Spielwarenmesse: Interview DVSI: So sicher sind Baby- und Kleinkindartikel

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Kleinkind mit seinem Schnuller
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19. Dezember 2016 / Sicherheit

Interview DVSI: So sicher sind Baby- und Kleinkindartikel

von Harald Hemmerlein /  Kommentare anzeigen

Die Sicherheit von Spielwaren wird von Prüfinstituten und Verbraucherschützer regelmäßig untersucht. Bei Baby- und Kleinkindartikeln sind Verbraucher besonders sensibel. Die Sorge ist meistens unberechtigt, da zahlreiche Schadstoffe und gefährliche Weichmacher für Spielsachen verboten sind und hier klare Richtlinien gelten. Susanne Braun, Senior Technical Advisor beim Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI), verdeutlicht im Interview, warum unsicheres Spielzeug im Handel keinen Platz findet.

Spielwarenmesse®: Eltern, die zum ersten Mal Produkte für ihr Baby kaufen, sind besonders sensibel für Sicherheitsaspekte. Verbraucherschützer bespielen die Medien alle Jahre wieder in der Vorweihnachtszeit mit vermeintlich eklatanten und sensationellen Mängeln bei der Spielzeugsicherheit. Da bekommt natürlich auch ein Spielwarenhändler eine Menge zu hören. Wie sollte dieser Händler glaubhaft argumentieren, um den Verbrauchern Ängste zu nehmen?

Susanne Braun: Mit rund 230 Mitgliedern und 80% der Spielwaren in Deutschland vertritt der DVSI eine breite Mehrheit der Spielwarenhersteller in Deutschland. Wir können versichern, dass diese Hersteller mit der gleichen Sensibilität und Sorgfalt wie pflichtbewusste Eltern mit Baby- und Kleinkindartikel umgehen, beginnend beim Design, aber natürlich auch beim Entwickeln und Herstellen.

Unsere Mitglieder suchen mit größter Sorgfalt geeignete Materialien aus, geben umfangreiche Tests auf Schadstoffe jeglicher Art bei anerkannten und professionellen Prüfinstituten in Auftrag und investieren kontinuierlich in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter im Bereich Spielzeugsicherheit und Qualitätsmanagement.

Seit 2009 wird in Deutschland und Europa mit der sog. Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG  höchstes Spielzeugsicherheitsniveau vorausgesetzt: Alle Spielzeuge, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind, müssen konform mit dieser Richtlinie sein. Das erkennen Sie am CE-Zeichen auf dem Spielzeug.

Sobald neue Erkenntnisse über die Bedenklichkeit einer verwendeten Substanz vorliegen, wird unverzüglich ein Verbot bzw. ein strengerer Grenzwert initiiert (komitologisches Verfahren), den die DVSI Mitglieder und alle anderen Spielzeughersteller einhalten müssen.

Es gibt zudem Anforderungen und spezifische Grenzwerte für chemische Stoffe, die vorgeschrieben sind für Spielwaren für Kinder unter 3 Jahren bzw. für Spielzeug, das dafür vorgesehen ist, in den Mund genommen zu werden.

Eltern, aber auch alle anderen, die Spielzeug kaufen oder verschenken, können sich also sicher sein, dass das Regelwerk an Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien und Normen in Deutschland keine unsicheren Produkte zulässt!

Bitte beachten Sie auch, dass Magazine, die sich als Verbraucherschützer verstehen, zu unserem Bedauern oft eigene, selbstdefinierte Standards anlegen und so besorgte Eltern verunsichern.

Die Behörden sorgen mit ihren immer wieder überarbeiteten Sicherheitsstandards nicht nur für Freude bei Industrie und Handel. Was sind die aktuellen Aufreger?

S.B.: Aktuell größter Aufreger ist die erneute Reduzierung der Grenzwerte für Blei um den Faktor 7. Durch einen Rechenfehler bei der Festsetzung der alten Grenzwerte sind diese nämlich ohnehin schon 7-fach zu streng.Leider wird das aber trotz Hinweis durch den DVSI und den europäischen Spielwarenverband TIE von der Europäischen Kommission komplett ignoriert.

Eine erneute Reduzierung kann dazu führen, dass ganze Produktgruppen vom Markt verschwinden, etwa die beliebten Fingermalfarben: Diese enthalten z. B. u. a. Kartoffelstärke. Je nach Anbaugebiet und Bodenqualität gelangt so ein natürlicher, geringer Anteil Blei in die Produkte, der keine Gefahr darstellt aber jetzt in Gefahr ist!

Theoretisch muss sich jeder Hersteller von Baby- und Kleinkindartikeln bei allen Lieferländern einzeln versichern, dass er Sicherheitsrichtlinien korrekt beachtet. Ist das in der Praxis auch so oder gibt es länderübergreifende Gültigkeiten?

S.B.: Wie bereits erwähnt, gilt europaweit die Richtlinie 2009/48/EG, die jedes Land nochmals in ein nationales Gesetz implementieren muss. In Deutschland erfolgt dies über die Zweite Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (Verordnung über die Sicherheit von Spielzeug), kurz 2. ProdSV.

Länderspezifische Regelungen sind in der Branche bekannt, z.B. die abweichende, strengere Regelung von Blei oder N-Nitrosaminen in Deutschland. In den USA gibt es staatenspezifische Einzelregulierungen, auch über diese werden die Hersteller stets informiert. Hilfestellung leistet hier der DVSI sowie die nationalen europäischen Verbände, mit denen wir eng im Kontakt stehen, und die Prüfinstitute, mit denen sich der DVSI regelmäßig austauscht.

Es kommt vor, dass die Marktaufsicht im Handel Muster zieht und testet. Im Falle von Testergebnissen, die den Behörden aufstoßen, landen diese Artikel schnell im berüchtigten Schnellwarnsystem RAPEX. Was ist dann zu tun?

S.B.: RAPEX listet Produkte, von den ein ernstes Risiko ausgeht. Dabei ist zu beachten, dass zwei Drittel der gelisteten Spielzeuge aus China stammen und durch verantwortungslose Händler nach Europa gelangen. Es ist uns sehr wichtig an dieser Stelle zu betonen, dass es sich bei 95,5 % der gemeldeten Marken nicht um Spielwaren von DVSI-Mitgliedern handelt, sondern um uns unbekannte Hersteller, die sich nicht an die deutschen und europäischen gesetzlichen Vorgaben halten!

Unabhängig davon, sollte jeder Spielzeughersteller präventiv über ein Rückrufmanagement verfügen und ggf. schnell reagieren. Kommt es zu einem Produktrückruf, sollte das Produkt dann so abgeändert werden, dass es zukünftig sicher ist und Fehler in Konstruktion und Material behoben werden.


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Autor dieses Artikels:

Harald Hemmerlein

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