Spielwarenmesse: Do-It-Yourself: Hauptsache selbstgemacht!

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Do-It-Yourself: Hauptsache selbstgemacht!

von Ulrich Texter

Kreativität gilt als eine der Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts. Darüber zeigen sich Experten einig. Als besonders kreativ gelten Kinder. Vor allem beim Malen, Bauen und Basteln leben sie ihre Fantasie aus. Doch was fördert die kindliche Kreativität?

„Es ist in Dir, lass es raus!“ forderte schon vor 12 Jahren eine Baumarktkette die DIY-Fans auf. Diese Ansicht teilt auch die Kreativbranche, die seit je her glaubt, dass jeder Mensch kreativ ist. Dass Selbermachen und Handarbeit angesagt sind, weil es ein Gegengewicht zum digitalen Alltag darstellt, steht jedenfalls außer Frage. Das bestätigt indirekt eine Meldung vom Februar 2018.

Europas führender Online-Marktplatz für Handgemachtes und Unikate, DaWanda, gab bekannt, dass man erstmals profitabel sei, wozu auch ein Umsatzwachstum von 21,4 Prozent im Jahr 2017 beigetragen habe. Restzweifel am „Lass-es-raus-Boom“ räumt „Twercs“ aus, eine 2015 eingeführte DIY-Marke von Vorwerk. Die kleine Schwester der „Alles-Könner-Küchen-Kiste“ Thermomix’ präsentiert sich schon optisch als Werkzeug zum „erfolgreichen Kreativsein“, weniger als „Technik fürs Leben“.

Kinder bleiben Weltmeister

Besonders kreativ sind Kinder. Der Neurobiologe Gerald Hüther und Philosoph Christoph Quarch schreiben in „Rettet das Spiel“, ohne spielerisches Ausprobieren gäbe es keine Kreativität. Und Weltmeister im Spielen sind nun einmal Kinder. Spielen, schreibt der „Play Report 2017. Mehr Spielen im Alltag“, die dritte Spielstudie des weltweit größten Möbelhändlers, sei ein Werkzeug, das Menschen ihre Kreativität entdecken lässt.

Kreativ zu sein zählt zu den fünf wichtigsten Beweggründen für das Spielen, und zu den Aktivitäten, durch die sich Persönlichkeit besonders gut auszudrücken lässt, zählt wiederum kreatives Denken wie Malen und Schauspielern, aber auch Tagträumen – das kreative Nichtstun. „Jedes Kind hat ein Recht auf Spielen. Stimulation durch Spielen ist wichtig für die Entwicklung des Gehirns und das emotionale Wohlbefinden“, sagt Per Heggenes, CEO der IKEA Foundation.

Zum vierten Mal lobte der Möbelgigant Ende vergangenen Jahres seinen Malwettbewerb aus, bei dem Kinder aus der ganzen Welt das Stoffspielzeug ihrer Träume zeichnen dürfen. Mindestens fünf schaffen es jedes Jahr in eine limitierte Kollektion. Wer sich die aktuelle Stofftierparade Sagoskatt anschaut, braucht sich keine Sorgen darum machen, dass heutigen Kindern Fantasie und Kreativität ausgehen, auch wenn Kulturpessimisten gerne von Computern als Dummmacher sprechen.

IKEA Sasgoskatt
IKEA Sasgoskatt

Alle Stoffspielzeuge bestechen durch originelle Kombinationen aus Formen, Farben und Ausdrücken. Man wünscht sich, Design-Profis würden regredieren, um wieder spielerisch, unvoreingenommen und querdenkend an das Thema heranzugehen wie die Nachwuchsproduktentwickler.

Ein Markt für Hand, Herz und Inspiration

Kreativität ist Trend, bei Kleinen wie Großen; ihr Stellenwert als eine der 21st century skills in Vorstandsetagen und bei Eltern angekommen. Unternehmen setzen verstärkt auf Design Thinking als Methode, um kreative Ideen zu entwickeln; Eltern auf Farben, Bastelbedarf, Schmuck, Gips-Gießen, Modelliermassen, Bügelperlen oder was es sonst nach an Kreativmaterialien gibt. Carletto-Chef Peter Gygax, der den Kreativmarkt mit den Marken SentoSphére, Artista und Aladine bedient, zeigt sich überzeugt, dass zwar viele Themen wieder kommen, nur mit Akzentverschiebungen.

 

Basteln folgt mehr und mehr auch den Deko-Trends wie String-Art, Traumfänger, Selfie-Frames und Hippie-Kerzen sowie Retro-Deko. Gestalten oder Herstellen von und mit Slime ist weltweit angesagt. Neue Knet-Massen mit überraschenden Effekten und Möglichkeiten erreichen bald die Märkte und werden Kinder begeistern.

Peter Gygax, CEO von Carletto

Aladine Stampo Easy Bauernhof
Aladine Stampo Easy Bauernhof von Carletto
SES fluffy
Fingerfarbe fluffy von SES Creative

Der Kreativmarkt steht nicht nur für „Hand, Herz und Inspiration“ (Gygax), er wird auch immer jünger und pädagogischer. Auch das Basteln von Schmuck, das mit den Loom Bändern vor 4 Jahren einen regelrechten Hype erlebte, ist immer noch da. Dabei geht es Eltern vor allem darum, Kreativität und motorische Fähigkeiten des Nachwuchses frei nach dem Motto „Mein Kind kann das!“ zu fördern. Zunächst werden sie an vorgegebene Ideen herangeführt, damit sie sich anschließend davon frei machen können. Vor drei Jahren brachte SES die my first-Reihe mit Modelliermasse, Finger- und Wasserfarben für Kinder ab 12 Monaten in den Markt.

 

In den letzten Jahren ist der Ich-lerne-Bereich ab 3 Jahren sehr stark gewachsen. Alles, was mit Formen und Farben zu tun hat, liegt im Trend. Auf den sieben Babywelt-Messen in Deutschland stellen wir immer wieder fest, wie interessiert junge Mütter an dem Thema kreative Beschäftigung sind.

Martin Plesker, SES Verkaufsleiter

Wachsender Markt mit neuen Playern

Seit gut 10 Jahren ist der Spielzeughersteller Djeco im Kreativmarkt aktiv – mit durchschlagendem Erfolg. Laut Irina Srebot, Geschäftsführerin Fantasie4Kids OHG, dem deutschen Vertriebspartner, trägt das Sortiment „Kreatives Basteln“ mittlerweile rund 50 Prozent zum Umsatz bei. Dass die Franzosen einen solchen Erfolg erzielen konnten, ist für Irina Srebot keine Überraschung.

 

Djeco fing damals mit 20 Packungen an, heute umfasst der Katalog annähernd 180 Seiten. Alle Artikel des Sortiments müssen einen hohen künstlerischen Anspruch erfüllen. Kratz- oder Modebilder zum Beispiel, bei denen Kinder in die Rolle von Modeschöpfern schlüpfen können, sollen nicht nur beschäftigen, sondern Kinder auch kreativ nach vorne bringen.

Irina Srebot, Geschäftsführerin Fantasie4Kids

Djeco Glitzer
Do-it-Yourself mit Glitzer von Djeco
Küche von badala
Küche von BADALA

Der Markt für kreatives Basteln, zeigt man sich beim Fantasie4Kids Sortiment überzeugt, wächst weiter. Aber er bleibt hart umkämpft, weil neue Anbieter auf den Zug springen. 2018, glaubt der Pariser Trendsetter, steht ganz im Zeichen der „revolutionären“ Scoubidou-Bänder.

Früher oder später landet wohl jeder gesellschaftliche Trend in der Spielzeugbranche – so passiert mit der aktuellen Entwicklung, aus „Abfall“ etwas Brauchbares zu machen. Auf Upcycling setzt jedenfalls das österreichische Unternehmen BADALA, das selbstklebende Sticker-Bögen zum „Pimpen“ von ausrangierten Kartons produziert.

„Unsere Mission ist“, sagt Barbara Höller, „weltweit allen Kindern aller Kulturen ein einzigartiges Spielerlebnis zu bieten, das ihnen mehr Kreativität, Fantasie und Intelligenz schenkt und sie aktiv in ihre Wunschträume eintauchen lässt.“ Auch das holländische Unternehmen Fun 2 Give setzt hier mit seiner Re-Cycle-Me Pizzeria Spielwelt an. Kinder spielen mit bestimmten Arten von Müll, um eine Pizzeria zu kreieren.

Paradigmenwechsel

Stempelset von Folia
Stempelset von Folia

Dass kreatives Basteln ein Dauerthema ist und seit Jahren im Trend liegt, davon zeigt sich auch die Max Bringmann KG, besser unter Folia bekannt, überzeugt.

„Natürlich erfindet sich die Bastelbranche nicht jedes Jahr neu“, sagt Sebastian Meyer, „aber die eigentliche Kunst ist es, klassische Themen wie Malen, Häkeln oder Basteln mit Papier und Basteln mit Kindern immer wieder spannend aufzubereiten. Klassiker müssen immer wieder frisch, aktuell und motivierend wirken, weil sie einen Mehrwert bieten. Weitere Trendthemen sind aus unserer Sicht Hotfoil auf Papier und Washi-Tapes, Stempelsets und Bügelperlen.“

Die Treiber der kulturellen Evolution, die mit der industriellen Revolution in eine beschleunigte Phase eingetreten ist, brauchen Kreativität offensichtlich mehr denn je – und sei es beim Selbermachen. Nur: Was früher ein Muss war, soll heute vor allem Lustgewinn sein.


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Ulrich Texter

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