Spielwarenmesse: Automodelle: Sammler belohnen sich selbst

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blaues Modelauto von der Firma Schuco der Dickie Spielzeug GmbH
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Automodelle: Sammler belohnen sich selbst

von Ulrich Texter

Die Hersteller von Autominiaturen kämpfen mit einer Paradoxie. Während nach Experten­ansicht der Zenit für Automodelle überschritten zu sein scheint, erreicht die Fülle der Neu­heiten, die Zahl der Maßstäbe und Sammlerthemen sowie die Qualität der Modelle nie zu­vor bekannte Dimensionen. Wie also in einem disparaten Hobbymarkt agieren? Fragen an Peter Brunner, Markenverantwortlicher Schuco bei der Dickie Spielzeug GmbH.


Spielwarenmesse®: Herr Brunner, Sie sind, wenn Sie uns den Vergleich erlauben, Schuco-Urgestein. Wie hat sich der Markt für Modellautos in den letzten 30 Jahren, die Sie beruflich damit zu tun hatten, gewandelt?

Markenverantwortlicher Schuco bei der Dickie Spielzeug GmbH

Peter Brunner: Seinerzeit war für den Miniaturenhersteller das Fachhandelsgeschäft und das Geschäft mit den Automobilherstellern im Prinzip gleich wichtig. Heute stellt für uns bei Schuco das Fachhandelsgeschäft ca. 80% unserer Geschäftsbasis dar. Das Industriege­schäft mit aktuellen Fahrzeugen spielt für uns aufgrund der extremen Margenschwäche und stark rückläufiger Stückzahlen derzeit so gut wie keine Rolle mehr. Im Laufe dieser 30 Jahre sind wir zusammen mit unseren Kunden und Sammlern auch älter geworden. So liegt das Durchschnittsalter unserer Sammler mittlerweile bei über 50 Jahren.

Ist der heutige Sammler ebenfalls ein anderer als der, der in der Blütezeit des Auto­mobils seine Lieblinge nach Hause trug?

P.B.: Seinerzeit waren die Kunden viele Mitdreißiger, die sich in Beruf und Familie etabliert hatten und sich langsam ihre Jugendträume en miniature leisten konnten. Viele dieser Sammler sind heute noch beim Thema, allerdings deutlich älter geworden. Es gilt heute, neue, jüngere Kundschaft ans Thema Modellauto heranzuführen.

Und was wird heute im Zeitalter von Diesel-Gate und Schummel-Software gesammelt?

P.B.: Ein nach wie vor großes Sammelthema sind die automobilen Klassiker der 50-er, 60-er und 70-er Jahre. Im Kommen sind mittlerweile auch die Youngtimer der 80er-Jahre. Auch die landwirtschaftlichen Fahrzeuge stellen ein für uns extrem wichtiges und eigenständiges Sammelthema dar.

Die Hersteller von Modelleisenbahnen setzen seit Jahren auf „Back to the roots“. Männer ab 40 Jahren, so ihre Theorie, würden wieder ins Hobby einsteigen. Welche Theorie bestimmt den Diskurs bei diesem Hobby?

P.B.: Wir stellen fest, dass die Youngtimer der 80-er bis 90er-Jahre sich langsam  als Sammelthema etablieren. Mit diesen Modellen und neuen Produktlinien, zugeschnitten auf weitaus jüngere Zielgruppen, versucht der Markt an jüngere Klientel heranzukommen.

Sie liefern das Stichwort. Schuco war eine große Spielzeugmarke, heute scheint Schuco eine Sammlermarke zu sein. Müssen Sie nicht noch stärker an den Nachwuchs denken?

P.B.: Mit der Einführung der Schuco Edition 1:64 und dem damit verbundenen Preissegment von knapp unter 10,- Euro versuchen wir seit gut drei Jahren an jüngere Kunden heranzukommen. Dieser „Vater und Sohn-Maßstab“ findet langsam auch in Deutschland immer besseren Anklang. Derzeit stehen auch Überlegungen an, mit Schuco auch bei den Jüngsten anzusetzen. Unbedingte Zielsetzung ist es auf jeden Fall, mit „jüngeren“ Produkten auch wieder jüngere Kundenschichten zu erschließen.

Mit knapp 200 Neuheiten auf der Spielwarenmesse präsentierte sich Schuco eher moderat. Andere legten das Fünffache vor. Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Platz?

Modellauto in silber
Der Silberpfeil von Schuco.

P.B.: Ein Großteil der Probleme im Markt für Sammlerminiaturen sind sicherlich auch selbst gemacht. 1000 Neuheiten pro Jahr und Hersteller sind im Miniaturenmarkt keine Seltenheit. Sowohl der Fachhandel als auch der Endkunde/Sammler sind damit bei weitem überfordert was die Präsentation der Ware im Handel bzw. in einer privaten Sammlung als auch die Finanzierung solcher Warenmengen anbelangt. Weniger wäre hier mit Sicherheit mehr!

Ein Blick in den Katalog zeigt, dass es Schuco mit 9 unterschiedlichen Maßstäben und 13 verschiedenen Produktlinien auf ca. 450 Produkte bringt. Überfordern auch Sie nicht Sammler wie stationäre Händler, was zur Folge haben könnte, dass das Hobby immer mehr ins Netz abwandert?

P.B.: Gerade die Vielzahl der Maßstäbe und Themen macht für uns die Stärke von Schuco aus. Wo andere Marktteilnehmer verteilt auf zwei Maßstäbe pro Jahr 600 Neuheiten bieten, offerieren wir unseren Händlern und Kunden für jede unserer Produkt­linien eine überschaubare Neuheitenanzahl, welche es ihm ermöglicht, die Übersicht zu behalten und auch das Sortiment zu pflegen.

Das Auto war über lange Jahre hinweg das „Goldene Kalb“ der Deutschen. Bei der Y- und X-Generation verliert es an Reiz. Der Haben-wollen-Impuls scheint jedenfalls weniger ausgeprägt. Wie wollen Sie den Kitzel des Jagens und Erlegens wieder wecken?

P.B.: Mit einem spannenden Produktmix aus klassischen und bereits bekannten Grundmodellen und laufenden Produktneuentwicklungen verbunden mit einer marktan­gepassten Auflagenpolitik sollte dies erreichbar sein. Extrem wichtig hierbei werden sicherlich auch die anstehenden Neuentwicklungen für eine jüngere Kundschaft sein.

Modellautos sammeln fast ausschließlich Männer. Können Sie uns erklären warum? Oft sind es doch Autos, die sich Sammler nie in ihrem Leben leisten können, die sie nicht einmal fahren werden und die immer nur ein Traum bleiben müssen, während ihre Nachbildungen nicht einmal im Wert steigen. Alles Triebsublimierung?

P.B.: Das sind gleich zwei Fragen, aber probieren wir es mal. Ich glaube schon, dass ganz früh in unserer Entwicklung das Thema „Jagen und Sammeln“ bei uns Männern angesiedelt war, während sich die Frauen dann eher um das Zuhause und den Nachwuchs gekümmert haben. Was aber nicht heißen soll, dass Frauen nicht sammeln. Sie sammeln rationaler und sie sammeln andere Themen. Das Sammeln stellt für mich keineswegs aus­schließlich eine Ersatzbefriedigung dar. Viele Sammler belohnen sich selbst mit dem Kauf von weiteren schönen Modellen und erfreuen sich dann auch am Anblick einer schön dekorierten und präsentierten Modell-Sammlung. So wie sich der Erbauer einer Modell­bahnanlage am Anblick seiner eigenen, kleinen Miniaturwelt  oder auch der Erschaffer eines schönen Gartens an der floralen Vielfalt in seiner eigenen,  von ihm erschaffenen Gartenwelt erfreut

Gerade die Vielzahl der Maßstäbe und Themen macht für uns die Stärke von Schuco aus.

Peter Brunner, Markenverantwortlicher Schuco bei der Dickie Spielzeug GmbH.


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Autor dieses Artikels:

Ulrich Texter

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