Spielwarenmesse: Interview mit fischertechnik: Überzeugen durch pädagogischen Wert

Sprache wählen

 

fischertechnik Baukästen
  Macher

Macher

Interview mit fischertechnik: Überzeugen durch pädagogischen Wert

von Harald Hemmerlein

Marcus Keller, Geschäftsführer der fischertechnik GmbH, verzichtet bewusst auf plakative Aussagen auf der Verpackung. Er will Schenker und Kinder mit dem Inhalt vom „pädagogischen Wert“ seiner Produkte überzeugen.

Spielwarenmesse®: In der Produktgruppe „Technisches Spielzeug, edukatives Spielzeug, Aktionsspielwaren“ waren auch auf der Spielwarenmesse in Nürnberg lange Konstruktionsspielzeuge, Fahrzeugmodelle zum Spielen und andere haptisch greifbare Spielwaren versammelt. Seit einiger Zeit spielen Elektronik und dabei vor allem digital vermittelte Inhalte eine prägende Rolle in dieser Kategorie. Wie hat das die Branche verändert? Wie schlägt sich diese Entwicklung im Angebot und der Marketingstrategie Ihres Unternehmens wider?

Marcus Keller: fischertechnik ist seit nunmehr 50 Jahren auf dem Markt. Wir waren die ersten, die bereits 1977 mit dem Baukasten IC-Digital-Praktikum das Thema Digitaltechnik aufgegriffen, 1985 mit dem Baukasten COMPUTING die ersten computergesteuerten Roboter-Modelle präsentiert und 1994 mit dem Baukasten PROFI I’am walking erstmals das Thema Bionik aufgenommen haben. fischertechnik ist diesen Weg schon sehr früh und mit zunehmendem Erfolg gegangen. Diesen beschreiten wir auch konsequent weiter. Wohin die Entwicklung geht, zeigen wir mit dem Baukasten ROBOTICS TXT Discovery Set auf: die Steuerung und Interaktion der fischertechnik-Modelle mit Aktoren, Sensoren und einer Kamera. Nicht mehr nur am PC, sondern mit einem Smartphone.

Internationale Perspektive - Sehen Sie Unterschiede in der Nachfrage und beim Konsumentenverhalten in den verschiedenen Regionen der Welt bei dieser Warengruppe?


M. K.: Ob beispielsweise in Brasilien, China, den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Südafrika – wir erleben nicht nur in Europa, sondern auf allen Kontinenten die große Neugier und Begeisterung, mit der Kinder und Jugendliche mit fischertechnik Technik und naturwissenschaftliche Phänomene entdecken. Die Eltern und Schenker sehen in der Verknüpfung von realen und digitalen Spielwelten die Chance, Kinder und Jugendliche spielerisch für zukunftsorientierte Trends zu begeistern.

Was kommt? Werden Kinder ihre Konstruktionen und Bauten künftig am Rechner gestalten, mit dem 3-D-Drucker realisieren und dann damit spielen?

M. K.: Der 3-D-Drucker bietet in Zukunft sicherlich viel kreatives Potenzial für Kinder. Es wird eine weitere Facette in einem breiten Spektrum an Möglichkeiten sein, mit der Kinder ihre Spielwelten selbst gestalten. Diese Vision hat aber nur dann eine Marktchance, wenn die Programmierung und das Produkt kindgerecht sind.

Auch „Edukative Spielwaren“ bündelt die Spielwarenmesse in dieser Warengruppe. Ist der Eindruck richtig, dass vor allem in deutschsprachigen Märkten der vermeintliche „pädagogische Wert“ eines Spielzeugs besonders gut beim Verkaufen hilft?

M. K.: Eltern und Schenker achten immer häufiger auf den Spielwert. Spielerisch lernen: ja, aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Kinder lernen nur, wenn es ihnen Spaß macht. fischertechnik hat einen hohen Aufforderungscharakter, der „pädagogische Wert“ eröffnet sich beim Spielen. Wir verzichten bewusst auf plakative Aussagen auf der Verpackung, sondern überzeugen mit dem Inhalt – mit Erfolg. Ein Beispiel: Die Baukästen PROFI Dynamic sind Bestseller im fischertechnik Programm. Aber nicht, weil wir den „pädagogischen Wert“ betonen, weil damit die Kinder etwas über physikalische Grundlagen lernen, sondern weil die Kugelparcours einfach viel Spaß beim Konstruieren und Spielen machen.

Wo würden Sie die Grenze ziehen zwischen didaktischen Materialien und edukativ aufgeladenen Spielwaren?


M. K.: Wir sind auf dem Spielwarenmarkt und auf dem Bildungsmarkt tätig, viele unserer Baukästen, vor allem auf dem internationalen Markt, werden für beide Zielgruppen angeboten. Die Differenzierung ist nicht immer trennscharf zu ziehen. Wir haben aber immer den Anspruch, dass die Kinder beim Spielen, gerne auch mit Unterstützung des didaktischen Begleitmaterials, Neues entdecken und verstehen lernen. Sie können, aber sie müssen unser zusätzliches Angebot nicht nutzen. Didaktisches Material hingegen verfolgt ein klar definiertes Lernziel, das die Lehrkraft definiert und zu dem die Kinder bewusst hingeführt werden.

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.

 

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.