Spielwarenmesse: Als Omni-Channel-Händler wollen wir das Familiy-Shopping erleichtern

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Als Omni-Channel-Händler wollen wir das Familiy-Shopping erleichtern

von Harald Hemmerlein

Oliver Lederle hatte als junger Vater und Unternehmensberater im Sommer 1999 die Idee, Eltern über einen Online-Shop günstig und unkompliziert Spielsachen und Produkte rund ums Kind anzubieten. Mit vier Freunden gründete er eine GmbH und startete in Oktober 1999 den Shop www.myToys.de mit 5.000 Spielwarenartikeln im Internet. 20 Jahre später sind es 130.000 Artikel, der Online-Shop läuft auch auf Englisch, Russisch und Deutsch und zum Online-Angebot haben sich stationäre Filialen hinzugesellt.

Wir sprachen mit Oliver Lederle, der heute Vorsitzender der Geschäftsführung ist, über aktuelle Entwicklungen im Spielwarenhandel und seine Pläne für die Zukunft von myToys.


Spielwarenmesse®: Als Sie 1999 myToys gegründet haben, schien der Spielwarenkuchen in Deutschland weitgehend verteilt zu sein zwischen Verbundgruppen, Warenhäusern, SB-Märkten und einigen weiteren Handelsunternehmen. Damals war es gerade einmal vier Jahre her, dass Amazon sein erstes Buch online verkauft hatte. Darf man Sie als Visionär bezeichnen?

Oliver Lederle, myToys
Oliver Lederle, Vorsitzender des Vorstands, mytoys

Oliver Lederle: Ich persönlich würde mich nicht so bezeichnen, aber ich hatte schon immer ein tiefes Interesse für Wirtschaft und wusste sehr früh, dass ich Unternehmer sein will. Als die Idee zu myToys aufkam, war ich als Berater bei einer bekannten Unternehmensberatung für Internetprojekte zuständig. Es war dann in der damaligen Boom-Phase durchaus naheliegend, etwas Eigenes zu gründen. Aber: Ohne Investoren bzw. starke Partner, die an die Idee glauben, ist selbst die beste Vision nicht umzusetzen.

Als Pionier des Online-Handels in der Spielwarenbranche haben Sie frühzeitig erkannt, dass alle Touch-Points zum Konsumenten genutzt werden müssen und sind in den stationären Handel eingestiegen. Ganz schön mutig – angesichts der damals vermeintlich uneinnehmbaren Dominanz der Platzhirsche.  Was ist Ihr Fazit?

O. L.: Im Omni-Channel-Handel blickt die MYTOYS GROUP bereits heute auf mehr als zehn Jahre Erfahrung zurück. Schon früh haben wir auf eine konsequente Verzahnung aller relevanten Vertriebskanäle innerhalb der Customer Journey geachtet und gehören so zu den ersten Online-Pure-Playern, die den Sprung in das stationäre Umfeld wagten – und das sehr erfolgreich. Bereits 2006 eröffnete myToys seine ersten Filialen und zählt damit im kanalübergreifenden Handel zu den Pionieren. Heute betreibt myToys deutschlandweit 17 stationäre Geschäfte. Wir sind überzeugt, dass Online- und Stationär-Handel voneinander profitieren, beide Kanäle wachsen überproportional. So können wir als Omni-Channel-Händler die „hybriden Kunden“ bedienen, die sowohl online als auch stationär einkaufen.

Kürzlich haben Sie angekündigt, Ihr Partnerprogramm ausbauen zu wollen. Dabei hilft sicher auch, dass mit Ihren drei Webshops eine Vertriebsplattform für sämtliche Familienprodukte bereitsteht. Die Studie „Gamechanger Plattformökonomie – Verhaltensänderungen verstehen und Spielregeln bedienen“ des IFH Köln unterstreicht, wie hoch der Stellenwert von Plattformen im Konsumentenalltag ist. So zeigt sich u. a., dass Konsumenten bereit sind, allein für die grundlegende Nutzung von Plattformen zu bezahlen. Soll myToys zum Marktplatz werden?

O. L.: Seit dem Start in 2016 baut die MYTOYS GROUP ihr Partnerprogramm kontinuierlich aus. Allein im vergangenen Jahr hat die Markenfamilie mehr als 130 neue Lieferanten ins Sortiment ihrer Shopping-Angebote myToys, mirapodo und yomonda eingebunden. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Im Vergleich zu Lieferanten, die noch nicht Teil des Partnerprogramms sind, konnte die Mehrheit der Marken, die im letzten Jahr bei mirapodo, myToys oder yomonda angebunden wurden, überproportional wachsen. Mit unserem Partnerprogramm investieren wir konsequent in das Wachstum der Gruppe und auch in Zukunft planen wir, die Lieferanten-Kooperationen signifikant auszuweiten.

Foto der Filiale in Siegen, © mytoys
© mytoys

Die Ausgaben der Deutschen für Spielwaren liegen seit Jahren unabhängig von der Konjunktur stabil bei rund 3 Milliarden Euro mit leicht steigender Tendenz. Zugewinne im Handel lassen sich da eigentlich nur durch die Eroberung von Marktanteilen erzielen. Könnte die erfolgreiche Etablierung einer Plattform für Familienprodukte ein probates Mittel dafür sein?

O. L.: Wir adressieren die Zielgruppe Familie so erfolgreich wie kein anderes E-Commerce-Unternehmen: Unsere klare Positionierung und die Relevanz des Angebots für diese Zielgruppe haben sich als wichtiger Wachstumstreiber erwiesen. Das beinhaltet für uns auch die Etablierung als Plattform für Familienprodukte, denn in partnerschaftlichen und langfristigen Kooperationen wollen wir unsere führende Position im Familyshopping-Onlinemarkt gemeinsam mit unseren Partnern festigen und unser Portfolio durch Kooperationen mit weiteren Herstellern und Händlern auch zukünftig stetig vergrößern.

Toys R Us, beziehungsweise die Inhaber der Namensrechte TRU Kids Brand, haben jetzt angekündigt, wieder in den Spielwarenhandel einzusteigen. Zunächst in den USA mit zwei Geschäften in Einkaufszentren. Ziel sei es, Einkaufserlebnisse im stationären Handel in Umsätze im Online-Handel zu übersetzen. Sie sind den anderen Weg gegangen und haben aus dem Online-Shopping heraus eine stationäre Einkaufswelt erschaffen. Geht Online nur mit Offline?

O. L.: Wir als Spezialist im Family-Shopping haben es uns zur Aufgabe gemacht, Familien das Leben mit Kindern zu erleichtern. Dazu gehören nicht nur ein umfassendes Sortiment und umfangreiche Serviceleistungen, sondern auch ein unkomplizierter Bestellprozess, eine kompetente Beratung und ein individuell auf den Kunden zugeschnittenes Angebot - sowohl online als offline.

Deshalb war für uns auch von Anfang an klar, dass wir, um als kompetenter Händler für Kinderprodukte wahrgenommen zu werden, mit unserer Marke in allen Lebensbereichen und für alle Kaufanlässe unserer Kunden präsent sein müssen. Dazu gehört es für uns auch, Filialen zu haben. Meiner Meinung nach ist die Zukunft des Handels ein Kanal-Mix aus Online und Offline, die sich gegenseitig stärken. So weit zu gehen, dass Online nur mit Offline funktioniert, würde ich deshalb jedoch nicht. Selbstverständlich gibt es auch erfolgreiche Online-Modelle ohne Offline.

Die Europäische Kommission hat gegen Sanrio eine Geldbuße von 6,2 Mio. Euro verhängt, da das Unternehmen Händler am Verkauf lizenzierter Ware an andere Staaten innerhalb des Europäische Wirtschaftsraum gehindert hat. Wie sieht es bei myToys mit der Nachfrage aus dem Ausland aus?

O. L.: Natürlich verkaufen auch wir Waren ins Ausland: Wir liefern nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch nach Österreich, in die Schweiz und die meisten Länder Europas. Außerdem haben wir 2010 mit myToys.ru unseren russischen Online-Shop gelauncht.

Ganz andere Frage - Was wünschen Sie sich bei Ihrem Besuch der Spielwarenmesse von den Ausstellern?

O. L.: Ich freue mich immer über gute Gespräche, verbunden mit der Bereitschaft, zuzuhören. Ein intensiver Austausch sorgt für mehr Verständnis auf beiden Seiten und macht es oft leichter, sich auf neue Ideen und Standpunkte einzulassen.

Herr Lederle, vielen Dank für das Gespräch.


Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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