Spielelabor

Ernsthaftes Spiel: Moderationsspielzeug

Wenn Teams zu Playmobil und Lego greifen
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Was Wikinger-, Cowboy- und Hexenhüte aus der Playmobil-Welt mit den Abläufen von Teams aus Industrie, Mittelstand oder öffentlicher Hand zu tun haben? Kommt ganz auf die Phantasie der Teilnehmer an einem Training an, bei dem Playmobil Pro eingesetzt wird. Vor zwei Jahren hat die Brandstätter-Gruppe dieses Moderationsspielzeug auf den Markt gebracht – als „innovatives Moderationsset für den gesamten Businessbereich“. Das Set besteht aus 23 weißen Spielfiguren der bekannten Playmobil-Welt sowie 480 Accessoires, mit denen die Figuren ausgestattet und individualisiert werden können – dazu gehören unter anderem die schon genannten Hüte. Mit den Figuren lassen sich beispielsweise Teambeziehungen und Prozesse darstellen und weiterentwickeln.
„Diese Spielwelt bietet durch immer neue Kombinationen sehr viele Möglichkeiten“, sagt Christian Deuschle. Der zertifizierte Business-Coach unterstützt Führungskräfte und Teams dabei, besser miteinander zu kommunizieren und besser zusammenzuarbeiten. Dabei setzt er auch Playmobil Pro ein. „Strenggenommen ist Playmobil Pro keine Methode, sondern ein Material“, erklärt Deuschle: Der Moderator erstellt also selbst seine Rahmenbedingungen und Regeln für den Workshop. Gut findet Deuschle, dass Playmobil die zum Set gehörenden Figuren weiß gelassen statt: „Vorgegebene Farben und Bedruckungen würden die Figuren ja mit Bedeutung aufladen, würden für jeden Teilnehmer andere Emotionen und Erfahrungen darstellen“. Die neutral gehaltenen Figuren würden hingegen dazu einladen, sie mit Accessoires und mit den zum Set gehörenden Stiften individuell zu gestalten. „So kann jeder seine Interpretation in die Figur geben“, sagt der Coach.

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Gamification als Trend

Der Einsatz von Spielzeug im Coaching gehört zum großen Bereich der sogenannten Gamification. Diese methodische Verbindung aus spielerischem Handeln und Entwicklungs- oder Lernprozessen wird seit einigen Jahren immer wichtiger. So schreiben beispielsweise Thomas Ellenberger, Deane Harder und Marie Brechbühler Pešková in dem 2020 erschienenen Sammelband „Digitale Transformation und Unternehmensführung“, dass Gamification zunehmend zur Verbesserung der Unternehmenskultur eingesetzt werden – mit positiven Auswirkungen unter anderem auf Motivation und Zusammengehörigkeitsgefühl in den Teams.

Bereits 2017 hat das Zukunftsinstitut in der Studie „Playful Business“ herausgearbeitet, wie wichtig „eine neue (Spiel-)Kultur“ in Unternehmen sein kann, um die Herausforderung einer zunehmend komplexen Arbeitswelt zu bewältigen. Insbesondere jüngere Arbeitnehmer, die als „Gaming Natives“ den spielerischen Umgang mit realen und virtuellen Welten gelernt haben, sind offen für solche Ansätze. Die Bandbreite der eingesetzten Materialien ist dabei gewaltig. Neben Systemen mit menschlichen Figuren gibt es auch Ansätze, die mit Tierfiguren von Schleich arbeiten, oder sehr freies Arbeiten mit Bastelmaterial.

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Lego Serious Play

Deutlich länger am Markt als Playmobil Pro ist Lego Serious Play, ein Moderationsspielzeug auf Basis der berühmten dänischen Klemmbaustein-Marke. Mit diesem System arbeitet beispielsweise Jens Dröge. Der Coach mit einem Schwerpunkt auf dem Change Management kommt aus der Unternehmensberatung. „Mit Lego Serious Play bin ich vor sechs Jahren eher zufällig in Berührung gekommen, die Methode hat mich aber sofort begeistert“, sagt Dröge. Er setzt das System auch bei Kunden aus dem Mittelstand sehr erfolgreich ein, obwohl dort die Arbeit mit Moderationsspielzeug am Anfang manchmal auf Widerstände stößt. 

Im Gegensatz zur Playmobil Pro steckt hinter Lego Serious Play eine seit fast 20 Jahren etablierte Methode mit einem klar vorgegebenen Prozess: „Zu einer vom Coach gestellten Aufgabe bauen alle, stellen ihre Ergebnisse vor und reflektieren gemeinsam dazu“, fasst Dröge zusammen. Der Coach kennt und schätzt beide Systeme. Während Lego Serious Play eher mit Metaphern arbeite und damit etwas abstrakter bleibe, habe Playmobil Pro großes Potenzial für das assoziative Vorgehen, so dass die Figuren im gemeinsamen Rollenspiel auch einen konkreten Prozess durchlaufen können. Sein Know-how hat Dröge mittlerweile als Übersetzer („Serious Work: Meetings und Workshops mit der Lego Serious Play-Methode moderieren“) und Co-Autor („So funktioniert die Lego Serious Play-Methode online“) auch in Fachbücher eingebracht.

Wandel in den Zeiten von Corona

Coachings mit Moderationsspielzeugen sind ein bewährter Ansatz, um Teams aus Unternehmen und Organisationen in Phasen des Wandels zu begleiten. Einen besonders einschneidenden Wandel erlebten diese Angebote seit Anfang 2020 aber auch selbst. Denn durch die Einschränkungen zum Schutz vor dem Corona-Virus waren Präsenzveranstaltungen plötzlich nicht mehr möglich. „Also haben wir kleinere Sets an die Teilnehmer geschickt, mit denen dann in einer virtuellen Konferenz gemeinsam gearbeitet werden konnte“, sagt Christian Deuschle. Das Konzept ging auf: „Niemand hatte das Gefühl, dass etwas fehlt. Stattdessen gab es sehr positive Erfahrungen von Tiefe und schneller Umsetzung“, erinnert sich der Coach. Umgekehrt habe aber das Coaching vor Ort den Vorteil, viel dynamischer und spielerischer zu sein.

Ähnlich äußert sich Jens Dröge, der während der Pandemie ebenfalls auf virtuelle Formate setzte: Es werde in der Zukunft vermutlich bestimmte Formate geben, die weiterhin digital bleiben. Dabei denkt der Coach insbesondere an hybride Arbeitsformen, bei denen große Workshops durch kleine, fokussierte Einheiten im virtuellen Raum ergänzt werden. Ganz ablösen werden die digitalen Formate die Präsenzveranstaltungen aber nicht: „Online Lego Serious Play ist kein Ersatz für die klassischen Workshops, sondern eine gute Ergänzung“, betont Dröge.

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