Spielwarenmesse: Interview mit Liliput: Die Stimmung ist positiv

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Interview mit Liliput: Die Stimmung ist positiv

von Ulrich Texter

Die Modelleisenbahn will wieder den Anschluss finden. Die Strategien sind dabei durchaus unterschiedlich, das Ziel aber identisch. Ob mit kindgerechten und preiswerten Einstiegsmodellen oder durch Konzepte, die die klassische Modellbahn mit eGames verbinden, die Marschrichtung heißt immer: zurück in die Köpfe junger Menschen. Gleichzeitig will die Branche das angestammte Klientel nicht vergraulen. Liliput hingegen konzentriert sich vor allem auf das „Profi-Segment“. Wir sprachen mit Gerda Schwab, verantwortlich für Marketing und Vertrieb, warum das so ist.

Spielwarenmesse®: Frau Schwab, mit speziellen, für die Zielgruppe Kinder entwickelten Produkten oder einem „Next Generation“-Konzept, wie es bei einem Hersteller heißt, versucht die Branche, den Nachwuchs zu gewinnen. Ihr Unternehmen gibt sich augenscheinlich eher zurückhaltend, konzentriert sich mehr auf „Profi-Modelle“. Warum eigentlich?

Gerda Schwab: Einer muss es ja tun… Nein, Spaß beiseite. Vor ziemlich genau 25 Jahren wurde die Firma Bachmann in England gegründet. Von Anfang an stand bei uns der Modellbahnprofi und Sammler im Fokus. Auch für die wenige Jahre später gegründete deutsche Niederlassung galt und gilt diese Maxime. Bis heute ist es uns wichtig, das reale Vorbild nachzubilden und möglichst viele Details am Modell darzustellen. Die europäische Bachmann-Gruppe fühlt sich also nach wie vor dem Nachbau des echten Modells ver-pflichtet. Einen etwas anderen Weg geht z. T. unsere amerikanische Schwesterfirma, die mit den Produkten der Serie „Thomas & Friends“ auch Modelle für die jungen Eisenbahnliebhaber herstellt. Wir vertreiben diese Produkte über den Fachhandel im deutschen Markt. Damit sind auch ganz nahe am Nachwuchs.

Glauben Sie denn, dass es mit Modellbahn-Spielzeug gelingt, Silver Surfer mit der Drück & Wisch-Generation zu versöhnen bzw. dass die Digitalisierung der Modelleisenbahn tatsächlich neue Erlebnisse für den Nachwuchs schafft?

G. S.: Ich glaube nicht, dass zwei scheinbar unterschiedliche Lager miteinander versöhnt werden müssen. Sicherlich ist die Herangehensweise der jeweiligen Seite eine andere. Während man den Nachwuchs vermutlich mit mehr Technik begeistert, ist es die Detailwiedergabe, die den versierten Modellbahner erfreut. Wir versuchen beiden Seiten gerecht zu werden, indem wir auf der einen Seite die Modelle vorbildgetreu und detailliert gestalten und auf der anderen Seite Technik einsetzen, die eher die jüngere Generation anspricht. Aber auch die „Silver Surfer“ erfreuen sich natürlich an dieser Technik.

Die Aufnahme weiterer Spurweiten in Ihr Sortiment zeigt auch, dass man versucht, Nischen zu besetzen. Denken Sie an das „kleine Comeback“ der Spur 0 oder an die Zubehörlieferanten, die jetzt rollendes Material im Portfolio haben! Heißt die Marschrichtung: stabil durch Diversifikation?

G. S.: Jeder erweitert sein Programm mit Produkten, die sinnvoll erscheinen. Für uns jedenfalls war der Einstieg in die Spurweite N genau richtig!

Die Modelleisenbahn erlebt eine technologische Auf¬rüstung. Sound, Rauch, Fahr- und Bremsgeräusche, selbst Türen als Screens, die das automatische Auf- und Zugehen zeigen, sind heute Alltag. Wo sehen Sie die nächsten technischen Herausforderungen?

G. S.: Wie Sie selbst sagen, ist es kaum möglich, die technische Richtung für die nächsten Jahre vorherzusehen. Auch unsere Modelle machen Bremsgeräusche, rauchen oder pfeifen. Man muss jedoch beachten, dass ein Zuviel an Technik den „normalen“ Modellbahner vermutlich überfordert, da er 10 Loks oder mehr gleichzeitig quietschen, rauchen oder pfeifen lassen soll. Darüber hinaus muss ein Modell natürlich bezahlbar bleiben, jede zusätzliche Technik wird sich natürlich auch im Preis wider¬spiegeln.

Als deutsche Niederlassung eines internationalen Unternehmens dürften Sie einen guten Einblick in verschiedene Märkte haben. Was ist in z.B. England und Amerika anders als im Mutterland der Modelleisenbahn? Und wo will Liliput wachsen?


G. S.: Die Herausforderungen sind sicherlich überall die gleichen, wobei der englische und  amerikanische Konsument das Thema mit etwas weniger Ernst be¬trachtet und manchmal eher die Spielfreude und das Modell im Vordergrund stehen. Details bis zur letzten Schraube sind ihm nicht immer so wichtig. Wir wachsen etwa durch die Erweiterung des Programms. So haben wir erst kürzlich das deutsche Bachmann-Portfolio durch die Zubehörprodukte „Proses“ erweitert. Mit einer großen Auswahl an Spezialwerkzeugen, Bausätzen und Zubehör für Modelleisenbahnen bietet „Proses“ in den Spurweiten N, 0, 00, H0 und G vielfältige Möglichkeiten rund um das Thema Bauen und Basteln.

Das Jahr 2013 war alles in allem zufriedenstellend. Auch der Start 2014 scheint gelungen. Kann man daraus schließen, dass die Konsolidierung in Ihrer Branche abgeschlossen ist? Oder schreitet der Konzentrationsprozess weiter voran?


G. S.: Die Signale und die Stimmung sind positiv, die Branche scheint in ruhigeren Fahrwassern unterwegs zu sein. Da die Vergangenheit jedoch gezeigt hat, dass ein Sturm manchmal über Nacht und ohne Ankündigung kommen kann, wäre ein Blick in die allzu weite Zukunft spekulativ.

Ein leidiges, aber auch nie enden wollendes Thema – der Fachhandel. Liliput, sagt Liliput, gibt es nur dort. Wie lange kann man das als Hersteller angesichts der Entwicklung im stationären Handel durchhalten?

G. S.: Wir gehen davon aus, dass das noch sehr lange der Fall sein wird. Wir senden dieses Signal auch immer wieder an den Fachhandel, dem wir uns als verlässlicher Partner zeigen.

 

Autor dieses Artikels:

Ulrich Texter

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