Spielwarenmesse: Kommt Hasbro’s Monopoly bald aus dem 3D-Drucker?

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Kommt Hasbro’s Monopoly bald aus dem 3D-Drucker?

von Ulrich Texter

3D-Drucker verändern das Gesicht vieler Wirtschaftszweige. Das prophezeien Experten, die mit der additiven Fertigung die nächste industrielle Revolution auf uns zu rollen sehen. Von Schmuck über Lebensmittel bis hin zu Hüftprothesen oder ganzen Häusern wie in Amsterdam – alles scheint mit den neuen Mikrofabriken möglich. Wird es auch die Spielwarenbranche verändern? Wir sprachen mit dem Spielzeugexperten Roger Balser, General Manager Hasbro, ein Unternehmen, das unlängst den Einstieg in die 3D-Druckerwelt wagte.

Spielwarenmesse®: Herr Balser, auf der Spielwarenmesse 2014 stellten Sie mit My Monopoly das erste individualisierbare Monopoly vor. Verraten Sie uns, wie groß der Drang der Brettspiel-Fans ist, sich am PC eine persönliche Ausgabe zu konfigurieren und auszudrucken?

Roger Balser: Seit wir My Monopoly Anfang dieses Jahres auf der Spielwarenmesse vorgestellt haben, ist sowohl das mediale als auch das Kundeninteresse enorm. Viele Brettspieler sind mit Monopoly aufgewachsen und sind begeistert, dass sie nun erstmals ihre ganz persönliche Edition so einfach gestalten können. Ob als Familienedition mit Fotos aller Familienmitglieder und den letzten gemeinsamen Urlaubszielen oder als Geschenk für Fußballfans mit Fotos der Spieler des Lieblingsvereins um die Ecke - bei Monopoly ist jetzt alles möglich.

Und wo ist die Neigung zum Individualismus besonders ausgeprägt? In England und Italien, haben wir erfahren, liebt man nach wie vor die Standard-Variante!

R.B.: Die Standard-Variante ist auch in Deutschland nach wie vor gefragt und unsere meistverkaufte Monopoly Edition. Wir sehen im internationalen Vergleich, dass Deutschland traditionell eines der stärksten Monopoly-Länder ist. Dementsprechend gehen wir bei My Monopoly von einem großen Erfolg für uns aus.

Wenn wir auf den deutschen Markt schauen, wie ist das Verhältnis von Standard zu My Monopoly?

R.B.: Das genaue Verhältnis lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffern, da das Weihnachtsgeschäft für Spiele einen sehr großen Anteil am Gesamtspieleumsatz hat und dies von Jahr zu Jahr später startet. Über die verschiedenen Editionen gelingt es uns, neue Zielgruppen für Monopoly anzusprechen und das zweistellige Markenwachstum jedes Jahr zu garantieren. So werden im gesamten deutschsprachigen Raum über alle Editionen ca. 800.000 Monopolys verkauft.

Auf der Spielwarenmesse flachsten wir noch, dass Hasbro dann wohl bald auch das Spiel komplett als 3D-Drucker-Variante anbieten wird. Jetzt ist es so weit. Die ersten 3D-Figuren von "My little Pony" sind aus dem Drucker zu haben. Sägen Sie damit nicht den Ast, auf dem Sie sitzen, selbst ab?

R.B.: Nein ganz im Gegenteil. Wir sehen die zunehmende Verbreitung der 3D-Drucker gerade als eine Chance. Wir können so unser Produktangebot vergrößern und maßgeschneiderte Angebote für neue Zielgruppen entwickeln. Produkte, die aktuell noch aus Produktionsmengen-Überlegungen heraus nicht rentabel in den Markt zu bringen sind, erhalten endlich ihre Chance. Das ist für uns als Markenhersteller mit einer großen Fangemeinde ein Riesenpotential, das entsteht.

Sie arbeiten mit Shapeways, einem 3D-Printing-Dienstleister, zusammen. Ist das der Einstieg auch in andere Marken?

R.B.: Ja, es ist geplant in den nächsten Monaten Figuren zu weiteren Hasbro Marken gemeinsam mit Shapeways anzubieten. Das ist momentan für uns gerade bei den Marken interessant, die nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen beliebt sind.

Gleichzeitig, konnten wir der amerikanischen Presseerklärung entnehmen, machen Sie Ihre Fans zu Produktentwicklern. Die dürfen jetzt ihre "Designs" präsentieren. Gehen Hasbro die kreativen Ideen aus oder was steckt dahinter? Eine intelligente Form der Shareconomy?

R.B.: Für die Produktentwicklung bezieht Hasbro seit jeher Konsumenten ein. Wenn dieser Dialog nun in den Foren der 3D-Entwickler-Gemeinschaft intensiviert wird, freut uns dies. Mit zunehmender Verbreitung des 3D-Drucks werden für uns Trends hier früher erkennbar, auf die wir dann auch bei der Zusammenstellung unseres traditionellen Spieleangebotes reagieren können.

Noch kooperieren Sie mit Shapeways, aber wird Hasbro vielleicht auch bald Software, der eigentliche Schlüssel, für 3D-Drucker-Spielzeug anbieten? Die Drucker sind mittlerweile ja unter 700 € zu haben.

R.B.: Sie verstehen, dass ich das weder bestätigen noch dementieren kann. Hasbro als Entertainment oder "branded play" Firma, wie wir sagen, möchte seinen Kunden jederzeit und über möglichst viele Kanäle Markenerlebnisse bieten. Die Entwicklung individueller 3D-Designs auf Basis unserer Marken schafft hier einen weiteren Zugang und eine neue Erlebniswelt neben unseren Spielen oder Spielzeugen, TV Serien, Spielfilmen, Videospielen oder unserem vielfältigen Merchandisingangebot.

Es wird prophezeit, dass 3D-Drucker in Zukunft in jedem Baumarkt zu finden sein werden. Kommen da harte Zeiten auf die Spielzeugbranche zu, wenn jeder sein "My personal toy" drucken kann?

R.B.: Nein - es kommen spannende Zeiten auf uns zu, denn wir sehen hier mehr Chancen als Risiken. Das Bedürfnis vieler Menschen, sich etwas ganz Persönliches gestalten zu können, ist ein weit verbreiteter Gesellschaftstrend. Aber das Original wird immer auch neben der personalisierten Variante relevant bleiben. So haben beispielsweise die Angebote verschiedener Turnschuhhersteller, sich seinen eigenen Schuh selbst zu designen, auch nicht etwa dazu geführt, dass der normale Markenturnschuh verschwindet.

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