Spielwarenmesse: Ein vielfältiges Sortiment mit klassischem Holzspielzeug

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Holzklötze und Nummern aus Holz
  Macher

20. November 2017 / Macher

Ein vielfältiges Sortiment mit klassischem Holzspielzeug

von Ulrich Texter /  Kommentare anzeigen

Schuster bleib bei deinen Leisten – diese Weisheit scheint auch für die nic Spiel +Art GmbH zu gelten. Während die Konkurrenz längst nicht mehr nur auf und mit Holz baut, sondern seit vielen Jahren Gefallen am Crossover von Materialien findet, bohren die Laupheimer weiterhin mit Überzeugung dicke Bretter. Mit ihrem Purismus sehen sie sich sogar als „Rolls Royce“ unter den Holzspielzeuganbietern. 

Spielwarenmesse®: Herr Seeler, Trend und Holzspielzeug schwingen nicht unbedingt auf einer Wellenlänge. Was muss man als konservativer Anbieter leisten, um doch den Anschluss zu halten?

Michael Seeler: Sortiments-Vielfalt für die Nische! Wir haben in unserer nic-Sparte vor gut 26 Jahren angefangen mit ein paar Fahrzeugen, Schaukelpferden und Multibahnen. Die haben wir bis heute nahezu unverändert. Die Vielfalt ist inzwischen mit bunten Babygreiflingen, Spielküchen, Werkbänken und Kaufläden mehr geworden.

Holz bleibt für uns naturfarben bzw. in Grundfarben klassisch gehalten. Eine pink- oder orangefarbene Multibahn passt nicht zu uns und wird nicht von uns erwartet. Vom pädagogischen Ansatz einmal ganz abgesehen. Was nicht heißt, dass wir uns auf gar nichts einlassen. Unser Zubehör für die Multibahnen wird stets aktuell gehalten, aber der Hauptcharakter des Produkts bleibt unverändert. Nach wie vor klassisch, zeitlos aber immer wieder mal ein paar neue Features.

nic versteht sich als Rolls Royce. Auf der Spielwarenmesse 2017 haben Sie eine neue Fahrzeugflotte vorgestellt, die qualitativ hochwertig, perfekt verarbeitet und aus massivem Buchenholz hergestellt ist. Können oder wollen Sie nicht Volkswagen?

M.S.: Unsere neue „Fahrzeug-Flotte“ ist in unserem walter-Sortiment angesiedelt, selbstverständlich in nic-Qualität, aber eben mit ein paar Vereinfachungen, die wir bei unseren nic-Artikeln nicht zulassen würden. Gerade beim Design fällt auf, dass wir hier ein gutes Stück weg sind von unseren robusten aber natürlich unantastbar massiven nic-Fahrzeugen. Keinesfalls 1B-Qualität, nur etwas einfacher und detailgetreuer! Ich würde sagen eine Annäherung an die Volkswagen-Premium-Klasse. Also wollen wir. Ob wir auf Dauer können, werden uns die Kunden zeigen.

Um Rolls Royce zu bieten, braucht man die Slowakei wie die Engländer BMW oder?

M.S.: Na ja, wie man es sieht. Beispielsweise wusste unser leider inzwischen verstorbener Senior-Chef bereits vor über 20 Jahren schon, dass es nicht möglich ist ausschließlich am Standort Laupheim festzuhalten. Der Gedanke lag damals schon nahe, ein Sägewerk vor Ort zu übernehmen, da man sowieso das gesamte Buchenholz in der Slowakei einkaufte.

Unser Tochterunternehmen haben wir dort bis heute, geführt von einem kleinen Mitarbeiter-Stamm aus unserem Firmensitz Laupheim, der regelmäßig die Fertigungsabläufe, die in den letzten 3 bis 4 Jahren ausgebaut wurden, überwacht und mitgestaltet. Trotz allem sind wir weiterhin am Produktionsstandort Laupheim sehr gut ausgelastet. Was die Engländer und BWM angeht … Die „europäischen“ Lieferzeiten werden künftig bestimmt nicht besser werden.

Wie passt eine „elitäre“ Haltung, die eigentlich alles anders macht als der Wettbewerb, in einen Zeitgeist, der nicht mehr so viel Wert auf beste Produktqualität legt, sondern eher auf den Kompromiss abzielt?

M.S.: Wir bieten Premium-Qualität, Service, das gewisse Etwas und eine Partnerschaft, auf die sich unsere Kunden verlassen können, ohne Kompromiss. Denn letztlich ist es doch so, dass inzwischen fast alle Kompromisse machen, aber wo ist dann noch der Unterschied?

Wer sich für uns entscheidet bzw. unsere Produkte, der hebt sich ab, egal ob im Fachhandel oder im Kinderzimmer. Und unserer Ansicht nach ist das genau die Nische, in der wir uns aufhalten und wohlfühlen und die gilt es kompromisslos zu füllen bzw. zu besetzen.

Ist das Festhalten am Rolls Royce-Denken auch der Grund, warum Sie den Vertrieb von Blue Ribbon aufgegeben haben, die das Sortiment im unteren Segment abrunden sollte?

M.S.: Es waren mehrere Gründe! Zum einen war die damalige Idee, eine thailändische Vertriebsmarke unseren Kunden als günstige, aber wertige Alternative anzubieten, zu spät. Es gab schon zu viele Import-Marken im Holzspielwaren-Sektor. Zum anderen waren diese Importe, da wir ein gewisses Qualitäts-Niveau anstrebten, letztendlich zu teuer! Obendrein noch der Gedanke stets auf Container angewiesen zu sein, die wochenlang quer durch die Welt schippern.

Wir lernten mit und aus Blue Ribbon, dass unsere Kunden Produkte dieser Art bei uns nur vereinzelt suchen und wir langfristig nach wie vor der Rolls-Royce bleiben müssen. Maximal mit einem Zweitwagen wie z.B. dem Volkswagen, Modell „Premium“.

Warum spielen Materialmixturen bei Ihnen überhaupt keine Rolle? Die Konkurrenz hat sich mit dieser Strategie neue Käuferschichten erschlossen.

M.S.: Weil wir nach wie vor davon überzeugt sind, auf natürliche Rohstoffe zu setzen. Ganz bestimmt sticht man mit Holz und Kunststoff in Kombination etwas aus der klassischen Holzspielzeugecke heraus. Allerdings wollen wir authentisch bleiben und sind unbestritten Holz-Fachleute.

Wenn ich an den wirtschaftlichen Part hierbei denke, dann wäre es für uns ohnehin zu teuer. Eben gerade weil wir in einer Nische sind und in kleinen Stückzahlen produzieren, um unserer Premium-Qualität gerecht zu werden. Nicht zuletzt soll dies auch unser Leitfaden „kreativ-stabil-wertvoll“ verdeutlichen. Mit unseren letzten beiden Leitwörtern hat Kunststoff einfach wenig gemeinsam.

Gehen wir davon aus, dass Sie, wie Sie schreiben, Bio und damit Holzspielzeug im Trend liegt. Danach müsste der Markt wachsen. Insider sehen eher eine stabile Seitwärtsentwicklung in Deutschland. Was stimmt?

M.S.: Beides! Man sieht es ja schon bei den Lebensmitteln, was allerdings immer mehr verwässert wird. Fast jeder darf beim kleinsten Bio-Ansatz auf dem Etikett „BIO“ verwenden. Was uns anbelangt, so haben wir nach wie vor Zuwächse mit unserem kleinen und feinen Bio-Sortiment. Dies kam aber nicht auf den Markt, weil es Trend ist oder war, sondern weil wir im Jahre 2011 nach der Übernahme von Glückskäfer diesen Kundenstamm zu uns in unser Kern-Sortiment überführen wollten.

Die natürlichen Farben aus unserer Bio-Linie und auch der Herstellungs-Prozess auf rein natürliche Art und Weise traf genau den Geschmack dieses Kundenstammes. Seitwärts geht es vermutlich, weil sich immer mehr Hersteller in dieses Boot setzen, siehe Lebensmittel.

Ist es richtig, dass in Asien Holzspielzeug stark nachgefragt wird?

M.S.: Ja, das ist ganz klar so, im speziellen China. Dort ist seit ca. 3- 4 Jahren das Interesse am Kauf europäischer Produkte gestiegen. Nun wurde vergangenes Jahr noch die 1Kind-Politik aufgehoben. Dennoch bleibt es ein sehr schwieriger Markt, für den man einiges, gerade was unser Sortiment betrifft, an Vorleistung bringen muss.

Das ist absolute Pionierarbeit, weil es oft nicht am nötigen Kleingeld fehlt, sondern Kraft braucht, Pädagogik und Spielwert in die Köpfe zu bringen. Aber wir sind dran und sind in ein paar wichtigen Städten bereits präsent.

Gibt es für einen Nischen-Champion wie nic in den nächsten Jahren noch Wachstumspotenzial?

M.S.: Die Problematik in Deutschland ist bekannt. Der Inlands-Markt wird weiterhin stagnieren, zumindest noch mindestens 2 Jahre. Dies zeigt die aktuelle Debatte um Toys“R“Us. Für mich das Beispiel schlechthin zum Thema Marktbereinigung im Massenmarkt, was noch mehr für die Nische spricht! Konzerne zählen nicht zu unseren Kunden.

Unsere Vertriebsmöglichkeiten, wir sprechen vom hochwertigen Fachhandel und nicht von SB-Ketten etc., sind im Inland ausgeschöpft. Wir wollen und können nicht alle Vertriebskanäle bedienen, schon alleine zum Schutz unserer noch treuen Fachhändler. Also setzen wir weiterhin bei Wachstum auf Export. Hier sehen wir definitiv Potenzial.


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Autor dieses Artikels:

Ulrich Texter

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