dürfen wir uns den Prozess vorstellen, den Sie durchlaufen mussten, bis Sie schließlich mit dem Material für die Bausteine zufrieden waren?

Steven van Bommel:

Wir haben uns 2015 mit der Entwicklungsabteilung daran gemacht, größere Bausteine aus umweltfreundlichen Materialien zu entwerfen. Wir kannten uns ja schon einigermaßen in der Spielwarenbranche aus und haben uns erstmal ein bisschen umgehört. Wir haben dann Kontakt zu verschiedenen Fachleuten bekommen, die schon seit Jahren mit Kunststoff-Alternativen arbeiteten. Sie teilten ihr Wissen mit uns und wir sind dann gemeinsam in die Testphase eingetreten. Das war ein langwieriger und komplexer Vorgang, in dessen Verlauf wir auch die Universität Wageningen mit ins Boot holten. In den ersten beiden Jahren kam bei den Tests oft nicht das raus, was wir uns vorgestellt hatten – wir hatten also die Kosten an der Backe, aber nicht die gewünschten Ergebnisse. Die Materialauswahl war von allergrößter Wichtigkeit, denn wir wollten bei den Rohstoffen zu einem Kreislaufmodell kommen.

Nach zwei Jahren harter Arbeit hatten wir dann 2018 Grund zum Feiern. Endlich war es uns gelungen, ein Material zu finden, dass für die Fertigung unserer Bausteine geeignet war. BiOBUDDI hatte einen ganz eigenen Verbundstoff entwickelt, sodass sich die lange Entwicklungsphase und die Zusammenarbeit mit den Experten letztendlich ausgezahlt hat. Dieser Verbundstoff war einerseits flexibel, verfügte aber andererseits auch über die benötigte Härte, sodass die Steine ihre Form behielten. Außerdem ließen sich die Steine selbst von den Allerkleinsten leicht zusammen- und auch wieder auseinanderbauen. Ende 2017 erhielt unser Verbundstoff dann die Zertifizierung durch den TÜV Rheinland, sodass es jetzt ganz offiziell ist, dass unsere Spielsachen als biobasiert einzustufen sind.

Nun sind aber nicht nur die BiOBUDDi-Bausteine selbst nachhaltig, sondern sie stecken auch in einer umweltfreundlichen Verpackung. Ist das ein Verkaufsargument für den Handel?

BiOBUDDi Bausteinset U-Boot
BiOBUDDi Bausteinset U-Boot

Steven van Bommel: 

Nachhaltigkeit ist eine wichtige USP für unsere Produkte, aber nicht die einzige! Unsere Bauklötze sind pädagogisch wertvoll, erschwinglich und sorgen für jede Menge Spaß. Nachhaltigkeit muss im Produktmix jedes Spielwarenherstellers eine wichtige Rolle spielen. Am wichtigsten ist, dass das Produkt von Anfang bis Ende CO2-neutral ist. Bei BiOBUDDI ist das bei allen Produkten der Fall. Deshalb sind wir anderen Spielwarenmarken hier auch um einiges voraus. Wir wollen, dass die Einzelhändler das wissen und kommunizieren es entsprechend.

Gab es Stolpersteine oder Hürden auf Ihrem Weg? Gab es Momente, in denen Sie ans Aufgeben dachten? 

Steven van Bommel: 

Um ehrlich zu sein, gab es in den letzten Jahren ein paar Mal Momente, in denen ich mit dem Gedanken gespielt habe, alles hinzuschmeißen. Zum Beispiel als die Produkttests aufgrund der Andersartigkeit der Materialien nicht die Ergebnisse lieferten, die wir erwarteten oder als immer neues Geld in das Projekt gepumpt werden musste, sich aber keine Ergebnisse einstellten.
Es war ein langer Weg. Der Wendepunkt war erreicht, als wir das Produkt endlich auf den Markt bringen konnten. Da konnte ich in unserem Unternehmen jede Menge Begeisterung spüren. Und alleine das war die Mühe wert. Alle, die an BiOBUDDI beteiligt sind, sind extrem stolz auf das, was sie tun. Es geht nicht einfach nur um den Umsatz, sondern darum, wirklich etwas zu verändern.

Wie sehen Ihre Vision und Ihre Pläne für die Zukunft aus? Woran arbeiten Sie aktuell?

Umweltfreundliche Spielzeugblöcke von BiOBUDDi.
Umweltfreundliche Spielzeugblöcke von BiOBUDDi.

Steven van Bommel: 

Unsere Vision lautet klar und deutlich: Let’s build a better tomorrow! Das ist die Grundlage, auf der wir Projekte angehen.

Wir wollen in Zukunft unsere Produktgruppen erweitern. Mit unseren Puzzles, Kartenspielen und einigem mehr sind wir schon auf dem richtigen Weg. In dieser Richtung wollen wir weitermachen. Wer eine bessere Zukunft will, muss auch in Sachen Bildung etwas tun. Darum sollen unsere zukünftigen Projekte auch immer edukative Aspekte berücksichtigen, aber wir dürfen dabei natürlich den Fun-Faktor nicht außer Acht lassen. Schließlich sollen die Kinder Spaß beim Spielen haben.

Was würden Sie anderen Herstellern oder auch Händlern raten, die in Sachen Nachhaltigkeit aktiv werden wollen?

Steven van Bommel: 

Für die Hersteller habe ich einen ganz einfachen Rat: Fangt heute an! Jetzt oder nie! Wir müssen uns ändern, wenn wir den kommenden Generationen die Erde in einem guten Zustand übergeben wollen. Es darf nicht nur um Gewinn gehen. Engagiert euch stärker und übernehmt mehr soziale Verantwortung. Das ist zum einen sehr erfüllend, und am Ende vom Tag zahlt sich das dann auch in Form von Gewinnen aus.

Meine Botschaft an die Händler lautet: Schafft Flächen für nachhaltige Produkte in den Läden und erklärt dem Kunden, warum ein Produkt nachhaltig ist. Ich denke, dass CO2-Neutralität das wichtigste Kriterium ist. Spielwaren aus ABS-Kunststoffen verursachen 6,3 kg CO2-Emissionen pro 1 kg Endprodukt. Bei BiOBUDDi liegt dieser Wert bei 0,10 kg CO2 pro 1 kg Endprodukt. Als Händler kann ich diese Fakten klar und deutlich kommunizieren und den Kunden dann entscheiden lassen. Will er Spielwaren kaufen, die die Umwelt verschmutzen, oder will er sich für eine bessere Alternative entscheiden?

Welche Maßnahmen zur Steigerung der Bekanntheit Ihrer Marke stehen bei Ihnen derzeit im Mittelpunkt? Und wie wichtig sind Ihnen Messen?

Steven van Bommel: 

Wir versuchen, unsere Marke mithilfe von Social Media bekannt zu machen. Dafür haben wir Kampagnen auf Instagram, Facebook und anderen Kanälen gestartet, bei denen der Spaß im Vordergrund steht. Auch versenden wir regelmäßig Newsletter und informieren unsere Kunden über die neuesten Entwicklungen. Daneben haben wir noch unseren Blog auf unserer Website und bieten Händlern Promotions-Materialien für Aktionen im Laden, unterstützen sie aber auch bei Online-Aktionen mit Videos, Fotos, Produkttexten und ähnlichem.

Messen sind für die Verkaufsförderung im B2B-Bereich wichtig. Sie sind der perfekte Ort, um Händlern und Distributeuren unsere Story zu erzählen. Natürlich ist durch Corona vieles anders geworden, aber wir sind überzeugt, dass uns die Spielwarenmesse 2022 in Nürnberg wieder viel bringen wird.

Vielen Dank für das Interview, Herr van Bommel!

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