Spielwarenmesse: Starting up: Der Fragen­katalog für Gründer in der Spielwaren­branche

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Starting up: Der Fragen­katalog für Gründer in der Spielwaren­branche

von Eva Stemmer und Jörg Meister

Die Spielwarenbranche ist unglaublich vielfältig - und so bietet sie ein großartiges Spielfeld für neue Ideen und überraschende Neugründungen. Doch ganz so frei, wie es auf den ersten Blick scheint, können Entrepreneure leider nicht agieren. Denn neben den üblichen geschäftlichen Hürden lauern in der bunten Spielwarenwelt ganz spezielle Herausforderungen auf Gründer.

Die Produktidee: Funktion und Design

Es gibt viele Wege in die Branche. Oft steht eine ganz konkrete Produktidee, die dem Alltag mit Kindern entspringt am Anfang der Reise. Wer eine einzige Produktidee zum Anlass für eine Geschäftsgründung nehmen möchte, sollte diese jedoch vorab auf Herz und Nieren prüfen:

  • Ist die Produktidee wirklich neu?
  • Welche Funktionen braucht das Produkt, um kind- und marktgerecht zu sein?
  • Ist es eine Idee, die sich zu einer Produktserie oder –familie ausbauen lässt?
  • Welches Design braucht das Produkt, um erfolgreich zu sein?
  • Besteht das Produkt aus digitalen Inhalten oder soll es um digitale Anwendungen erweiterbar sein?

Die Spielwarenbranche befindet sich, wie die meisten anderen Konsumgüterbranchen auch, im Umbruch: digitale Inhalte nehmen immer mehr Platz ein. Für etablierte Marktteilnehmer kann das zur großen Herausforderung werden. Für Neueinsteiger bietet der Wandel jedoch im gleichen Maße Chancen, noch nicht begangene Pfade zu gehen.

Aus dieser Produktinnovation erwächst dann eine Geschäftsidee. Bevor der Gründer oder das Gründerteam ihr Geschäft anmelden, sollten sie den Fokus jedoch nicht nur auf das Produkt legen, sondern auf die Rahmenbedingungen lenken.

Das Marktstudium: Markt und Zielgruppe

Die eingehende Prüfung des Marktes, der Zielgruppe und der Nachfrage ist essentiell. Dies ist ohne Branchenkenntnis allerdings längst nicht so trivial, wie es scheint. Denn wie auch die Zielgruppe, sind die Absatzkanäle sehr heterogen. Sie unterscheiden sich je nach Produkt stark. Wichtige Fragen sind also:

  • Wer soll das Produkt kaufen?
  • Welches Altersspektrum und welchen Geldbeutel spreche ich damit an?
  • Wo kaufen die Personen ein, die für die Produktidee als Konsumenten infrage kommen?

Basierend darauf kann eine eingehende Prüfung des bestehenden Marktes im avisierten Segment vorgenommen werden.

Der Businessplan: Zeit und Geld

Viele Gründer unterschätzen den zeitlichen und auch finanziellen Bedarf ihres Unterfangens.
Daher ist es bereits in einer sehr frühen Phase der Gründung wichtig, für sich selbst eine „Schmerzgrenze“ festzulegen:

  • Welche Stärken habe ich als Unternehmertyp, wo brauche ich Unterstützung?
  • Wieviel Zeit bin ich bereit zu investieren?
  • Wieviel Kapital möchte ich investieren und habe ich zur Verfügung, bis die ersten Einnahmen fließen?
  • Bis wann muss ich wie erfolgreich sein, damit sich mein weiteres Engagement lohnt - und an welchen Faktoren mache ich diesen Erfolg für mich fest?
  • Was mache ich, wenn ich dieses Ziel nicht erreiche?
  • Brauche ich einen Kredit, und welche Sicherheiten habe ich, um einen gewährt zu bekommen?
  • Welche Förderungen gibt es für mein Start-Up?

Nicht wenige Start-Ups scheitern an dieser Selbstanalyse, da der nötige Input die verfügbare Zeit oder das vorhandene Kapital überschreitet.

Das Netzwerk: Branchenkenner und Vertriebspartner

Das A und O für den Erfolg der eigenen Marke ist das eigene Netzwerk aus Branchenkennern, Vertriebspartnern, Lieferanten und Kunden. Gerade im Handel ist es unerlässlich, die richtigen Personen zu kennen, und auch zu verstehen, wer diese sind. Nur dann können gemeinsam erfolgreiche Geschäfte gemacht werden. Daher müssen sich Gründer fragen:

  • Welche Schlüsselpersonen kenne ich schon? Wo lerne ich sie kennen?
  • Welches sind die wichtigsten Veranstaltungen der Marktteilnehmer, in die ich mich einklinken kann?
  • Welche Beratungsstellen gibt es für mich als Gründer allgemein und in der Branche?
  • Wie finde ich die die richtigen Vertriebskanäle für mein Produkt, über die mein Branchenstart erfolgreich wird?

Hierfür ist langer Atem vonnöten - und rege und aktive Teilnahme und Präsenz bei Netzwerktreffen wichtig. Wenn die entsprechenden Experten zur Seite stehen, können sie gegebenenfalls Türen öffnen oder von falschen Pfaden abraten.

Die Spielzeugsicherheit: Normen und Sicherheitsprüfungen

Ein weiterer Aspekt, der oftmals zu spät in den Fokus gerückt wird, sind die Sicherheitsanforderungen, die ein Gründer mit seiner Erfindung erfüllen muss:

  • Entspricht das Produkt beispielsweise den strengen Grenzen der Europäischen Norm für Spielzeugsicherheit DIN-EN71?
  • Ist das Spielzeug überhaupt verkehrsfähig?
  • Ist Europa der alleinige Absatzmarkt, oder sollen außer-europäische Zielmärkte angestrebt werden?
  • Welche Normen gelten dort und müssen von vornherein bei der Produktgestaltung berücksichtigt werden?
  • Welchen Test- und Prüfinstitute gibt es für die Produktprüfung? Welche sind international aufgestellt, wenn das Produkt auf verschiedenen Kontinenten vermarktet werden soll?

Intellectual Property: Urheberrecht und gewerbliche Schutzrechte

Sobald ein Gründer mit einer Produktidee an die Öffentlichkeit geht, besteht die Möglichkeit, dass sie kopiert wird. Daher muss ein Unternehmer von vornherein überlegen, wie er seine Idee schützt. Schlüsselfragen für die Selbstanalyse sind hier:

  • Welche Schutzarten gibt es in welchen Märkten?
  • Wer hilft beim Schützen?
  • Lässt sich das Prinzip schützen, auf dem die Erfindung basiert?
  • Unterliegen Teile der Erfindung Schutzrechten von Wettbewerbern?

Da derlei Fragen sehr komplex  und für Branchenneulinge oft sehr schwer zu beantworten sind, ist es ratsam, sich hier Expertenwissens zu bedienen.

Es kann Gründerinnen und Gründer einschüchtern, sich diesen vielen Punkten gegenüber zu sehen - schränken sie doch die Kreativität ein und erfordern noch mehr Tatendrang als gedacht. Bei allen Fragen ist eins aber sicher: Je mehr und schonungslosere Gedanken sich ein Gründer vor der Geschäftsanmeldung macht, desto wahrscheinlicher ist es, dass er oder sie die Geschäftsidee zum Erfolg führt. Die Spielwarenmesse ist der perfekte Hub, um den Markt, den Handel, die Trends und auch das Netzwerk an einem Ort vereint nutzen zu können.


Dieser Artikel ist nur ein Ausschnitt aller Fragen, die sich Gründer rund um eine Geschäftsidee in der Spielwarenbranche stellen sollten. Die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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