Spielwarenmesse: Interview mit Puky: Spielzeug für mehr Bewegung

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Interview mit Puky: Spielzeug für mehr Bewegung

von Ulrich Texter

Bewegung ist gesund. Dieser Grundsatz gilt sowohl für Erwachsene als auch Kinder. „Bewegte Kindheit“ heißt auch ein Kongressformat, dass die Universität Osnabrück und das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung alle zwei Jahre realisiert, um den Stellenwert von „Bewegungserziehung“ zu stärken. Für eine „bewegte Kindheit“ steht auch Puky mit Fahrräden, Laufrädern und mehr. Wir sprachen mit Pukys „ersten Bewegungserzieher“, Geschäftsführer Ralf Puslat.

Spielwarenmesse®: Herr Puslat, Fahrradfahren liegt voll im Trend, hieß es in Friedrichshafen auf der Eurobike. Liegt auch Puky im Trend?
Ralf Puslat:
Auch Puky liegt im Trend. Wir registrieren seit Jahren, dass das Thema Mobilität in Familien mit kleinen Kindern angekommen ist. Moderne Eltern sind heute viel häufiger mit dem Fahrrad unterwegs und sie achten deshalb darauf, dass auch ihre Kinder schöne, anforderungsgerechte Mobilitätsprodukte nutzen.

Die deutsche Fahrradproduktion ist allerdings im ersten Halbjahr 2014 leicht gesunken! Das als Trend auszugeben, ist vielleicht etwas gewagt, oder?
R. P.:
Nein. Wir haben auch eine ganze Reihe von Importen. Die deutsche Fahrradindustrie ist insgesamt ordentlich aufgestellt. Zudem darf man nicht vergessen, dass nach wie vor viele Millionen Fahrräder in den Markt gehen. Was aber auffällt, ist, dass die Nutzung und Akzeptanz des Produktes signifikant steigt. Das hat mit gesamtgesellschaftlichen Veränderungen zu tun. Ökologische Themen spielen eine viel stärke Rolle als noch vor Jahrzehnten. Junge Familien zieht es zwar wieder zurück in die Stadt, aber sie setzen bei Fahrzeugen häufig einen neuen Fokus. Trend mit verkauften Stückzahlen gleich zu setzen, wäre also zu kurz gesprungen. Nutzung, sprich Benutzung, und die Wahrnehmbarkeit auf den Straßen ist deutlich gestiegen.

Das Fahrrad ist also das Auto von morgen?
R. P.:
So ist es. Die moderne Familie entscheidet sich wegen der kulturellen Situation und der Angebote wieder für den urbanen Raum mit allen seinen Vorteilen, aber häufig gibt es in diesen Familien nicht mal mehr das Zweitauto. Selbst das erste steht gelegentlich in Frage.

Verraten Sie uns, wie viele Fahrzeuge in Wülfrath das Band jedes Jahr verlassen?
R. P.:
Wir bauen deutlich über 700.000 Fahrzeuge im Jahr, die allerdings nicht alle in den deutschen Markt gehen. Wir nähern uns einem Exportanteil von 30 Prozent.

PUKY setzt auf Made in Germany, während andere Firmen der Spielwarenbranche den Standort Europa gerade wieder neu entdecken. Was macht PUKY besser oder anders als die Konkurrenz?
R. P.:
Made in Germany liegt eine über Jahre und Jahrzehnte gewachsene Philosophie zugrunde, dass wir gerne das, was wir verkaufen, auch gut kennen wollen. Die Strategie war deshalb immer, von der Idee über die Produktion bis hin zum Markt, also die ganze Supply Chain selber in der Hand zu haben. Und wir haben uns, das unterscheidet uns womöglich von anderen, von vornherein sehr genau auf die Zielgruppe Kinderfahrzeuge im Alter von 1 bis 9 Jahren konzentriert. Die komplette Fertigungstechnologie ist darauf ausgerichtet, und diese Spezialisierung hat es uns ermöglicht, zu ordentlichen, auch wirtschaftlich tragbaren Konditionen in Deutschland zu fertigen.

Sie sind einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt. Auf der Spielwarenmesse® war ein 2in1-Gefährt zu sehen, das den Red Dot erhalten hatte und mit dem ToyAward ausgezeichnet wurde. Wie behält man als Dino der Branche da noch die Nase vorne?
R. P.:
Das liegt an der Marktnähe. Wir arbeiten sehr intensiv mit eigenem Personal in den Handel hinein, halten ganz engen Kontakt direkt zum Einzelhandel, der uns über seine Konsumentenwünsche berichtet, und wir führen Marktforschungen wie etwa Fokusgruppenbefragungen durch. Der enge Draht zum Nutzer, zu den Eltern wie Kindern,  das fließt alles mit ein. Aber natürlich hat sich die Puky-Produktwelt in den letzten 10 Jahren ein wenig geändert.

Puky besitzt den Ruf einer Premiummarke. Das hat seinen Preis. Schränkt das den Export nicht ein, wenn wir nur an das Gefälle in Europa denken?
R. P.:
Die Frage ist absolut berechtigt und sie war für uns viele Jahre eine ganz relevante. Der Erfolg im Export in den zurückliegenden Jahren beweist aber das genaue Gegenteil. Puky bietet auch preislich interessante Einstiegsprodukte für junge Exportmärkte an. Und dann passiert Folgendes. Auch diese Märkte, liegen sie nun in Süd- oder in Osteuropa, entwickeln sich, so dass immer mehr Kunden wertige Produkte kaufen wollen. Die guten Erfahrungen mit unseren Einstiegsprodukten sind dann der Türöffner für die teureren Puky-Produkte. Das ist eine Entwicklung, die wir überall sehen. Hinzu kommt, dass unsere Qualitätsprodukte für eine sehr gute Zweit- oder Drittvermarktung stehen, denn es liegt in der Natur der Sache, dass Kinderprodukte nicht so lange passen.

Ein Pfeiler des Erfolges ist der Fachhandel. Dabei sind Ihre Produkte von der Preisstellung als auch vom Volumen her ideale Internetprodukte oder?
R. P.:
Ja, das stimmt prinzipiell und es ist ohne Frage so, dass der Internethandel generell über alle Branche hinweg, explizit in der Spielware, einen relevant hohen Anteil hat. Warum werden dennoch die allermeisten Puky-Produkte im stationären Fachhandel gekauft? Das hat damit zu tun, dass ein Mobilitätsprodukt für ein Kind einfach gut passen muss: von der Auswahl, von der Größe, von der Beratung. Deshalb nutzt das Gros der Eltern den stationären Handel, um verschiedene Produkte anzuschauen und auszuprobieren. Natürlich gibt es trotzdem den einen oder anderen, der im Internet kauft, aber viele stationäre Händler vermarkten die Produkte ja auch selbst auf ihren Websites.

Der Fahrradhandel dürfte an erster Stelle bei den Vertriebspartnern stehen. Welchen prozentualen Anteil nahm der Spielzeugfachhandel im letzten Jahr ein?
R. P.:
Betrachten wir den deutschen Markt, dann lässt sich sagen, dass die Hälfte der Stückzahlen in den spielwarennahen Kanälen vermarktet und verkauft wird. Vom Umsatz her ist der weit überwiegende Anteil allerdings im Bereich der Fahrradhändler anzusiedeln, was einfach damit zu tun hat, dass ein 20 Zoll-Fahrrad eben mehr kostet. Über alle Verbundgruppen der Spielzeugbranche hinweg konnten wir 2014 Zuwächse erzielen.

Puky ist für die 65. Teilnahme an der Spielwarenmesse® geehrt worden. Was haben Sie außer einer Ehrenurkunde noch aus Nürnberg mitgenommen?
R. P.:
Das war erstens eine sehr schöne Ehrung und zum anderen ein Anlass, der zeigte, dass sich Tradition und Zukunft nicht widersprechen. Es zeigte aber auch, dass ein kontinuierliches Arbeiten in einer Branche durchaus von einem mittelständischen Familienunternehmen angepackt und erfolgreich umgesetzt werden kann. Was ich auch mitgenommen habe, ist, dass nach wie vor Nürnberg, wo ebenfalls Tradition und Zukunft zusammenkommen, für uns wichtig ist. Zwar spüren wir alle die Veränderungen des Marktes. Die Zahl der Kontakte geht etwas zurück, aber die Qualität der Kontakt ist mehr und mehr exzellent. Wir treffen hier viele Handelspartner, z.T. eben auch außerhalb von Europa, zu denen wir wenig direkten Kontakt pflegen können. Dafür ist Nürnberg richtig und wichtig. Und natürlich ist es für uns als Puky schön, sich dem Wettbewerb zu stellen, denn wir sind nicht allein auf der Welt. Nürnberg bringt uns gute Erkenntnisse. Man lernt schließlich auch, wenn man beim Wettbewerb mal genauer hinschaut.

 

Autor dieses Artikels:

Ulrich Texter

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