Spielwarenmesse: „In der Genossen­schaft gilt, ein Mitglied, eine Stimme. Das verbindet.“

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Spielwarenmesse 1964
  Macher

18. Juni 2018 / Macher

„In der Genossen­schaft gilt, ein Mitglied, eine Stimme. Das verbindet.“

von Spielwarenmesse eG

In den 60er Jahren setzte die Spielwarenmesse® nach der Internationalisierung 1958 ihren Wachstumskurs fort. In dieser Zeit erlebte Dieter Hahne als Geschäftsführer des Spieleverlags Schmidt Spiele seine erste Spielwarenmesse®. 36 Jahre war er in der Spielwarenbranche tätig, knapp 30 Jahre hat er die Genossenschaft Spielwarenmesse eG selbst mitgeprägt. Ab 1969 war er Aufsichtsratsmitglied, ab 1988 Vorsitzender des Aufsichtsrats und seit 1998 ist er Ehrenvorsitzender.


Herr Hahne, Sie waren 1959 das erste Mal auf Spielwarenmesse als Geschäftsführer des Spieleverlags Schmidt Spiele. Wie erlebten Sie damals als Aussteller den Messealltag?

Dieter Hahne

Dieter Hahne: Es war eine gewaltige Aufbruchstimmung, nichts war perfekt, dafür hatte es oft Charme. Es gab beispielsweise kein Catering, jeder Stand versorgte sich selbst. Unsere Standnachbarn, die Firma Trix aus Nürnberg, hatte jeden Mittag einen großen Kessel mit irgendeinem wunderbaren Eintopf. Alle anliegenden Stände wurden zum Essen eingeladen. Nachmittags kamen die Trixleute zu uns. Denn wir waren der erste Messestand, der Kaffee ausschenkte – Dallmayr Kaffee. Das kam immer gut an.

Welche Rolle spielte die Ausstellung, die Präsentation auf der Messe für Sie als Geschäftsführer?

D. H.: Ja, die Spielwarenmesse Nürnberg war DIE Verkaufsveranstaltung der Branche und auch unseres Hauses, Schmidt Spiele. Früher wie heute musste man vertreten sein, hier hatte man das beste Podium, um seine Neuheiten zu präsentieren, hier traf man die Kunden persönlich, die man sonst nur vom Telefon oder aus dem Briefwechsel kannte und insofern hatte und hat Nürnberg einen unheimlich großen Stellenwert.

Was war das besondere an der Spielwarenmesse in den Anfangsjahren?

D.H.: Die Branche hatte in Nürnberg wieder eine Heimat gefunden. Denn die ursprüngliche Messeplattform für Spielzeug war ja ein Teil der Leipziger Messe und stand nicht mehr zur Verfügung. Man war sehr froh, dass hier mutige Unternehmer, viele davon Nürnberger Spielwarenunternehmer, die teilweise mit eigenen Bürgschaften die Spielwarenmesse als Genossenschaft als Messeveranstalter aus der Taufe gehoben haben. Die Rechtsform, in der wir heute noch existieren. Und es ist weiterhin die Weltleitmesse für Spielwaren.

Jede Genossenschaft hat einen Aufsichtsrat. Bei der Spielwarenmesse eG sind die Aufsichtsratsmitglieder ja durchschnittlich relativ lange in ihrem Amt und werden auf den Generalversammlungen oft wieder gewählt. Woher kommt diese Beständigkeit?

D. H.: Diese Beständigkeit hat für mich zwei Gründe. Der eine ist formeller Natur: Wir sind in der Rechtsform der Genossenschaft organisiert. Ich finde sie weiterhin zeitgemäß, wo sie vernünftig angewendet wird. Der Zusammenhalt ist enger und es gilt, ein Mitglied, eine Stimme – egal wie groß oder klein das Unternehmen ist. Das führt die Menschen zusammen. Aber der wichtige Grund ist, dass die Spielwarenmesse eine Geschichte des Erfolgs ist. Bei Unternehmen, die erfolgreich sind, ist der Drang nach Wechsel nicht vorhanden.

Es gab weitere Messen in England und Paris. Welche Vorteile schätz(t)en die internationalen Besucher an Nürnberg?

D. H.: Die Leute kamen und kommen ja gerne nach Nürnberg. Zu meiner aktiven Zeit hörte ich ein Gespräch als ich mit einem französischen Geschäftsfreund zusammenstand. Ein Engländer kam vorbei, grüßte und sagte, "Ich komm dieses Jahr nicht nach Paris." Der Franzose antwortete: "Brauchst du auch nicht, wir sind ja hier!" und vereinbarten für später ein Treffen. Kurz, der Marktplatz für die Spielwaren der Welt ist in Nürnberg. Hier ist das Angebot in einer Breite und Tiefe, wie sie es sonst nirgends finden. Sie wussten, wenn sie zur Spielwarenmesse gehen, dann haben sie alles bestens erledigt.

Wie ging man denn innerhalb der Konkurrenz auf der Spielwarenmesse um?

D.H.: Ja, im besten Fall freundschaftlich-distanziert oder auch nur distanziert. Anfang der '60er Jahre nahm ich erstmals an einer Sitzung der Fachgruppe Spiel des Spielwarenverbandes teil. Im Sitzungssaal begrüßte ich die Herren und drückte jedem unseren Katalog und eine Preisliste in die Hand. Manche Leute schauten mich an, als hätte ich ihnen einen unsittlichen Antrag gemacht: Es war absolut unüblich. Man schickte am ersten Messetag eine möglichst unbekannte Mitarbeiterin los, die Preislisten der Konkurrenz zu holen. Ich regte an, alle Unterlagen vorab miteinander austauschen. Im Laufe der Jahre besserte sich dieses Konkurrenzverhältnis und führte zu guten, freundschaftlichen Beziehungen.

Wie verbrachten Sie die Abende nach Messeschluss?

D. H.: Es wurde mehr gefeiert, auch mal länger in die Nacht hinein. Wir waren damals ein kleiner Kreis an Lizenznehmern von Monopoly verschiedener Länder. Wir verstanden uns alle sehr gut. Auf der Spielwarenmesse trafen wir uns und gingen abends zusammen einen trinken. Wir endeten oft sehr spät in einer Hühnerbraterei in der Stadtmitte von Nürnberg. Ein schwedischer Freund regte immer an: „Jeder singt ein Volkslied aus seiner Heimat“, stieg auf den Tisch und sang. Ich weiß noch genau, dass ich "Am Brunnen vor dem Torr" gesungen habe.

Was finden Sie noch besonders wichtig – für die Messe oder für sich auch persönlich in dieser Spielwarenbranche?

D. H.: Was ich in den 36 Jahren meiner Spielwarentätigkeit und bis heute hoch schätze, war das sehr starke menschliche Miteinander, das in der Branche herrschte. Man kannte alles und jeden und daraus haben sich auch sehr gute zwischenmenschliche Kontakte entwickelt mit Kollegen und Kunden. Das war eine ungeheuer positive Erfahrung. Die Freundschaften aus dieser Zeit halten bis heute.

Herr Hahne, vielen Dank für die kleine Zeitreise.


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Autor dieses Artikels:

Spielwarenmesse eG

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