Spielwarenmesse: Interview mit Undercover: Die PBS-Branche geht Online

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Interview mit Undercover: Die PBS-Branche geht Online

von Ulrich Texter

Das digitale Zeitalter macht eines besonders klar: Der Handel steht vor großen Herausforderungen. Auch die PBS-Branche kann langfristig von neuen Vertriebswegen und frischen Ideen nur profitieren. Umso wichtiger  werden Veranstaltungen wie die Spielwarenmesse® sowie die neue PBS-Fachmesse Insights-X für neue Geschäfte sein. Davon zeigt man sich beim Ranzenspezialisten Undercover überzeugt, der auf beiden Veranstaltungen zu sehen sein wird. Wir sprachen mit Geschäftsführer Michael Fortdran.

Spielwarenmesse®: Herr Fortdran, die Gesamtumsätze der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie stiegen im ersten Halbjahr 2014 um 1,6 %. Das erklären wir uns mit der sprichwörtlichen Reiselust der Deutschen. Ihr Sortiment kämpft allerdings hartnäckig mit niedrigen Geburtenzahlen. Was erwarten Sie für kommendes Jahr, für Ihre Branche allgemein und Undercover im Besonderen?

Michael Fortdran: Sowohl die Spielwaren- als auch die Schul- bzw. Schreibwarenbranche stehen aufgrund der niedrigeren Geburtenraten vor einer großen Herausforderung. Wir versuchen mit den richtigen Lizenzthemen bzw. trendigen Motiven zu punkten und den Geschmack der Kids weiterhin zu treffen. Zusätzlich werden wir die Produktrange innerhalb der Marke Scooli weiter ausbauen und neue Produkte bzw. Innovation im Schulranzen und Schulrucksack entwickeln. Wie Sie sehen, haben wir noch einiges im Köcher und sind für die Zukunft gewappnet.

Der Faible für Ranzen sei, sagen jedenfalls Experten, ein deutsches Phänomen. Scheidet da der Export weitgehend aus oder wie punktet man in Ländern, in denen man Ranzenparties gar nicht kennt?

M.F.: Sicherlich ist der Schulranzen ein deutsches Phänomen, allerdings ist das deutsche Schulranzen-Modell seit vielen Jahren auch in osteuropäischen Ländern wie z.B. Polen oder Tschechien sehr gefragt und sogar in Russland erfreut sich der Schulranzen großer Beliebtheit. Daher haben wir auch das Exportgeschäft im Blick und sehen hier sogar große Wachstumsmöglichkeiten.

Ist die Spielwarenmesse® da ein Sprungbrett für Ihr Unternehmen, um in ausländischen Märkten zu punkten? Die Messe selbst wird ja von Jahr zu Jahr internationaler.

M.F.: Die Spielwarenmesse® bietet schon immer eine hervorragende Plattform, um ausländische Märkte zu erschließen. Neben interessanten Vertriebspartnern wird die Spielwarenmesse® von vielen Zentraleinkäufern ausländischer Handelsketten besucht. Somit hat die Spielwarenmesse® seit jeher einen sehr großen Stellenwert für unser Business im In- und Ausland und, ja sie ist auch für uns ein Sprungbrett in ausländische Märkte.

Undercover, Spezialist für Lizenzen bei Schulranzen, präsentierte 2014 erstmals eine eigene Kollektion. Was war der Grund? Sie sitzen doch bei Lizenzen fest im Sattel! Wollen Sie mehr in Richtung Marke gehen und die Lizenzabhängigkeit minimieren?

M.F.: Undercover wird sich natürlich auch weiterhin als der Lizenzspezialist für alles rund um die Schule präsentierten. Allerdings wurde uns auf verschiedenen Endverbraucher-Veranstaltungen, wie z.B. Schulranzen-Partys, welche wir mit unseren Handelspartner gemeinsam ausrichten, der Wunsch von Konsumenten herangetragen, dass man sich bei Scooli klassische Schulranzen wünscht. Diesem Wunsch haben wir entsprochen und bringen nun für jedes Schuljahr auch klassische Schulranzen-Motive für Jungs und Mädchen auf den Markt. Undercover produziert aber bereits seit vielen Jahren eigens entwickelte Designs im Schreib- und Papierwarenbereich für verschiedene Handelspartner, somit ist uns dieses Geschäftsfeld nicht fremd.

Der Anteil von Lizenzprodukten, No-Names und preiswerten Ranzen wird auf etwa ein Drittel des Gesamtmarktes geschätzt, was umgekehrt auch bedeutet, zwei Drittel wird von wenigen großen Marken bestimmt. Geht’s mit Ihren Eigendesigns auch an diesen Kuchen, jedenfalls mittel- und langfristig gesehen?

M.F.: Mit unseren Eigendesigns möchten wir die Marke Scooli weiter ausbauen und stärken, um einerseits dem Kundenwunsch Rechnung zu tragen und zum anderen in einem immer kleiner werdenden Markt weitere Marktanteile zu sichern.

Klären Sie uns doch mal auf. Warum müssen es beim Design immer klassische Themen sein, die jedes Jahr variiert werden: bei Jungs beispielsweise Autos und  Dinos , bei Mädchen Prinzessinnen oder Tiere. Gibt es Dinge im Leben, die sich wirklich nie ändern?

M.F.: Ja, zum Glück gibt es einige Dinge, die sich nicht grundlegend ändern, daher werden auch in Zukunft klassische Themen wie Dinos, Autos oder Prinzessinnen nicht wegzudenken sein. Die gefragtesten Schlagwörter für eine Schulranzen-Suche im Onlinehandel sind z.B. Pferde oder Dinosaurier, somit kann man mit diesen Klassikern fast nichts falsch machen.

Schulranzen erreichen mittlerweile Preise, die weit jenseits der 200 €-Grenzen liegen. Wohin geht der Trend abseits von Ergonomie und Sicherheit? Zu solchen Exklusiv-Produkten oder zu günstigen Modell?

M.F.: Aus unserer Sicht stehen auch weiterhin Qualität, Ergonomie und Sicherheit im Vordergrund, allerdings sehen wir Preislagen um 200 € eher kritisch. Unsere Scooli Schulranzen Modelle bieten ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis in einer mittleren Verkaufspreislage. Somit liefern wir unserem Kunden trendige Designs in hervorragender Qualität und zum fairen Preis.

Machen Ihnen die Ranzenrucksäcke, die Eigenschaften eines Trekking-Rucksacks mit denen eines Schulranzen kombinieren, nicht ebenfalls zu schaffen? Einige Anbieter werben ausdrücklich mit den ergonomischen Vorzügen dieser „Backpacker“.

M.F.: Nein, diese sogenannten Ranzenrucksäcke machen uns nicht zu schaffen, im Gegenteil. Dieses Segment ist sogar sehr interessant und verbindet die Grund- mit der weiterführenden Schule. Daher lag es nahe, dass wir auch hier aktiv werden und  rechtzeitig zum Ostergeschäft unseren neuen „mitwachsenden“ Schulrucksack „TWIXTER“ auf den Markt bringen.

In den letzten Jahren gab es eine deutliche Verschiebung des Kaufverhaltens in Richtung Online, sowohl bei Spielwaren, aber auch bei Ranzen. Manche Hersteller haben darauf mit Selektionsprodukten oder mit ergänzenden Geschäftsbestimmungen reagiert. Welche Strategie haben Sie gewählt?

M.F.: Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren, neben dem stationären Handel, erfolgreich im Onlinebereich mit verschiedensten Handelspartnern zusammen. Der Onlinehandel ist als Vertriebsschiene nicht mehr wegzudenken und aktuell geht der Trend sogar in Richtung Multichannel, d. h. viele Handelspartner decken bereits sowohl das stationäre wie auch das Online-Business ab. Daher muss man sich dieser Entwicklung stellen und verschiedene Lösungen anbieten. Das können sowohl exklusive Produkte bzw. Motive oder auch originelle Sets sein.

Für 2015 haben Sie eine Reihe von neuen Lizenzen angekündigt, u.a. auch Mia & Me. Zudem bauen Sie das Segment Eigendesign aus. Wie zu erfahren war, haben Sie noch etwas in der Pipeline. Was erwartet die Besucher der Spielwarenmesse® also noch?

M.F.: Neben neuen Lizenzen wie z.B. Mia & me, Violetta oder Minions werden wir auch im Schulranzen-Bereich neue Eigendesigns präsentieren. Auf die Jungs wartet z.B. ein cooles Dinosaurier Design, welches im kommenden Dino-Filmjahr nicht fehlen darf. Unsere Kunden dürfen sich neben Schulranzen und Schreibwaren auch auf einige neue kreative Malsets für die kleinen Künstler freuen, welche wir auf der Spielwarenmesse® erstmals präsentieren. Die absolute Messe-Neuheit ist aber – wie bereits erwähnt – unser Schulrucksack „TWIXTER“.

 

Autor dieses Artikels:

Ulrich Texter

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