Spielwarenmesse: Der Trend geht zu organischen Produkten

Sprache wählen

 

Nature Zoo Giraffe
  Macher

Macher

Der Trend geht zu organischen Produkten

von Ulrich Texter

NatureZOO ist ein 2010 gegründetes dänisches Spielwarenunternehmen aus Kopenhagen. Drei Faktoren zeichnen die Marke aus: die in Handarbeit hergestellten Produkte, die Verwendung von hochwertigem Bambusgarn und das dänische Design, das zur DNA des Unternehmens zählt und ein weltweites Verkaufsargument ist. Wir sprachen mit Vibeke Elise Bay, Designerin und Firmeninhaberin von natureZOO.


Spielwarenmesse®: Frau Bay, Design und Architektur spielt, so scheint es uns, auch heute noch eine große Rolle im Alltag der Dänen. Warum ist das so?

Vibeke Elise Bay

Vibike Bay: Wir sind von Wasser umgeben und haben ein frisches Klima. Das sorgt auch geistig für frischen Wind und prägt unsere Vorlieben in puncto Design, Formen, Farben und Materialien. Die See und ihre steife Brise sorgen für einen klaren Kopf. Dadurch erklärt sich unser Hang zu schnörkellosem und einfachem Design. Das wirkt sich auch auf die Formensprache und die Architektur aus.

Was zeichnet den sogenannten nordischen Stil aus? Ist es die Sehnsucht nach Einfachheit in einer komplexen Welt?

V. B.: Für mich bedeutet nordischer Stil Reinheit, Einfachheit und Natürlichkeit. Ein kühler, reduzierter und natürlicher Stil eben. Sehr puristisch und ohne viel Schnickschnack. Wir haben es gerne einfach, und dieser Trend dürfte in den nächsten Jahren noch an Bedeutung zunehmen, weil er eine Gegenbewegung zu unserer immer komplexer werdenden Welt darstellt. Mit der ganzen Digitalisierung brauchen wir einen Gegenpol, und diesen Gegenpol können wir durch Konzentration auf das Einfache und das Unverfälschte setzen – „back to nature“ eben.

Kommen wir zu natureZOO. Was macht natureZOO besonders? In welcher Tradition sehen Sie sich als Designerin?

V. B.: Ich bin gar keine klassisch ausgebildete Designerin. Es waren vielmehr meine Persönlichkeit, mein kreatives Gespür, meine Lebenserfahrung und mein alltäglicher Umgang, die mich Design „gelehrt“ haben.

Welche Ausbildung haben Sie dann?

V. B.: Ich habe an der Copenhagen Business School den Master in International Marketing & Management gemacht. Danach war ich im Marketing für IBM, Nestlé und Bonduelle tätig, bevor ich 2010 mein eigenes Unternehmen natureZOO of Denmark gegründet habe. Während meiner Tätigkeit in den Marketingabteilungen dieser global agierenden Unternehmen konnte ich viel internationale Erfahrung sammeln, was mir sehr viel geholfen hat. Ich war für die Entwicklung und den Launch von Produkten in den skandinavischen Ländern zuständig, und häufig konnte ich später dann auch in meinem eigenen Unternehmen auf dieses Wissen zurückgreifen, denn vieles ähnelt sich, auch wenn die Branchen sich unterscheiden.

Gehäkelter Schmuseelefant
Handgreifling Sir Elefant aus Öko-Tex Garn.

Und was waren die Gründe, handgemachtes Spielzeug zu designen und herzustellen?

V. B.: Der Grund, warum ich im Spielzeug- und Accessoiregeschäft gelandet bin, sind meine drei Söhne – wahrscheinlich haben Sie das auch schon von anderen Frauen gehört, die sich im Kids- oder Babysektor selbstständig gemacht haben. Im Verlauf meiner zweiten Erziehungszeit haben mich mein „neues Leben“ und auch mein neu erwachtes Interesse für Spielwaren und Baby- sowie Kinderaccessoires sehr inspiriert. Man kann sogar fast sagen, dass ich gar keine andere Wahl hatte – ich hatte einfach das Gefühl, dass ich das machen muss, dass ich meine eigenen Produkte herstellen muss, obwohl der Bereich vollkommen neu für mich war. Ich hatte das Bedürfnis, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Ich war viele Jahre im strategischen Marketing tätig gewesen und wollte jetzt meine kreativen und praktischen Fertigkeiten nutzen. Darum habe ich natureZOO gegründet. Meine Kinder waren der Auslöser, denn durch sie habe ich diese neue Welt der Babysachen kennengelernt. Mein Fundament sind aber eher mein kreativer Instinkt, meine Intuition, mein persönlicher Stil und mein enorm hoher Qualitätsanspruch.

Wie schaffen Sie es, die Ansprüche von Kindern und Eltern gleichermaßen zu erfüllen?

V. B.: Beim Design nehme ich die Eltern-Perspektive ein, denn natürlich weiß ich nur zu gut, dass die Kaufentscheidung meistens durch die Eltern getroffen wird. Ich binde aber auch meine drei Kinder stets in den Entscheidungsprozess mit ein, denn meiner Ansicht nach ist es wichtig, dass das Kind oder Baby bei der Entwicklung eines Spielzeugs nicht zu kurz kommt. Ich lege meinen Kindern meine Zeichnungen und Muster vor und frage sie, was sie davon halten. Ich frage sie außerdem, ob sie erkennen können, um welches konkrete Tier es sich handelt. Unser Stil ist sehr reduziert und oft haben unsere Kreationen auch nicht unbedingt die eigentlich Farbe oder Form des dargestellten Tiers (außer dem Kopf, der meist sehr eng an das tierische Original angelehnt ist). Die Tiere tragen also manchmal eine Art Tarnung. Aber im Unterschied zu uns Erwachsenen wissen Kinder gleich, was Sache ist. Sie nutzen einfach ihre kindliche Intuition und lassen sich nicht davon in die Irre führen, dass die Farbe oder der Körper des Tiers nicht der Wirklichkeit entspricht.

Gehäkelter Schmuselöwe
Herr Löwe überzeugt die Kinder mit zeitlosem Design.

Wie spiegelt sich dieses skandinavische Design in Ihrem Spielzeug wider, um es unterscheidbar zu machen? Sind es die Materialien, die Formen, die Farben?

V. B.: Die Produkte, die natureZOO herstellt, sind sehr schlicht, klassisch und zeitlos. Unser Universum ist die unendlich große Tierwelt, die unseren Planeten bevölkert. In puncto Entwicklung sind wir eigentlich keinen Beschränkungen unterworfen, denn es gibt ja so viele tolle Tiere auf der Welt. Deshalb gehen uns auch nie die Vorlagen aus. Wir achten stets auf einen einfachen Stil ohne zu viele Details. Der Körper unserer Tiere wird meist ein bisschen zurückgenommener gestaltet, damit er zu unserem klassischen und zeitlosen Design passt. Außerdem kommen Tiere nie aus der Mode, sie sind einfach zeitlose Klassiker. Unsere Produkte werden von Hand gefertigt und bestehen aus Bambusgarn – das sind zwei sehr wichtige Elemente. Die Tatsache, dass die Produkte in Handarbeit hergestellt werden, ist sehr wichtig, denn dadurch werden sie zu etwas Besonderem und Einzigartigem.

Aber was macht es zu dänischem Spielzeug, zu dänischem Design?

V. B.: Im Grunde genommen bedeutet „dänisches Design“ nur, dass das Design von einem Dänen bzw. einer Dänin stammt, also von mir. Natürlich wissen wir sehr wohl, dass der Begriff „dänisches Design“ für unsere Produkte auch ein Qualitätsmerkmal ist. Am Anfang habe ich nicht allzu viel Aufhebens darum gemacht, aber auf internationalen Messen wurde ich oft gefragt, ob das denn auch „dänisches Design“ sei. Da habe ich erkannt, dass das für viele Menschen außerhalb Dänemarks ein sehr wichtiger Aspekt ist, auch wenn er für mich persönlich nicht so bedeutend war. Darum ist es auch kein Zufall, dass wir „of Denmark“ mit in unseren Markennamen aufgenommen haben. Uns ist bewusst, dass unsere Herkunft ein wichtiger Teil unserer Marken-DNA ist. Die Leute schätzen und respektieren, dass unsere Produkte in Dänemark designt werden. Das ist global gesehen ein wichtiges Verkaufsargument.

Gehäkelte Schmuseeule
Die Eule stellt natureZOO in kühlen nordischen Farben her.

Gibt es tatsächlich eine skandinavische Designtradition bei Spielzeug?

V. B.: Ja, das denke ich schon. Nicht nur bei Spielzeug, sondern überhaupt bei Baby und Kids. Ich denke, dass es hier nicht nur um die Formgebung, sondern auch um die Farben und biologischen Materialien und Nachhaltigkeit überhaupt geht. Bio-zertifizierte Produkte sind einfach total gefragt. Nirgendwo in der Welt werden so viele Bio-Lebensmittel gekauft und konsumiert wie in Skandinavien. Und das entspricht auch unserer Geisteshaltung im Allgemeinen – wir mögen einfach unverfälschte, reine und natürliche Produkte. Kunststoff ist ein No-Go, und wenn man dann doch mal Sachen kauft, die Kunststoffe enthalten, dann sollten die wenigstens biologisch abbaubar oder noch besser recycelt sein.

Welche Neuheiten führen Sie noch in der zweiten Jahreshälfte ein?

V. B.: Im Herbst dieses Jahres wird es eine ganz neue Plüsch- und Samt-Kollektion von natureZOO geben, mit Teddys, Rasseln, Schmusetüchern und Mobiles für den Kinderwagen. Wir haben erkannt, dass wir eine zusätzliche Linie in unserem Portfolio benötigen. Natürlich behalten wir auch weiterhin den Fokus auf unseren handgefertigten Häkeltieren bei, denn die sind ein sehr wichtiger Teil unseres Geschäfts und unserer Marke. Aber wir wissen auch, dass es eine Nachfrage nach eher klassischen Teddys aus 100%ig biologischem Plüsch oder Samt gibt. Darum ist unsere neue Linie aus 100% biologischen Materialien und der Plastikring bei den Mobiles wird aus 100% recyceltem Kunststoff hergestellt. Einige Produkte werden in Plastiktüten verpackt geliefert, und auch hier achten wir darauf, dass diese zu 100% aus recyceltem Kunststoff bestehen. Und auch die Geschenkeboxen, in denen unsere anderen Produkte zu haben sind, stammen zu 100% aus Recyclingpapier. All diese Kleinigkeiten sind für die dänischen/skandinavischen Verbraucher sehr wichtig und werden in Zukunft eine noch größere Rolle spielen.

In welchen Ländern außerhalb Skandinaviens wird Ihre Designsprache oder Philosophie besonders gut verstanden?

V. B.: Unsere wichtigsten Märkte sind Schweden, Finnland und Deutschland. Aktuell sind wir in 25 Ländern präsent, vor allem in Europa. In Deutschland sitzen unsere Abnehmer vorwiegend im Norden, wo wir rasch den Weg in die Herzen und Läden der Menschen gefunden haben. Besonders unsere Tintenfische sind in Deutschland sehr beliebt. Vielleicht liegt es daran, dass Deutschland nicht so viel Meer hat und dass deswegen Meerestiere besonders gut ankommen. Jedenfalls bekommen wir immer Feedback zu unseren Oktopussen. Darum haben wir auch speziell für den deutschen Markt viele Tintenfisch-Produkte entwickelt. In Schweden dagegen verkaufen sich die Schwarz-Weiß-Produkte besonders gut, sodass wir zahlreiche neue Kreationen in Schwarz und Weiß für den schwedischen Markt ins Sortiment genommen haben. Einige schwedische Geschäfte verkaufen ausschließlich schwarze und weiße Sachen.

Welches Spielzeug fällt Ihnen ein, wenn Sie an Ihre eigene Kindheit denken?

V. B.: Am ehesten Barbiepuppen und der Zauberwürfel. Beides aus Plastik und wahrscheinlich ziemlich charakteristisch für die 80er, als man Kunststoff weder für die Umwelt noch für Babys und Kinder für schädlich hielt. Damals war der Markt bestimmt von Plastik-Massenware, die als qualitativ hochwertig und modern galt. Handgefertigte Spielsachen waren in dieser Zeit megaout. Das hat sich komplett geändert. Heute soll alles möglichst old-fashioned sein, aber auf sehr trendige Art und Weise. Die Leute wollen Unikate und keine Massenproduktion.


Profitieren Sie von exklusiven Einblicken und Expertenwissen! Der Newsletter der Spielwarenmesse® informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Trends, Ideen und Neuheiten aus der Spielwarenbranche. Jetzt anfordern!

 

Autor dieses Artikels:

Ulrich Texter

Tags in diesem Artikel:

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.

 

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.