Spielwarenmesse: High Moon!

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Junge mit Astronautenanzug
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High Moon!

von Ulrich Texter

Am 20. Juli 1969 setzte Neil Armstrong mit den Worten „That’s one small step for a man, one giant leap for mankind“ als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. Im Dezember 1972 war dann Schluss mit den Apollo-Missionen. Es wurde ruhig um unseren nächsten Trabanten. Jetzt, 50 Jahre nach Apollo 11, wollen alle wieder hin, obwohl der Mars als neuer Hotspot galt. Spielzeughersteller und Verlage mischen mit „Space-Produkten“ und Büchern beim aktuellen Trend kräftig mit.

Am 25. Mai 1961 kündigte der amerikanische Präsident John F. Kennedy in einer Grundsatzrede an, noch vor 1970 einen Amerikaner auf den Mond zu bringen und heil zurückzuholen. Dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten war mit Sputnik, dem ersten künstlichen Erdsatelliten, und dem Flug von Juri Gagarin im April 1961 der Schock gehörig in die Glieder gefahren. Der Kampf der Systeme nahm nun auch im Weltraum Fahrt auf und die Amerikaner wollten mit ihrem Projekt erneut ihre technologische Überlegenheit unter Beweis stellen. Fast 400.000 Menschen arbeiteten zweitweise an der Mission. Kennedys Rede wurde zur Matrix aller „Yes we can“-Reden. Am 20. Juli 1969 um 3:56 Uhr MEZ war es so weit: Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond.

Geld spielte bei der Verwirklichung von Kennedys Vision keine Rolle. Die Apollo-Missionen der NASA sollen über 20 Milliarden Dollar verschlungen haben. Das ist heute gesellschaftspolitisch kaum noch durchzusetzen. Heute überwiegt der Stolz wie vor 50 Jahren, als über 600 Mio. Menschen Armstrong zusahen. Inzwischen halten es viele Menschen eher für pure Geldverschwendung, ins All zu fliegen, um dort Experimente durchzuführen. So steht die finanzielle Zukunft der ISS buchstäblich in den Sternen, obwohl sie laut Astro Alex, „die komplexeste, wertvollste und unwahrscheinlichste Maschine ist, die die Menschheit jemals gebaut hat“.

Wissenschaft hat die Unschuld verloren

Kind im Austronautenanzug
Am 20. Juli 1969 setzte Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond.

Der Glaube an Wissenschaft und Ingenieurskunst war in den Sechzigern noch weitgehend ungetrübt. Die Welt war noch zukunftsoptimistisch, das Waldsterben war kein globales Buzz-Wort, Tschernobyl und Bhopal  weit weg und Klimaschutz kein Mega-Thema. Man glaubte daran, dass Wissenschaft die Lösung unserer Probleme ist, nicht Teil davon. Im Rahmen der Apollo-Mission mussten fast alle Technologien neu entwickelt werden – vom Träger- bis zum Landesystem. Heute halten wir mit einem Mobiltelefon mehr Rechenleistung in der Hand als im Apollo Guidance Computer (AGC) steckte, der aber zum Meilenstein für die Com­puterentwicklung wurde. Der AGC verfügte einen Arbeitsspeicher von etwa vier Kilobyte und schaffte etwa 40 000 Additionen pro Sekunde. Die Taktrate lag bei 100 Kilohertz – lächerlich im Vergleich zu einem heutigen Laptop.

Obwohl der Mars in den letzten Jahren im Fokus der Weltraum-Experten stand, ist derzeit wieder ein heftiges Interesse am Erdtrabanten erwacht. Ob Amerikaner, Russen, Chinesen, Inder, Europäer oder die israelische Organisation SpaceIL alle wollen zum Mond, als sei es das gelobte Land. Neben NASA oder ESA, um nur zwei Player zu nennen, tummeln sich auch Unternehmer wie Jeff Bezos mit Blue Moon Lunar Lander und Elon Musk mit SpaceX in dem Business. Als Bezos im Mai sein Projekt vorstellte, twitterte er prompt: „Blue Origin baut die Infrastruktur, um eine neue Generation von Träumern zu entfesseln. Ich habe diese Menschen heute getroffen, die Zukunft ist in guten Händen.“ US-Vizepräsident Mike Pence kündigte jedenfalls schon mal an, dass 2024 US-Astronauten am lunaren Südpol landen sollen. Alle haben es auf einmal sehr eilig. Das Wettrennen geht in die nächste Runde. 

Keine Träumer, sondern Traumerfüller

Modellbauset Lunar Module Eagle/ Revell
Modellbauset Lunar Module Eagle/ Revell

Träumen tat die Spielwarenbranche eigentlich nie, sie ist Business wie jedes andere auch, außer, dass sie gerne Träume erfüllt. Das will sie zum 50. Jubiläum der Mondlandung auch. Tatkräftige Unterstützung erhält sie dabei von Buchverlagen. Die Mond- und Raumfahrtprogramme der Spielzeughersteller und Verlage muten zwar etwas bescheidener an als das aktuelle Projekt der NASA, aber das 1 Meter hohe Modell der Apollo Saturn V von Lego macht durchaus was her. Das Modell besteht aus 1.900 Steinen und bringt es auf einen Durchmesser von 17 cm. Die detailgetreu nachgebildete Rakete besteht aus 3 abtrennbaren Raketenstufen, einschließlich der dritten Stufe „S-IVB“ mit der Mondlandefähre und dem Lunar Orbiter.

Der Marktführer im Segment Plastikmodellbau, Revell, präsentiert 2019 zahlreiche Geschenksets zu historischen Jubiläen. Zu „50 Jahre Mondlandung" gibt es ein ganzes Sortiment von Bausätzen der Raketen und Raumschiffe, die die Landung auf dem Erdtrabanten erst möglich gemacht haben. Bei der 1:48 Nachbildung der Fähre „Eagle“ handelt es sich um ein sehr detailliertes Modell für den fortgeschrittenen Modellbauer. Im Set sind Basisfarben, Kleber und Pinsel enthalten.

Science X Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt/ Ravensburger
Science X Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt/ Ravensburger

Auf der Spielwarenmesse 2019 präsentierte Busch das Konstruktionsspielzeug ENGINO. Die zyprische Marke steht für Experimentieren und Modellbau. Seit Mitte des Jahres ist das von Costas Sisamos entwickelte und mehrfach ausgezeichnete MINT-Spielzeug in der DACH-Region zu haben. Das Bauteile-System erlaubt dreidimensionale Konstruktionen mit unterschiedlichsten technologischen Anforderungen. Das Spektrum reicht von der Kleinkindserie „Qboidz“ über Inventor für Kinder ab 6 Jahren bis hin zu Robotik-Produkten und STEM-Heroes. Bis zu 120 verschiedene Modelle lassen sich mit den patentierten ENGINO-Bauteilen konstruieren. Passend zum Jubiläum kommt das Set Space Exploration auf den Markt, mit dem sich fünf Modelle bauen lassen. Das Lehrbuch informiert über verschiedene Aspekte der Raumfahrt.

Auch Klassiker gehören zum Angebot. Der Experimentierkasten „Abenteuer Raumfahrt“ von Ravensburger für Kinder ab 8 Jahren bietet wissenschaftlich geprüfte Experimente und echtes Expertenwissen: Wie funktioniert eine Rakete? Wie lange dauert eine Reise zum Mond? Wie trainieren Astronauten die Schwerelosigkeit? Kurzweiliger und lehrreicher Experimentierkasten mit guter Anleitung, bei dem Kinder ihre eigene Rakete bauen können.

Die Buchtipps zur Mondlandung

Der Hamburger Illustrator und Kinderbuchautor Torben Kuhlmann zählt zu den Shooting-Stars der Zunft. Mit Recht, wenn man sich nur seine drei bisher beim Nord Süd Verlag erschienen Bücher ansieht. Kuhlmann ist bekannt für sein Faible, technische Themen in Mäuse-Abenteuer zu verpacken. Sein dritter Genie-Streich, „Armstrong“, stand sogar auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums hat der vielfach ausgezeichnete Illustrator das Buch überarbeitet. „Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“ erhielt ein neues Cover sowie ein Hintergrundkapitel mit neuen Bildern zur Geschichte der Mondlandung. Ein Muss für Liebhaber des feinen Strichs.

Was ist Was-Buch Der Mond / Tessloff Verlag
Was ist Was-Buch Der Mond / Tessloff Verlag

„Was ist was?“ zählt zu den Klassikern im Markt der Sachbuchreihen. Die Titel der inzwischen auf über 140 Bände umfassenden Reihe heißen „Unsere Erde“, „Der Mensch“, „Sterne“ oder eben „Der Mond“, erschienen 1964 als Band 21. Der aktuelle „Mond“ ist bereits die dritte Auflage. Entstanden ist ein fast vollständig neues Buch, das nicht nur viel Wissenswertes über unseren nächst gelegenen Himmelskörper enthält, sondern der Mondlandung ein eigenes Kapitel widmet.
Was passiert mit einem, wenn man auf dem Mond vergessen wird? Dieser Frage geht der amerikanische Grafikdesigner John Hare in seinem Erstlingswerk „Ausflug zum Mond“, das jetzt pünktlich zum Jubiläum erschienen ist. „Ausflug zum Mond“ ist kein Bilderbuchdokument der realen Mondlandung, sondern in diesem textlosen Bilderbuch reist eine Gruppe von Kindern zum Mond. Unglücklicherweise malt eins der Kinder lieber die wunderbare Erde als im Staub umherzumarschieren. Als der Raumtransporter wieder abhebt, vergisst man ihn. Wie es weitergeht und welche Rolle dabei seltsame Mondwesen spielen, will man nun unbedingt wissen.


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Ulrich Texter

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