Spielwarenmesse: Wir tragen große Verantwortung – Dr. Thomas Märtz, VEDES

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Wir tragen große Verantwortung – Dr. Thomas Märtz, VEDES
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Wir tragen große Verantwortung – Dr. Thomas Märtz, VEDES

von Ulrich Texter

Die Corona-Pandemie trifft auch die Spielwarenbranche mit voller Wucht. Einen Masterplan zur Lösung der existenziellen Krise existiert nicht. Das vorherrschende Gefühl derzeit: High Noon. Wie reagiert Europas führende Verbundgruppe für Spielwaren und Freizeit auf den „Ernstfall“. Antworten von Dr. Thomas Märtz, Vorstandsvorsitzender der VEDES AG.


Herr Dr. Märtz, die Wirtschaft ist im Sinkflug. Besonders hart trifft es den Einzelhandel. Muss die VEDES den Katastrophenfall für seine Häuser ausrufen, wie er bereits in Bayern ausgerufen wurde?

Dr. Thomas Märtz

Thomas Märtz: Wir betrachten die aktuelle Situation rund um die Corona-Ausbreitung mit Ernsthaftigkeit und Besonnenheit. Wir werden zentralseitig alle Maßnahmen ergreifen, um in dieser schwierigen Situation einen funktionierenden Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, die Existenz unserer Handelspartner zu sichern und die Gesundheit unserer Mitarbeitenden und Geschäftspartner zu schützen.

Rechnen Sie damit, dass durch das Coronavirus der Abschmelzungsprozess im statio­nären Spielzeughandel an weiterer Dynamik gewinnt? Die Situation war ja schon vor Covid-19 nicht sonderlich rosig, wenn man sich im Handel umhörte!

T. M.: Wir müssen im Hier und Jetzt agieren und von Tag zu Tag entscheiden. Seien Sie versichert, dass wir alles, was in unserer Macht steht, tun werden, um diese für unsere stationären Handelspartner existenzbedrohende Krise abzuwenden.

Die Politik versucht alles Erdenkliche, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu minimieren. Wir springt die VEDES ihren Mitgliedern konkret bei, um eventuelle Liquiditätsengpässe abzufedern?

T. M.: Wir stehen in engem Kontakt mit unserem Zentralregulierer, der DZB Bank in Mainhausen, wegen Liquiditätshilfen. Im Großhandel werden wir unsere Mitglieder bezüglich ihrer Auftragsrückstände sehr kulant unterstützen, z.B. durch das Sperren und Zurückhalten von Aufträgen oder durch längere Zahlungsziele. In diesem Sinne erwarten wir auch von unseren Industriepartnern, dass sie sich entsprechend engagieren. Wir alle tragen eine große Verantwortung für den Fortbestand des inhabergeführten Fachhandels. Und natürlich stehen wir auch mit allen Dachverbänden – BVS, Mittelstandsverbund ZGV, HDE, etc. – in Kontakt, um gemeinsam auf Bundesebene eine schnelle und effiziente Unterstützung für den mittelständischen Einzelhandel zu erwirken.

Der BVS schrieb an die Ministerpräsidenten der Länder, sie mögen den Spielzeugläden in der Vorosterzeit zusätzliche Öffnungszeiten gewähren, weil sich die Verbraucher dann nicht in stark frequentierten Spielwarenabteilungen von Drogeriemärkten einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzten. Schwaben würden vermutlich sagen, das hat ein „Geschmäckle“. Ist die Forderung aus Ihrer Sicht denn berechtigt?

T. M.: In Anbetracht der Tatsache, dass einige Unternehmen mit einem deutlich über das Rumpfsortiment hinausgehenden Angebot die Corona-Krise für den eigenen Profit missbrauchen, sehe ich auf jeden Fall die Notwendigkeit zum staatlichen Handeln! Während der Spielwaren-Fachhandel durch die verordneten Schließungen erhebliche Umsatz- und Gewinneinbrüche erleidet, werden die Drogerien in den nächsten Wochen eine gigantische Sonderkonjunktur auf Kosten unserer Mitglieder erleben. Das ist eine massive Wettbewerbsverzerrung, die vielen die Existenz kosten kann – das darf nicht sein! Wir brauchen eine eindeutige gesetzliche Vorgabe, dass die Geschäfte, denen weiterhin die Öffnung erlaubt ist, ausschließlich Sortimente zur Deckung des Grundbedarfs anbieten dürfen – wie es eigentlich auch vorgesehen ist.

Was raten Sie Ihren Händlern, um in den nächsten zwei, drei Monaten über die Runden zu kommen? Der Buchhandel, ob der an der Ecke oder der große Filialist, wirbt damit, man könne getrost weiter bei ihm einkaufen, weil man die Ware entweder persönlich oder per Post ausliefere.

T. M.: Unsere Handelsberater/innen stehen in ständigem direktem Kontakt mit unseren Mitgliedern und unterstützen sie, wo sie nur können. Auch zentralseitig kommunizieren wir regelmäßig mit unseren Handelspartnern via Live Stream im Internet. Da ich mit vielen Händlern persönlich in Kontakt stehe, weiß ich, dass unsere Mitglieder von VEDES und SPIELZEUG-RING sehr umsichtig und besonnen mit der Krise umgehen. Wer seine Online-Aktivitäten ausbauen möchte, wird von uns schnell und unbürokratisch mit unserer digitalen Shop-Lösung ausgestattet. Und man darf die Kreativität unserer Händler nicht unterschätzen. Auch hier werden flexibel vor Ort innovative Lösungen gefunden und umgesetzt.

Die Aktienkurse sind im freien Fall. Die VEDES Anleihe hat deutlich an Wert verloren, mehr als der Aktienmarkt insgesamt. Wird sich die VEDES Anleihe wieder erholen und den alten Stand vor der Pandemie wieder erreichen?

T.M.: Die Situation an den Kapitalmärkten ist verständlicherweise von großer Unsicherheit und Angst geprägt. Sowie Licht am Ende des Tunnels absehbar ist, werden sich die Kurse wieder erholen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Spielwarenbranche die aktuelle Krise meistern wird, wenn wir alle verantwortungsvoll und solidarisch handeln.

Herr Dr. Märtz, wir bedanken uns für das Gespräch.


Veröffentlichung des Interviews mit freundlicher Genehmigung der Fachhandelszeitschrift planet toys.

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Autor dieses Artikels:

Ulrich Texter

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