Spielwarenmesse: 10 Prognosen, wie die Spiel­waren­branche 2022 aussehen wird

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13. November 2017 / Markt

10 Prognosen, wie die Spiel­waren­branche 2022 aussehen wird

von Richard Gottlieb /  Kommentare anzeigen

Prognosen zur Zukunft der Spielwarenbranche, die bis ins Jahr 2022 reichen, sind mehreren sich ständig ändernden Faktoren ausgesetzt, die scheinbar alle machen, was sie wollen. Trotzdem müssen wir auf die Zukunft vorbereitet sein.

Lassen Sie uns zuerst einen Blick auf die Kräfte werfen, die heute am Werk sind, bevor wir dann ins Detail gehen.

  • Dem stationären Handel geht es nicht gut – das gilt ganz besonders für die Big Player. Toys "R" Us ist insolvent und der ein oder andere fragt sich, ob der stationäre Handel in seiner jetzigen Form überhaupt noch eine Zukunft hat. Welcher Einzelhändler nun welche Maßnahmen einleiten wird und wie die dann aussehen werden, steht in den Sternen.
  • Der E-Commerce hat dagegen einen Lauf und das nahezu exponentielle Wachstum von Amazon geht immer weiter. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass gerade die großen Onlinehändler dem stationären Handel neues Leben einhauchen könnten, weil sie mit neuen Ideen und Strategien wie z.B. Ladengeschäften, die ganz ohne Mitarbeiter auskommen, frischen Wind in den Markt bringen.
  • Die Verbraucher von heute und insbesondere die Millenials zieht es im Gegensatz zu ihren Babyboomer-Eltern oder ihren Großeltern nicht mehr zum Einkaufen in die Läden. Sie sparen sich lieber die Mühen und Kosten, bevor sie im Laden dann doch nichts Passendes finden. Einfacher ausgedrückt: Online-Shopping spart Zeit und ist einfach effizienter.
  • Wer im Netz einkaufen will, muss kreditwürdig sein und Zugang zum Internet haben. Die Vertreter der Unterschicht haben weder das eine noch das andere. Deswegen gehören Billiganbieter und Ein-Euro-Läden zu den Lichtblicken für den stationären Handel, denn sie sind schlicht und ergreifend Zufluchtsorte für die digital und wirtschaftlich Abgehängten. Darum sprießen diese Geschäfte auch wie Pilze aus dem Boden und geben dem ohnehin schon dynamischen Markt für Niedrigstpreisprodukte weiteren Auftrieb, indem sie den Beziehern niedrigster Einkommen möglichst viel für ihr Geld bieten.
  • China mausert sich zu einem der führenden Absatzmärkte für Spielwaren. So sagt Euromonitor z.B. voraus, dass China die USA bis 2021 beim Spielzeugkonsum abgelöst haben wird.

Wie sieht also die Spielwarenbranche im Jahr 2022 aus?

  1. In den Führungsetagen wird es immer weniger Babyboomer und Vertreter der Generation X geben. An ihre Stelle treten die Millenials. Mit ihren neuen Ideen, die frei von den Handelspraktiken des vergangen Jahrhunderts sind, werden sie sowohl Handel als auch Produktion grundlegend verändern.
  2. China wird als Absatzmarkt für Spielwaren die weltweite Nummer 1 sein. Stellen Sie sich also auf häufige Reisen ins Reich der Mitte ein – die US-Spielwarenproduzenten jedenfalls werden weiter in den chinesischen Markt investieren.
  3. Amazon wird in den USA und vielen anderen Ländern weltweit der größte Spielwarenhändler sein.
  4. Toys "R" Us wird unter neuer Leitung stehen und weniger und kleinere Filialen haben. Gleichzeitig wird der unabhängige Einzelhandel sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den US-Platzhirsch entwickeln.
  5. Generell wird der unabhängige Fachhandel wieder stärker werden, weil viele Händler in den Lagen Geschäfte eröffnen werden, die von Toys "R" Us aufgegeben wurden.
  6. Die Zeit der Selbstbedienung im Handel ist vorbei – das Einkaufserlebnis wird wieder von persönlichem Kontakt und Interaktion geprägt sein.
  7. Der 3D-Druck wird sich noch weiter entwickeln und den herkömmlichen Produktionsstätten das Leben schwer machen. Die Kunden werden sowohl im Netz als auch im Laden die Möglichkeit haben, personalisierte Produkte zu bestellen.
  8. Bereits heute bieten Unternehmen wie AMC und IMAX digitale Games und Entertainment in ihren Spielstätten in den USA an. Es ist damit zu rechnen, dass die Konkurrenz in diesem Bereich härter wird. Es werden immer mehr Anbieter auf den Markt drängen, die Spielerlebnisse anbieten, die zuhause nicht möglich sind.
  9. Lizenzen werden nach wie vor sehr wichtig sein, aber durch das Überangebot an Sendungen (YouTube, Netflix, Disney Channel, NBC Universal, Nickelodeon und viele andere mehr) und die Tatsache, dass Blockbuster in immer kürzeren Abständen in die Kinos kommen, wird es unheimlich schwierig sein, auf das richtige Pferd zu setzen.
  10. Alle außer Disney werden Einbußen bei den Lizenzgebühren hinnehmen müssen und es wird eine Marktbereinigung in der Entertainmentbranche geben.

Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

Richard Gottlieb ist ein weltweit renommierter Berater und Kommentator im Bereich Spielzeug und Spielen. Er ist Gründer des Beratungsunternehmens Global Toy Experts, Herausgeber der Global Toy News und verfasst den Toys & Play Futurist Letter. Erfahren Sie mehr in Richard Gottliebs Vortrag "Die Welt von morgen und die Zukunft des Spielens" im Toy Business Forum auf der Spielwarenmesse® 2018.

 

Autor dieses Artikels:

Richard Gottlieb, Global Toy Experts

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