Spielwarenmesse: Clara Blasco: „Umweltfreundliche Produkte sind schwer im Kommen“

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Kind in einem Kinderzimmer mit Holzspielzeug und Möbel
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Clara Blasco: „Umweltfreundliche Produkte sind schwer im Kommen“

von Spielwarenmesse eG

Clara Blasco ist regelmäßig auf der Suche nach neuen Chancen für die Spielzeugindustrie. Sie arbeitet als Design- und Trendforscherin sowie Dozentin am Institut für Technologie (AIJU) im spanischen Valencia, das auf Spielsachen, Produkte für Kinder und Freizeit spezialisiert ist. Dort ist sie zuständig für Methodik und Forschung im Bereich Design und erarbeitet neuartige Strategien und entwickelt neues Spielzeug.

Als Beraterin von Unternehmen aus der Spielzeugindustrie und der Kinderbetreuung analysiert sie Nutzerverhalten und Anwendungstrends und koordiniert Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Seit 2008 veranstaltet sie Innovations-Workshops, in denen sie veranschaulicht, wie man die Wünsche und Bedürfnisse von Nutzern mithilfe der Design-Thinking-Perspektive besser verstehen kann. In unserem Interview erklärt sie, wie sich das gestiegene Interesse der Verbraucher und der Spielzeugbranche an nachhaltigen Spielwaren auf ihre tagtägliche Arbeit auswirkt.


Spielwarenmesse®: Wie wirkt sich der gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Umweltbewusstsein auf Ihre Forschungstätigkeit am AIJU aus?

Portrait Clara Blasco

Clara Blasco: Nachhaltiges Spielzeug ist nun schon seit etlichen Jahren auf dem Markt, aber die Umsatzzahlen in den meisten Ländern sind bis jetzt schwach. In unseren Umfragen haben Verbraucher erklärt, dass sie selbst dann, wenn sie lieber ein umweltfreundliches Produkt erworben hätten, der Preis sie vom Kauf abgehalten habe. In den letzten beiden Jahren hat sich das Bild aber rasant und drastisch geändert. Zwar spielt der Preis immer noch eine wichtige Rolle, aber gesellschaftliche und umweltbezogene Fragen sind heute wichtiger als je zuvor.

Das ist die Ausgangssituation. Hinzu kommen die regelmäßigen Proteste und neuen Umweltgesetze, die von vielen Staaten verabschiedet werden. All das wirkt sich auf den Verbraucher aus und er ändert auch sein Einkaufsverhalten – beim einen mehr, beim anderen weniger. Das ist möglich geworden, weil das Angebot an umweltfreundlichen Produkten und Services rasant wächst, was man ja auch beobachten kann, wenn man mit offenen Augen durch die Hallen der Spielwarenmesse® läuft. Und dieser Trend wird zweifelsohne in den kommenden Jahren noch weiter wachsen.

Das Umweltbewusstsein der Verbraucher nimmt zu. Das Verhalten und Ökobewusstsein von Familien im Alltagsleben sind aber eine ganz andere Sache. Kann man Familien auch ausgehend vom Umweltbewusstsein in unterschiedliche Kategorien einordnen?

C. B.: Natürlich, es gibt unterschiedliche Profile im Bereich Umweltbewusstsein, die sich Familien zuordnen lassen. Im Rahmen unserer Forschung haben wir festgestellt, dass es beim Konsumverhalten von Eltern und Kindern unterschiedliche Levels beim Umweltbewusstsein gibt. Auf der einen Seite gibt es Familien, die ein umweltfreundliches Produkt eventuell kaufen, wenn es in einem Geschäft angeboten wird, sich aber unter keinen Umständen besondere Mühen machen würden, dieses Produkt zu finden. Diese Familien berichten, dass sie sich freuen und stolz sind, wenn sie Ökospielzeug kaufen, und sie lieben die Unternehmen, die ihnen dieses Gefühl vermitteln. Bei dieser Zielgruppe ist es also wichtig, dass man es ihr einfach macht.

Auf der anderen Seite gibt es Eltern, die sich richtig ins Zeug legen, um auch wirklich nur umweltfreundliche Spielsachen zu kaufen. Sie stecken viel Zeit und Geld in die Suche und den Erwerb dieser Spielzeuge. Wir haben herausgefunden, dass diese Familien zwar zahlenmäßig weniger Spielzeug haben als der Durchschnittshaushalt, die Produkte dafür aber qualitativ hochwertig ist. Auch schätzen diese Familien dieses Spielzeug mehr und kümmern sich besser darum als die meisten anderen Familien.

Was kann der Spielzeughandel Ihrer Meinung nach tun, um herauszufinden, wie wichtig Umweltaspekte für den Kunden bei der Kaufentscheidung sind?

C. B.: Die Einzelhändler müssen sich nur die Umsatzzahlen anschauen, und schon wird ihnen klar, dass es Sinn macht, in nachhaltige Spielwaren zu investieren. Die Daten zeigen, dass diese Produkte sowohl für die Hersteller als auch für den Handel ein Segen sind. Auch muss man sich im Einzelhandel klarmachen, dass umweltfreundliches Spielzeug im Laden und im Schaufenster an und für sich schon eine werbliche Maßnahme ist. Sobald Verbraucher Marken und Unternehmen wertschätzen, die nicht nur auf die Umsatzzahlen schauen, ist es auch für das eigene Image eine gute Sache, wenn man solche Produkte verkauft.

Was müssen Spielzeughändler sonst noch beim Verkauf von umweltfreundlichem Spielzeug beachten?

C. B.: Händler können sich die Tatsache, dass nachhaltiges Spielzeug angesagt ist, zu Nutze machen, indem sie Sonderverkaufsaktionen oder Events veranstalten, um Kunden in den Laden zu locken. Andere Branchen haben bereits eindrucksvoll bewiesen, dass das funktioniert. Leroy Merlin hat zum Beispiel einen Workshop für Kinder veranstaltet, in dem gezeigt wurde, wie man Wasser und Strom sparen kann, wie wichtig Recycling ist und wie man aus Flaschen Pflanzentöpfe machen kann.

So können Sie die ganze Familie glücklich machen – die Kleinen haben Spaß und lernen gleichzeitig etwas fürs Leben. Dadurch entsteht Markentreue und wenn der Event richtig aufgesetzt ist, kann man auch gleich noch seine Umsätze mit ökologischem Spielzeug ankurbeln.

Ökospielzeug wird eher von Eltern als von Kindern nachgefragt. Was muss ein Spielzeug können, damit es den Erwartungen von Eltern und Kindern gerecht wird?

C. B.: Wenn man umweltfreundliches Spielzeug entwickelt, muss das Hauptaugenmerk auf der Nachhaltigkeit liegen. Dabei dürfen der Spielwert und das Aussehen des Produkts aber nicht vernachlässigt werden, denn es muss den Verbraucher ja auch ansprechen. Um zu verstehen, welche Spieleigenschaften und ästhetischen Elemente für Eltern und Kinder gleichermaßen attraktiv sind, muss man als Hersteller auch andere gesellschaftliche Trends und den Markt als solchen im Blick haben.

Man kann sich bei der Entwicklung eines Spielzeugs beispielsweise von „Just for fun“ inspirieren lassen, dem Trend aus dem Jahr 2018. Als Hersteller könnte man zum Beispiel ein umweltfreundliches Spielzeug auf den Markt bringen, das noch ein paar witzige Elemente on-top hat. So bringt das Spielzeug die ganze Familie zum Lachen und alle können gemeinsam Spaß haben.

Sie forschen auch im Bereich Innovations-Management in der Spielzeugbranche. Welche Entwicklungen sehen Sie bei Verfahren und Materialien im Bereich Nachhaltigkeit?

C. B.: Grundsätzlich durchlebt die Spielzeugindustrie gerade spannende Zeiten, denn der Erneuerungsprozess hin zu nachhaltigen Werkstoffen und umweltfreundlicheren Produktionsverfahren ist in vollem Gange. Heute gibt es eine große Bandbreite an umweltfreundlichen Materialien, die in der Spielzeugproduktion eingesetzt werden, wie z.B. Holz, Pappe, Kork, Bambus, Biostoffe, Naturkautschuk usw.

Auch bei den Kunststoffen gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Steigerung der Nachhaltigkeit. So gibt es zum Beispiel Spielzeug, das zu einem bestimmten Prozentsatz aus recyceltem Plastik besteht. In manchen Fällen wird dieses Recyclat aus den Meeren gewonnen. Dadurch ist das Spielzeug selbst weniger umweltschädlich, und das Unternehmen trägt zur Lösung eines gravierenden Umweltproblems bei, was von den Verbrauchern positiv bewertet wird. Auch Bioverbundwerkstoffe, Werkstoffe auf Pflanzenbasis und biobasierte Materialen werden verstärkt von der Industrie eingesetzt.

Wir müssen die Themen Spielwaren, Verpackung und Transport neu denken, weil der Verbraucher von heute viel stärker in die weltweiten Kreisläufe eingebunden ist. Das ist natürlich eine große Herausforderung für die Branche, birgt aber auch viele Innovationschancen in sich und schafft die Möglichkeit, die Spielwarenindustrie als Ganzes zu verbessern.

Auf der Spielwarenmesse® 2020 werden Sie im Toy Business Forum einen Vortrag zum Thema „Nachhaltige Babyprodukte und ökologisch orientierte Eltern: Verbrauchereinstellungen und Spielwarentrends“ halten. Warum lohnt es sich, sich Ihre Rede anzuhören?

C. B.: In meiner Präsentation behandle ich die neuesten Trends bei nachhaltigem Spielzeug, erkläre, wie Unternehmen ökologische Grundsätze in ihre Produkte und Strategien einbauen, welche Werte und Erwartungshaltungen die jüngste Elterngeneration hat und vieles mehr. All das ist für jeden vom Fach und jedes Unternehmen interessant, die ihr Wissen über umweltfreundliches Spielzeug und das Potenzial erweitern wollen, das dahintersteht.

Vielen Dank für das Interview, Frau Blasco.


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Autor dieses Artikels:

Spielwarenmesse eG

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