Spielwarenmesse: Corona Statements - Weltweit

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Corona Statements - Weltweit

von Spielwarenmesse eG

Die Welt ist ein globales Dorf. Die Corona-Pandemie ist der Beweis dafür. Ein Land nach dem anderen verzeichnete steigende Covid-19-Infektionen, die zu mehr oder weniger strengen Einschränkungen des öffentlichen Lebens führten. Früher oder später bekam die Spielzeugindustrie auf der ganzen Welt die Folgen zu spüren. Hier ist ein kurzer Überblick über die Auswirkungen der Corona-Pandemie in einer zufälligen Auswahl mehrerer Länder.

Foto von Jane Wong

Jane Wong, Guangzhou, China
TOY INDUSTRY | Fachzeitschrift für Spielwaren

Wenn es um die Auswirkungen des Coronavirus auf die chinesische Spielzeugindustrie geht, muss man zwei Gruppen unterscheiden: zum einen die Hersteller und zum anderen den Einzelhandel.

Die Spielwarenproduzenten wurden zweifach Opfer von Corona. Bis März war das ganze Land aufgrund der Pandemie stillgelegt. Durch die landesweit verhängte Quarantäne konnten in den Fabriken keine Aufträge für den Weltmarkt abgearbeitet werden. Als sich China dann im März allmählich wieder von der Pandemie erholt hatte, kam der zweite Schlag: Aufgrund des jetzt weltweiten Ausbruchs von Covid-19 wurden zahlreiche Bestellungen storniert. Deswegen kämpfen viele kleine und mittlere OEM-Hersteller von Spielzeugwaren nach wie vor ums Überleben.

Da im Handel aufgrund der Weiterverbreitung des Coronavirus mit einem Rückgang der weltweiten Nachfrage gerechnet wird, konzentrieren sich die chinesischen Markenhersteller dieses Jahr verstärkt auf den heimischen Absatzmarkt. Der traditionell starke Onlinehandel in China und das landesweit gut entwickelte Versandnetz spielten in der Hochphase der Pandemie eine wichtige Rolle. Der E-Commerce kompensierte einen Teil der Verluste im stationären Handel. Das hat dazu geführt, dass das Geschäft mit den Spielwaren sich nun noch stärker ins Internet verlagert. Das Unternehmen Alpha Group veranstaltete sogar seine jährliche Vertriebskonferenz online und stellte dort auch sein neues Sortiment vor, während der Spielzeugeinzelhandel versucht, seine Umsätze durch Live-Events im Netz anzukurbeln.

Portrait Philippe Guinaudeau

Philippe Guinaudeau, Paris, Frankreich
Kidz Global

Mittlerweile sehen wir Licht am Ende des Tunnels. Natürlich leidet die Spielzeugbranche immer noch, weil lange Zeit kein Verkauf möglich war. Aber man muss auch sehen, dass es unmittelbar vor dem Lockdown noch einmal Spitzenumsätze gegeben hatte. Die Kinder haben jetzt mehr Zeit und können ganz unterschiedlichen Aktivitäten nachgehen. Besonders profitiert haben von dieser Entwicklung Anbieter von Bildschirmen und Lernhilfen.

Unsere Marktforschung zeigt, dass die meisten Familien jetzt mehr Zeit mit Spielen verbringen – alleine und gemeinsam. So hilft der landesweite Lockdown ihnen dabei, die familiären Bande wieder zu stärken und neue Rituale zu erschaffen.

Zum Beispiel Brettspiele, die Erschaffung neuer Welten mit Bastelsachen und Kreativspielzeug und das gemeinsame Tüfteln an anspruchsvollen Puzzles… die Liste der Dinge, die im Familienkreis gemacht werden, kann beliebig verlängert werden. Die Frage ist, ob das auch nach der Pandemie so bleibt.

Foto von Daniele Caroli

Daniele Caroli, Mailand, Italien
Parent's Choice | Fachzeitschrift für Babyartikel

Viele Mitgliedsunternehmen des italienischen Verbands für Spielzeugartikel und Babybedarf Assogiocattoli gingen aktiv mit der Coronaproblematik um und haben diverse Aktivitäten für die Zeit ins Leben gerufen, in der landesweit Büros, Fabriken und Ladengeschäfte geschlossen waren, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Online-Entertainment und Lernangebote im Netz gab es beispielsweise von Asmodee Italia Sr, Chicco - Artsana Group, Clementoni, Crayola LCC - Binney & Smith Italia, Faber-Castell und zahlreichen anderen Markenherstellern.

Viele Unternehmen veranstalteten auch Spendenaktionen. So verteilte Giochi Preziosi Tausende „Pasqualoni“ (große Ostereier mit Spielsachen im Inneren) an Kinder im Krankenhaus und bedürftige Familien. Auch Quercetti spendete Spielsachen für Kinder im Krankenhaus, während die Prénatal Retail Group und Rocco Giocattoli zu Ostern Tausende von Schokoeiern verschenkten.

Außerdem richtete die Prénatal Retail Group einen Online-Shop für Babyprodukte ein. Die Kunden konnten dabei auswählen, ob sie ihre Ware in einem der zahlreichen Prénatal-Geschäfte abholen oder sich kostenfrei in ganz Italien nach Hause liefern lassen wollten. 

Foto von Maria Costa

Maria Costa, Valencia, Spanien
AIJU | Technologie-Zentrum für Kinder- und Freizeitprodukte

Spanien befand sich von Mitte März bis Mai in einem kompletten Lockdown – die Menschen durften ihr Haus nur verlassen, um absolut notwendige Besorgungen zu machen. Das hatte auch Folgen für Spielzeughersteller und Spielzeughandel.

Es gibt jedoch nicht nur schlechte Nachrichten. Die Industrie zeigt bereits erste Anzeichen einer Erholung. Zahlreiche Unternehmen und Geschäfte locken auf ihren Websites und in den sozialen Medien mit Nachlässen von 40% - 50% und melden einen entsprechenden Anstieg bei den Onlineverkäufen. Bei manchen reichen die Verkaufszahlen der Online-Shops sogar an die der Vorweihnachtszeit heran.

Beeindruckend waren auch die Kampagnen, die sich die Industrie einfallen lassen hat, um Kindern in dieser schweren Zeit zu helfen. Zahlreiche Unternehmen haben z.B. Eltern mit Tipps und Tricks versorgt, wie sie ihren Nachwuchs beschäftigt halten können. Präsentiert wurden originelle Ideen zum Spielen – mit oder ohne Spielzeug – damit Familien gemeinsam diese schwierige Zeit besser meistern konnten. Es gab Tipps, wie man als Familie seinen Tag planen kann, wie man Kindern die Pandemie erklärt, wie man aktiv bleibt und wie man digital Kontakte pflegen kann. Einige Unternehmen hatten sogar Spiele, Bastelaktivitäten, Geschichten und zahlreiche andere Ideen ins Netz gestellt, die sich Kinder kostenlos downloaden konnten – ein gelungenes Beispiel für Content Marketing in Zeiten von Corona.

In dieser Hinsicht hat sich die spanische Spielzeugindustrie als wichtige Stütze der Gesellschaft positioniert und wir hoffen, dass sich das für unsere Branche bezahlt macht, wenn die Pandemie dann unter Kontrolle ist. 

Foto von John Baulch

John Baulch, London, Großbritannien
toyworld | Fachzeitschrift für Spielwaren

Während ich diese Zeilen schreibe, haben wir in Großbritannien schon einen Monat Lockdown hinter uns und viele Spielzeugläden im Land sind geschlossen. Es gibt Ausnahmen, denn Lebensmitteleinzelhändler wie Tesco, Sainsbury’s und Asda, die auch Spielzeug führen, sind nach wie vor geöffnet. Das Gleiche gilt für Gemischtwarenläden, die neben Lebensmitteln oder Waren des täglichen Bedarfs auch Spielwaren verkaufen, wie B&M und Home Bargains. Der größte britische Spielzeughändler Argos ist in den Sainsbury‘s-Märkten präsent, weil der Lebensmittelgigant das Unternehmen vor einigen Jahren übernommen hatte. Diese POS bleiben also physisch nach wie vor geöffnet, aber der Schein trügt, denn dort kümmert man sich mehr um das Lebensmittelsortiment und wichtige Haushaltswaren als um Spielwaren. Es wird also noch Spielzeug stationär verkauft, aber die Waren drehen langsamer, als Produzenten und Großhändler es gerne hätten.

Andere Verkaufskanäle haben den Spielzeugherstellern mehr Freude gemacht, besonders der Online-Handel. 2019 wurden bereits ca. 39% der Spielzeugkäufe im Vereinigten Königreich online getätigt und es besteht kein Zweifel daran, dass diese Zahl 2020 kräftig nach oben gehen wird. Besonders dazu beigetragen haben die Kategorien Spiele & Puzzles, Konstruktionsspielzeug, Outdoor, Hobby & Basteln und edukatives Spielzeug, das gerne als Unterstützung beim Home Schooling eingesetzt wird.

Viele Spielzeugfachhändler haben ihre Läden zudem in „Mini-Online-Betriebe“ verwandelt. Sie nehmen Bestellungen über eine Website oder per Telefon entgegen und liefern sie dann per Boten an die Kunden aus. Für viele unabhängige Händler sind diese kurzfristigen Umsätze überlebenswichtig, weil sie sonst schließen müssten.

Die Handelslandschaft in Großbritannien wird nach der Corona-Krise anders aussehen als vorher. Spielwaren sind dabei relativ auf der sicheren Seite, denn Eltern werden versuchen, ihre Kinder auch in Zeiten von Corona so gut es geht bei Laune zu halten. Aber auch die Toy-Branche muss sich auf kräftigen Gegenwind infolge der andauernden Schließungen von Ladengeschäften einstellen. 

Foto von Steven Ekstract

Steve Ekstract, New York, USA
Global Licensing Group

Aus humanitären Gründen sind viele US-Spielzeughersteller wie z.B. Hasbro, Mattel und MGA dazu übergegangen, ihre Produktion umzuwidmen und stellen jetzt dringend benötigte medizinische Bedarfsartikel her.

So wird im Rahmen der Operation Pac-Man, die von Isaac Larian, dem CEO der MGA Entertainment im April 2020 ins Leben gerufen wurde, weltweit Schutzausrüstung für Krankenhauspersonal und Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen produziert, denen in ihrem Kampf gegen Covid-19 oft nicht ausreichend Schutzmaterial zur Verfügung steht. Mattel hat seine Produktion auf dringend benötigten Mund- und Gesichtsschutz für Ersthelfer sowie Ärzte und Pflegekräfte umgestellt. Auf der Playroom Website des Unternehmens stehen außerdem kostenlose Spiele, Videos und Aktivitäten für Kinder zur Verfügung.

Hasbro hat mit seiner weltweiten Initiative „Bring Home the Fun“ Eltern und Pflegepersonal Ressourcen an die Hand gegeben, mit denen man Kinder während des Lockdowns zu Hause beschäftigen kann.

Der US-Spielzeuggigant hat sich darüber hinaus mit „Save the Children“ und „No Kid Hungry“ zusammengetan, um Kindern in Not zu helfen, z.B. durch die Ausgabe von Mahlzeiten, Büchern und Lernmitteln an bedürftige Kinder und Familien. Daneben hat Hasbro Tausende von Spielsachen an unterprivilegierte Kommunen gespendet, um besonders gefährdeten Kindern auch während der Covid-19-Pandemie Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer Kreativität und zum Spielen zu geben. 

Erfahren Sie von weiteren Best Practice Beispielen aus dem weltweiten Spielzeughandel. 

Best Practice Examples during the Covid-19 crisis

Dieser Artikel stellt die Meinungen der Statementgeber dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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