Spielwarenmesse: Interview mit Bastei Lübbe: Der E-Book-Markt für junge Zielgruppe wächst

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Interview mit Bastei Lübbe: Der E-Book-Markt für junge Zielgruppe wächst

von Ulrich Texter

Der Markt für Kinder- und Jugendbücher bietet noch großes Potenzial, schenkt man der Arbeitsgemeinschaft für Jugendbuchverlage e.V. Glauben. Der Zusammenschluss von über 90 Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz begründet seinen Optimismus mit der im Oktober 2013 veröffentlichten Kinder- und Jugendbuchstudie „Markt-entwicklung, Kaufverhalten, Konsumentenstrukturen und -einstellungen“. Auch Bastei Lübbe will von diesem Wachstumsmarkt profitieren, wie das Unternehmen Anfang des Jahres ankündigte. Wir sprachen mit Mathias Siebel, neuer Gesamtleiter Kinder- und Jugendbuch.

Spielwarenmesse®: Herr Siebel, Sie sollen ab diesem Jahr mit Ihrem Gespür für Themenfelder und Trends den Ausbau der Programme von Boje und Baumhaus vorantreiben. Was wittert Ihre Nase denn an aktuellen Trends?

Mathias Siebel: Meist ist es so, dass ein überragender Bestseller einen Trend kreiert. Bei uns sorgten „Gregs Tagebücher“ für den Trend Comic Roman, bei Oetinger „Die Tribute von Panem“ für den Trend Dystopien, bei Carlsen die „Biss“-Reihe für den Trend Vampire. Ich vermute, der neue Trend wird ein alter sein. Es steht uns ein Wiedersehen mit Magiern und Zauberlehrlingen bevor.

Foto: Siebel © tomas rodriguez fotografie

Die Zahl der Käufer steigt zwar, aber der Absatz nahm laut Trendbericht Kinder- und Jugendbuch 2014 ab. Von einem Wachstumsmarkt kann also eigentlich keine Rede sein, zumal die Geburtenrate auch keinen Anlass zur Hoffnung gibt. Warum also diese Hoffnung, dass da noch was geht?

M.S.: Wir haben für uns den Bereich der jungen Erwachsenenunterhaltung als möglichen Wachstumsmarkt entdeckt und gründen mit ONE ein eigenes Label für diesen Bereich. Young Adult, All Age, Bridger ‒ das Segment hat viele Namen. Letztlich geht es darum, das Jugendbuch ab 12 Jahren für junge bzw. jung gebliebene Erwachsene zu öffnen. Es lässt sich erkennen, dass im Buchhandel eigene Tische für dieses Segment frei geräumt werden. Und die wollen wir zukünftig besetzen.

Lediglich ein Prozent der Käufer im Kinder- und Jugendbuchmarkt entfallen auf E-Book-Titel, während Umsatzanteil von E-Books am gesamten Buchmarkt inzwischen bei knapp 4 % liegt – mit steigender Tendenz. Bleiben E-Books bei Kinder- und Jugendbüchern ein Randphänomen oder wo sehen Sie das Potenzial mittel- und langfristig, denn Bastei Lübbe beansprucht ja hier eine gewisse Vorreiterrolle für sich?

M.S.:  Wir glauben fest daran, dass auch im Bereich des Kinder- und Jugendbuchs der Umsatzanteil der E-Books langsam, aber stetig wachsen wird. Wobei es noch einige wichtige Fragen zu klären gilt: Ab welchem Alter haben Kinder Zugriff auf digitale Lesegeräte? Welche Bezahlmöglichkeiten für E-Books sind für Kinder und Jugendliche möglich, die über keine Kreditkarten verfügen.

Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse war zu erfahren, dass unter den Käufern von Kinder- und Jugendbüchern immer mehr Jungen und Männer sind. Ist das starke Geschlecht femininer geworden, weil sie jetzt das Buch entdecken, oder haben die Verlage ihre Programme mehr zielgruppenspezifischer ausgerichtet?

M.S.:  Hier haben sicherlich „Gregs Tagebücher“ dazu beigetragen, die Jungs als Zielgruppe (wieder) zu entdecken. Greg wird gemeinhin als DIE Serie bezeichnet, die die sogenannten „reluctant readers / unwillige Leser“ (vornehmlich Jungs) wieder zum Buch gebracht hat. Der Erfolg von Greg hat einige Nachahmer mit sich gebracht, sodass es mittlerweile eine größere Vielfalt an Büchern gibt, die auch Jungs ansprechen.

Die Stiftung Lesen zeigte Ansatzpunkte auf, um die Lesemotivation bei Jungs zu erhöhen. Viel ist von Vorbildern, Bewusstseinsbildung und Motivation die Rede, aber kaum von Inhalten, die Jungen begeistern könnte. Zeigt aber nicht der Erfolg Ihrer Greg-Bücher, dass es gerade Inhalte sind, die entscheiden, ob Jungs zum Buch greifen?

M.S.:  Die Aufgabe unseres Verlags begreife ich darin, dass wir Inhalte kreieren, die den Kindern in allererster Linie Spaß machen, der Rest kommt dann von ganz alleine.

Beim Durchblättern der Herbstvorschau von Baumhaus & Boje sprang uns gleich die Seite „Nur für Jungs“ entgegen. Wollen Sie mit der „strukturellen Benachteiligung“ von Jungs aufräumen?

M.S.:  Die weibliche Leserschaft überwiegt im Kinder- und Jugendbuch noch stärker als im Erwachsenenbereich und dementsprechend sind die Programme ausgerichtet. Aber es kann durchaus interessant sein, sich in einem kleineren Marktsegment zu engagieren, in dem die Konkurrenz nicht so groß ist.

Anfang Juni hieß es, dass ein neues Selbstbewusstsein den deutschen Buchmarkt prägt. Hat Ihr Verlag auch dieses Selbstbewusstsein, wenn es, wie der Börsenverein schreibt, „gegen die zerstörerischen Vorstöße von Quasi-Monopolisten“ geht?

M.S.: Wir versuchen allen unseren Partnern auf Augenhöhe zu begegnen. Dafür ist in der Tat in einigen Fällen ein gesundes Selbstbewusstsein nötig.

Was lesen Sie gerade selbst und was können Sie den Händlern empfehlen, die sich für das Kinder- und Jugendbuch stark machen?

M.S.: Ich hatte gerade Urlaub. Da erlaube ich mir „fremd zu lesen“, und habe mich sehr für den Titel „Wildwood“ von Colin Meloy begeistern können. „Petronella Apfelmus– Verhext und festgeklebt“ aus unserem Boje-Programm ist ebenfalls ein Titel, den ich uneingeschränkt empfehlen kann.

 

Autor dieses Artikels:

Ulrich Texter

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