Spielwarenmesse: CP 65: Anforde­rungen zu Schad­stoffen in Kinder­artikeln

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CP 65: Anforde­rungen zu Schad­stoffen in Kinder­artikeln

von Stefan Schmitz

Der Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986 – auch “California Proposition 65” oder kurz CP 65 genannt – ist eine Verordnung des Bundesstaates Kalifornien zu krebserregenden oder reproduktionstoxischen Stoffen. Mit Ihren Anforderungen stellt die CP 65 vor allem kleinere Unternehmen vor große Probleme, die in den kalifornischen Markt exportieren. Gerade für Spielwarenhersteller ist es wichtig, dass Ihre Produkte frei von CP 65-Warnungen sind.

Die CP 65  sollte ursprünglich die Trinkwasserquellen vor der Belastung mit krebserregenden oder reproduktionstoxischen Stoffen schützen. In diesem Zusammenhang wurde auch beschlossen, dass die Exposition solcher Stoffe gegenüber Verbrauchern, beispielsweise durch Spielwaren oder andere Produkte im Haushaltsbereich, ausgeschlossen oder zumindest reduziert werden sollten. Zu diesem Zweck wurde es erforderlich, Verbraucherprodukte mit Warnhinweisen zu versehen.

Nicht zuletzt im Spielwaren-Bereich ist es für viele Firmen äußerst wichtig, Ihre Produkte ohne Warnhinweis auf dem Markt zu platzieren.

Grundsätzliches zur CP 65

Produkte, die Verbraucher Chemikalien aussetzen, die dem Staat Kalifornien als krebserregend und/oder reproduktionstoxisch bekannt sind, müssen einen Warnhinweis tragen. Die Liste dieser Chemikalien umfasst inzwischen etwa 900 Einträge und wird von der OEHHA („Office of Environmental Health Hazard Assessment“) regelmäßig aktualisiert.

Für Verbraucherprodukte und im Speziellen für Spielwaren sind jedoch nur höchstens 400 dieser Einträge relevant, da beispielsweise klassische Pharmazeutika oder ein Großteil der gelisteten Biozide nicht in derlei Produkten auftreten. Generell kritische Chemikalien nach der CP 65 sind:

  • Phthalate, wie etwa DEHP und DINP
  • Blei
  • Cadmium
  • Bisphenol A
  • einige polycyclische Aromaten, z.B. Benzo[a]anthracen
  • polybromierte Biphenyle
  • Ethylbenzol
  • (Azo-)Farbstoffe (z.B. C.I. Direct Blue 218)

Die Anbringung eines Warnhinweises muss dann  erfolgen, wenn gelistete Chemikalien im Produkt sind und ein Verbraucher diesen Stoffen ausgesetzt sein kann. Dabei kann die Exposition über die Haut (dermal), durch Verschlucken (oral) oder durch Einatmen (inhalativ) erfolgen.

Praxisbeispiel

In den Elektronikbauteilen eines ferngesteuerten Spielzeugautos könnten polybromierte Biphenyle als Flammschutzmittel zum Einsatz kommen. Da diese Komponenten im Inneren des Fahrzeugs verbaut sind, ist eine orale und dermale Exposition im Normalfall vernachlässigbar. Diese Stoffe werden zudem nicht freigesetzt, sodass auch die inhalative Exposition vernachlässigt werden kann. Damit müsste keine Warnung erfolgen. Andererseits müsste dann ein Warnhinweis angebracht werden, wenn in den Gummireifen Ethylbenzol vorkommen sollte, da ein Kind durchaus die Reifen berühren oder gar in den Mund nehmen kann.

Muster-Warnhinweis nach CP 65

Der Warnhinweis (s. Abb. 1) muss dabei vor der möglichen Exposition dem potentiellen Käufer „klar und verständlich“ vermittelt werden. Die Warnung wird durch ein gelbes Warndreieck mit Ausrufezeichen eingeleitet, gefolgt von „WARNING:“. Danach gibt es verschiedene Warn-Texte, je nachdem, ob der oder die kritischen Stoffe krebserregend, reproduktionstoxisch oder beides sind. In jedem Fall muss jedoch mindestens ein Stoff (pro Gefahr) genannt werden. Abschließend muss der Link zur CP 65 Website genannt werden (www.P65Warnings.ca.gov).

Grenzwerte und Gerichtsurteile

Die Stoffliste der CP 65 nennt zwei Grenzwerte: den No Significant Risk Level (NSRL) für krebserregende Stoffe und den Maximum Allowable Dose Level (MADL) für reproduktionstoxische Stoffe. Allgemein werden diese Grenzwerte unter dem Begriff „safe harbor level“ geführt.

Diese Grenzwerte basieren – anders als im Falle der europäischen Verordnungen – auf der Exposition eines Stoffes, anstatt auf dem im Produkt / Material enthaltenen Gehalt. Das bedeutet, dass vor DEHP in einem aus PVC hergestellten Ball nicht gewarnt werden muss, solange die tägliche, orale Aufnahme unterhalb von 410 mg/kg*day bleibt.

Doch nicht nur diese offiziell bestätigten Grenzwerte kommen für eine Bewertung eines Produktes oder Spielzeugs in Frage, auch sogenannte „settlements“ können Aufschluss über Grenzwerte geben. Settlements sind schlicht Gerichtsverfahren, in denen Firmen angeklagt wurden, die die CP 65 nicht oder nicht richtig befolgt haben, etwa durch eine Nichteinhaltung von Grenzwerten und daraus resultierend das Fehlen des Warnhinweises. In solchen Gerichtsverfahren wurden meistens produktspezifische Grenzwerte bestimmt, wobei diese nicht auf der Exposition basieren, sondern auf dem Gehalt der im Fokus stehenden Chemikalie. Bezogen auf den erwähnten PVC-Ball  wäre ein anwendbarer Grenzwert 1000 ppm (= 0,1 %).

DEHP ist ein dankbares Beispiel, da in allen settlements der gleiche Grenzwert genannt wird, bei Blei jedoch gibt es eine Vielzahl an settlements, die je nach Produkt und Produktkategorie andere Grenzwerte haben oder gar eine Verbannung des Produktes vom kalifornischen Markt nach sich zogen. 

In jedem Fall gehen mit einer Verurteilung entsprechende Strafzahlungen einher, die eine Strafe an den Staat Kalifornien, die Zahlung aller Anwaltskosten und eine Belohnung für den Bürger beinhalten, der auf diesen „Verstoß“ aufmerksam wurde. Schließlich muss der Beklagte auch die Kosten für die weitere Umsetzung des Urteils tragen, wie etwa die Umetikettierung oder die Umformulierung des Produktes.

Da der Verkäufer des Produktes nicht immer der Hersteller ist, wird die Verantwortung zumeist vertraglich an den entsprechenden Lieferanten weitergegeben, sodass über solche Bindungen auch ausländische Firmen indirekt in der Verantwortung für CP 65 Konformität stehen.

Handlungsempfehlungen für den Umgang mit der CP 65 in der Praxis

Mit Ihren Anforderungen stellt die CP 65 gerade kleinere Unternehmen vor große Probleme. Obwohl die CP 65 ganz klar sagt, dass ein Produkt, welches die gelisteten Stoffe enthält und für die eine Verbraucher-Exposition besteht, einen Warnhinweis tragen muss, können selbst große Unternehmen nicht alle Ihre Produkte auf alle CP 65 Stoffe untersuchen lassen.

Gerade für Spielwarenhersteller ist es wichtig, dass Ihre Produkte frei von CP 65 Warnungen sind. Es gibt mehrere Punkte, die Hersteller beachten sollten, wenn Sie Ihre Produkte fit für CP 65  machen wollen:

  • Schauen Sie sich Ihre Produkte an.
    Welche Materialien sind darin verbaut? Welche Stoffe können überhaupt in den Materialien stecken und welche nicht? Damit lässt sich die Liste der Chemikalien auf einen deutlich kleineren Teil beschränken.

  • Haben Sie Informationen zu den Materialien?
    Häufig geben Zulieferer Informationen zu den Materialien weiter und bestätigen gegebenenfalls sogar CP 65-Konformität.

  • Schauen Sie über den Tellerrand!
    Einige der CP 65 gelisteten Chemikalien sind bereits in anderen Rechtsräumen, wie zum Beispiel der EU, reglementiert. Blei und DEHP sind ebenfalls auf der REACH-SVHC-Liste und müssen bei einem Gehalt von mehr als 0,1 % deklariert werden. Kalifornien hat das europäische RoHS für Elektronik nahezu vollständig übernommen, sodass RoHS-konforme Produkte – mit Hinblick auf die dort genannten Stoffe – auch in Kalifornien Cal-RoHS und CP 65-konform sind. Gerade bei Spielwaren bieten auch andere (bundesweite) US-Verordnungen, zum Beispiel der Consumer Product Safety Improvement Act (CPSIA), Grenzwerte, die von der CP 65 anerkannt werden.

  • Wer als Hersteller bis hier gekommen ist, hat sicher einige Lücken aufgedeckt, die sich durch Laboranalysen schließen lassen.

  • Haben Sie alle Daten zusammengetragen, bleibt Ihnen nur noch die Expositionsbeurteilung. Wo kann eine Exposition tatsächlich bestehen? Welche Grenzwerte für die Exposition (aus den safe harbor level) und für den Gehalt (aus den settlements) oder anderen Rechtsgebieten finden Anwendung? Aus den gesammelten Daten lässt sich schließlich herausarbeiten, ob eine Warnung benötigt wird oder nicht.

Im Falle einer erforderlichen Warnung, bietet dieses Vorgehen allerdings auch die Möglichkeit, direkt identifizieren zu können, welcher Stoff der Auslöser für die Warnung ist und an welcher Stelle eventuell nach einer Alternative gesucht werden kann oder muss.

Fazit

Die CP 65 ist auf den ersten Blick eine undurchsichtige Verordnung mit einigen Tücken und schwierigen Anforderungen. Doch mit einem strukturierten Vorgehen lässt sich auch diese Verordnung beherrschen.

 

Autor dieses Artikels:

Stefan Schmitz, DEKRA

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