Spielwarenmesse: Ich baue mir die Welt

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Kinder bauen technische Spielzeuge
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Ich baue mir die Welt

von Peter Thomas

Anwendungen aus echter Industrie und Technik spielerisch entdecken: Das machten Metallbaukästen schon vor 100 Jahren möglich. Heute führen Robotik und virtuelles Konstruieren die klassischen Werte in die Zukunft. Kinder und Jugendliche haben dabei jede Menge Freude – und lernen Kernkompetenzen von MINT-Berufen.

Tinker Toys App
Tinker Toys App

Das eigene Spielzeug auf dem Tablet-Computer digital entwerfen und per 3D-Druck Wirklichkeit werden lassen? Genau das ermöglichen Anwendungen wie die seit Mai 2018 erhältliche TinkerToys-App (für Android und iOS). Ihre Konstruktionen können Kinder selbst ausdrucken, oder TinkerToys übernimmt die Fertigung aus recycelbarem Biokunststoff.

Die digitale Fertigung von eigenem Spielzeug ist top aktuell. Dass der momentan noch vor allem in der Maker-Szene verwendete 3D-Druck großes Potenzial für das Kinderzimmer hat, zeigte Mattel schon 2016 mit dem Konzept des „Thingmaker“. Kinder und Jugendliche können mit der Technik ihre Kreativität ausleben und sich spielerisch Kompetenzen für die MINT-Berufe der Zukunft aneignen. Denn in der Industrie wird 3D-Druck immer wichtiger.

Zeitmaschine Baukasten

Aber was haben solche Lösungen mit der Zeit um 1900 zu tun? Eine ganze Menge! Denn damals erfand Frank Hornby in England den modernen Metallbaukasten. Er übertrug dazu reale Industrietechnik ins Spiel: Aus dem Prinzip des Maschinen- und Brückenbaus mit vorgefertigten und durch Nieten verbundenen Eisenelementen wurde ein genial flexibles Spielsystem aus Lochstreifen und Schrauben.

Metallbaukasten-Eisenbahnbrücke
Eisenbahnbrücke gebaut aus einem Metallbaukasten für die Märklin E-Lok E 94.

Unter dem Namen Meccano eroberte die Erfindung ab 1903 die Welt. Große Metallbaukasten-Marken waren später auch Construction (heute Eitech), Erector, Märklin, Merkur, Stabil und Trix. Generationen von Kindern bauten mit Metallbaukästen ihre Welt, die Prinzipien realer Technik inklusive.

Spielzeug-Forschung

Das Deutsche Museum in München, größtes Wissenschafts- und Technikmuseum der ganzen Welt, stellt zahlreiche Baukästen und Modelle aus. Und dort wird sogar zum Thema geforscht: Dabei geht es um die Wechselwirkung zwischen dem erzieherischen Wert der Baukästen (von den Erwachsenen gewünscht) und der spielerischen Freude (von den Kindern erlebt).

Viele Metallbaukästen waren so nahe am echten Maschinenbau ihrer Zeit, dass sie auch für Ausbildung und Entwicklung in der Industrie genutzt wurden. So experimentierte der Automobilkonstrukteur Sir Alex Issigonis mit Meccano, als er den ersten Mini entwickelte.

Vom Blech zum Kunststoff

Lego Technic – Volvo Radlader
Mit Lego Technic lassen sich Radlader und viele andere Maschinen detailgetreu nachbauen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Kunststoff immer wichtiger als Material in der industriellen Fertigung wie auch im Spielzeug. Und aus Kunststoff bestanden auch neue Baukästen wie Fischertechnik (1965) und Lego Technic (1977). Sie trugen die Idee des Metallbaukastens erfolgreich in die Zukunft.
Lego Technic ist in den vergangenen Jahren erfolgreich mit Großbaukästen zu Fahrzeugen. Das jüngste Modell in der Reihe ist der im Juni 2018 vorgestellte Supersportwagen Bugatti Chiron. Fischertechnik punktet auch mit Steuerungen: Diese können sogar mit Industriesoftware kommunizieren. Deshalb wird das System genutzt, um neue Industrieanlagen als Modell mit echten Programmen zu testen.

Die Möglichkeiten, aktuelle Themen der Industrie spielerisch umzusetzen, sind groß, sagt Professor Dr. Gernot Bauer von der FH Münster. Er hat am neuen Fischertechnik-Baukasten Robotics TXT Smart Home mitgearbeitet. Dieser bildet die faszinierende Welt der Gebäudeautomation und ihrer Steuerung ab – und macht jede Menge Spaß.


Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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Autor dieses Artikels:

Peter Thomas, Journalist

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