Spielwarenmesse: „Der Messebesuch wurde schon damals exakt geplant.“

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Spielwarenmesse 1979
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„Der Messebesuch wurde schon damals exakt geplant.“

von Spielwarenmesse eG

Wieland Sulzer ist ein umtriebiger Spielwarenfachhändler in Marburg. Seit über 90 Jahren steht Spielwaren Sulzer für Spaß am Spielen, dahinter steckt viel Arbeit. Seit 1978 durchkämmt er die Messe nach geeigneten Produkten. Damals zusammen mit seinem Vater, heute steigt schon sein Sohn Florian in seine Fußstapfen, der zum 70. Messejubiläum das dritte Mal dabei sein wird. So ist die Spielwarenmesse® in vielen Familienbetrieben Anlaufspunkt für Generationen.


Spielwarenmesse®: Was sind Ihre ersten Erinnerungen an die Spielwarenmesse?

Wieland Sulzer vor Siku Regal (2002)

Wieland Sulzer: Im Jahr 1978 besuchte ich die Spielwarenmesse in Nürnberg als Begleiter meines Vaters und seines Einkäufers erstmalig. Beide hatten seit einigen Jahren ihre Stammquartiere bei Privathaushalten. Die privaten Unterkünfte wurden rege genutzt, da die Hotelkapazitäten relativ gering waren. Schon damals vervielfachten sich die Hotelkosten zu den Messezeiten.

Mein Quartier werde ich immer in lebhafter Erinnerung behalten: Das Zimmer war etwa 8qm groß. Die Möblierung bestand aus einem, zum Bett umfunktionierten Kanapee mit Stahlfedern und runder Liegefläche mit ca. 170cm Länge… Weiter gab es einem Stuhl und einem Mini-Regal. Geheizt wurde nicht, auch nicht im Bad. Waschgelegenheit trifft es wohl besser, denn neben dem WC gab es nur ein Mini-Waschbecken mit kaltem Wasser. Ab der zweiten Messe konnte ich ein angenehmeres Quartier finden.

Wie lief ein typischer Messetag für Sie ab?

W. S.: Der Messebesuch wurde schon damals exakt geplant. Jeder Gang in jeder Halle wurde komplett abgelaufen, damit kein Anbieter ungesehen blieb. Die Standartartikel wurden geordert, von Neuheiten wurden Muster für unseren Großhandel bestellt. Der tägliche Messebesuch begann pünktlich um 9 Uhr. Pausen waren nicht vorgesehen, für die Verpflegung war auch keine Zeit eingeplant. Die Messestände waren deutlich kleiner als heute. Sitzgelegenheiten auf den Messeständen waren eher die Ausnahme.

Der Verkehr von und zur Messe war gewaltig. Um dem täglichen Messestau abends ein Stück weit zu umgehen, planten wir den letzten Standbesuch kurz vor 18 Uhr, damit wir „in Ruhe“ die Gespräche bis ca. 19 Uhr führen konnten. Mit geringfügig weniger Verkehr ging es dann abends zu Lieferanten, die nicht auf der Messe ausstellten. Hier wurden wir in der Regel bestens bewirtet, um anschließend die Sortimente intensiv zu begutachten. Kein Messetag in Nürnberg endete vor 23 Uhr. Von „wilden Messepartys“ erfuhr ich nur vom Hörensagen.

Wo viele Menschen zusammenkommen, ist viel An- und Abreiseverkehr. Wie wurde der geregelt?

W. S.: Das Verkehrsaufkommen war Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre sehr heftig. Damals bemühten sich schon die Parkplatzmitarbeiter der Firma Engelhardt das Chaos in den Griff zu bekommen. Resolut und mit Bestimmtheit wurde dem Fahrzeuglenker zu verstehen gegeben, was er zu tun und zu lassen hat. Auch wenn man die fränkische Mundart nicht verstanden hat, die Lautstärke und die offensichtlich höfliche Wortwahl führten nahezu immer zum Erfolg…

Sind Ihnen bei Ihren zahllosen Gesprächen mit Ausstellern, irgendwelche Szenen besonders in Erinnerung geblieben?

W. S.: Im Laufe meiner ersten Messe wurde ich vielen Ausstellern vorgestellt. An ein derartiges Zusammentreffen habe ich noch genaue Erinnerungen. Die Firma blickte damals auf eine lange Tradition mit allerbestem Ruf zurück. Ich wurde einem älteren, großgewachsenen Herrn mit weißem Haar vorgestellt. Trotz eines Stocks war sein Gang kerzengerade. Er begrüßte mich ausnehmend freundlich und gab mir gleich einen väterlichen Rat:

„Junger Freund, ich bin jetzt 96 Jahre alt und gehe noch täglich in mein Büro. Jeder Brief, der unser Haus erreicht und jeder Brief, der unser Haus verlässt, geht über meinen Schreibtisch...“ Erst etwas später bemerkte ich, dass der Juniorchef des Hauses (auch schon deutlich über 60), dem Ganzen teilnahmslos folgte. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ab meiner zweiten Messe fehlte das Unternehmen…

Beim Einkaufen auf der Spielwarenmesse ziehen Sie ja von Stand zu Stand, also von Mitbewerber zu Mitbewerber. Gab oder gibt es dabei Spielregeln zu beachten?

W. S.: Horst Brandstätter, Playmobil, und Ernst Bettag, der Firma Big Spielwaren, waren zwei äußert erfolgreiche Unternehmer unserer Branche. Mitte der 70er brachten beide Unternehmen Spielfiguren aus Kunststoff auf den Markt, die sich in erstaunlicher Weise recht ähnlich waren. In der Folge wurden vielfach Justitia und Gerichte bemüht um den Streit zu schlichten. Anfangs mit wenig Erfolg.

Die Auseinandersetzung wurde mit nahezu allen Mitteln geführt! Eine „Waffe“ im Gegeneinander war die Verköstigung der Besucher der jeweiligen Musterzimmer. Selbst hier versuchten sich die Kontrahenten zu übertrumpfen. Dies war wiederum sehr zum Vorteil der jeweiligen Kunden. Als „neutraler“ Kunde gab es nur eine goldene Regel: Es musste unbedingt vermieden werden, den Besuch des jeweils anderen Musterzimmers zu erwähnen.

Haben Sie mal Promis auf der Spielwarenmesse gesehen?

W. S.: Auf dem Messestand der Firma Pelikan war plötzlich ein großer Menschenandrang, Kamerateams und deren Gefolge machten ein Weiterarbeiten unmöglich. Das Soft-Tennis-Spiel wurde mir aus der Hand genommen und plötzlich befand ich mich am Rande des großen Trubels. Neben mir standen unvermittelt Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß, die seinerzeit wohl ihre aktive Fußballkarriere gerade beendet hatten. Alle Welt kümmerte sich nur um den aktiven Fußballer. Wer das war, weiß ich nicht, gesehen habe ich ihn vor lauter Fans nicht.

Vielen Dank, dass Sie Ihre Spielwarenmesse-Erlebnisse mit uns geteilt haben.

 

Autor dieses Artikels:

Spielwarenmesse eG

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