Spielwarenmesse: Nachhaltigkeit als Chance für die Spielwaren­branche

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Kinder spielen im Karton Schiff
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Nachhaltigkeit als Chance für die Spielwaren­branche

von Maria Costa

Das gesellschaftliche Bewusstsein für Umweltfragen hat in letzter Zeit einen Quantensprung gemacht - Klimawandel, Plastikmüll und Luftverschmutzung sind zu bestimmenden Themen des Diskurses geworden. Das Gute daran ist, dass Regierungen auf der ganzen Welt jetzt anfangen zu handeln. So werden z.B. Strategien zum Verbot von Einwegplastik erarbeitet. Gleichzeitig verpflichten sich Großunternehmen wie Pepsi-Cola, Coca-Cola, Unilever und H&M freiwillig, in nächster Zukunft ganz auf den Einsatz von nicht recyceltem Einwegplastik zu verzichten. Auch Eltern werden zunehmend umweltbewusster und suchen verstärkt nach nachhaltigen und umweltverträglichen Produkten.

Da dies auch für die Spielzeugindustrie ein enorm wichtiger Trend ist, sollen in diesem Artikel einige interessante Nachhaltigkeitskonzepte beleuchtet werden, die jedes Spielzeugunternehmen auf seine Produktentwicklung und seine Marketingstrategie anwenden kann.

Das Material macht den Unterschied

Die Spielzeugbranche verbrät jedes Jahr Tonnen und Abertonnen an Plastik. Aber die Welt hat sich verändert. Das Motto heißt neuerdings nämlich „Plastic is not fantastic“. Denn es gibt auch andere Materialien.

Holz

Holzstern und Holzente als Greifling.
Natur-Kollektion/ Saro

Wer mit offenen Augen über die Spielwarenmesse läuft, kann viele wunderschöne Holzspielzeuge entdecken. In Europa hat Holzspielzeug eine lange Tradition - man denke nur an Haba, Brio und so weiter. Von Babyspielzeug (z.B. die Nature-Kollektion von Saro) über Bauspielzeug (wie das Stapel-Feuerwehrauto aus Holz von Sebra Interior) bis hin zu Brettspielen (z.B. das Stapelspiel „Früchteturm“ von Goula) liefert Holz in Kombination mit High-End-Design und hochwertigen Grafiken die Qualität, die heute von vielen Eltern nachgefragt wird.

Bambus

Aber auch andere Materialien sind viel umweltfreundlicher als Plastik und kommen mehr und mehr für Spielwaren zum Einsatz. Bambus ist seit Jahren ein Renner, wenn es um nachhaltiges Spielzeug geht. Hape und Janod setzen dieses Material in vielen Produkten ein.

Pappe

Auch Pappe ist im Kommen, z.B. die aus Karton gefertigten Bausteine von EDO oder Badala (das Wort stammt aus der Sprache Punjabi und bedeutet „Umgestaltung“), ein Spielzeug, mit dem Kinder Pappkartons in Autos oder Flugzeuge verwandeln können, indem sie plastikfreie umweltfreundliche Sticker verwenden. Ein weiteres tolles Beispiel ist das Bodenpuzzle als Weltkarte von Petit Collage, das aus stabilem recyceltem Karton hergestellt ist.

Bausteine aus Karton/ EDO

Neue Materialien auf pflanzlicher Basis

Um die Eigenschaften und Oberflächenstruktur von Plastik nachzuahmen, hat sich die Spielzeugbranche einiges einfallen lassen. Mehrere renommierte Unternehmen, die bisher auf Kunststoffe gesetzt haben, forschen derzeit an Alternativen. So gibt es bereits heute im Markt interessante Spielzeuge aus Materialien auf pflanzlicher Basis, wie z.B. bei Viking Toys die Laster aus der Ecoline-Linie oder die Sumpflandschaften von BiOBUDDi. Auch Lego nutzt für bestimmte Kollektionen bereits ein neues pflanzenbasiertes Material auf Zuckerrohrbasis.

Biologisch abbaubare Materialien

Biologisch abbaubare Materialien, wie sie z.B. von PlayMais eingesetzt werden, sind auch eine gute Lösung.

Kunststoff-Recycling

Strandspielzeug-Set
OceanBound / green toys

Recycelter Kunststoff ist ebenfalls eine interessante Alternative. In Frankreich hat die Firma Clip It Bausteinsets auf den Markt gebracht, die die 90% aus recycelten Verschlusskappen von Flaschen bestehen. In den USA hat Green Toys zusätzlich zu seinem Stammsortiment aus recyceltem Plastik dieses Jahr das „OceanBound“ Strandspielzeug-Set herausgebracht, für das hauptsächlich recyceltes Plastik verwendet wird, das in küstennahen Ortschaften in den USA eingesammelt wird, in denen keine entsprechenden Sammeleinrichtungen vorhanden sind.

Bio-Textilien

Bei Textilien ist Bio das Zauberwort. Bio-Baumwolle ist das am häufigsten verwendete Material, das zur Herstellung von umweltfreundlichem Spielzeug verwendet wird.

Giftfreie Farben

Bei Farben und Färbemitteln ist es wichtig, dass sie nicht toxisch sind (z.B. Cuburo).

Transparente und umweltfreundliche Herstellungsverfahren

Wenn ein Unternehmen zeigen kann, dass ein Teil seines Herstellungsprozesses nachhaltig oder umweltfreundlich ist, bedeutet dies einen klaren Wettbewerbsvorteil. So z.B. bei Oli&Carol, die ihre Prozesse auf ihrer Website vorstellen. Dort kann man sehen, wie der 100%ige Naturkautschuk vom Kautschukbaum gewonnen wird. Grundsätzlich ist es sinnvoll, Projekte zur Sicherung der Nachhaltigkeit immer zu promoten und darüber zu berichten.

Mit konkreten Themen Bewusstsein schaffen

Umweltfreundliches Spielzeug kann aber auch bedeuten, dass man Spielwaren zu bestimmten Themen produziert. Diese können darüber hinaus pädagogischen Zwecken dienen, indem Werte vermittelt und ein Umweltbewusstsein geschaffen werden. Recycling ist zurzeit in aller Munde. Bruder und Luke's Toy Factory haben Spielzeuglaster auf den Markt gebracht, mit denen recyclingfähiger Müll aufgesammelt werden kann. „What can be Recycled?“ von Learning Kids ist ein Brettspiel, mit dem Kinder die Grundkonzepte des Recyclings von verschiedenen Wertstoffen und Abfällen erlernen können. Ein weiteres interessantes Spiel ist „Viva montanya“ von Bioviva Editions, ein kooperatives Spiel, bei dem die Spieler Tiere suchen müssen, die unter Müll versteckt sind, der in den Schnee geworfen wurde. Dieser Müll muss in die richtigen Müllbehälter einsortiert werden, bevor der Schnee schmilzt.

Zusammenarbeit mit Non-Profit-Organisationen

Manche Spiele stellen auf besondere Ereignisse ab. 2018 hatte Minecraft anlässlich des Tags des Meeres am 12.Juni seine Sonderedition „Coral Crafters“ zum Wiederaufbau der Korallenriffs in Mexiko auf den Markt gebracht. Das Unternehmen bat seine Gamer, sechs Skulpturen für neue Korallenriffs zu designen, die dann im realen Leben nachgebaut wurden. Ein Teil der Einnahmen wurde an die Organisation The Nature Conservancy gespendet.  

Einige Non-Profit-Organsiationen haben bereits erkannt, wie viel Einfluss sie auf Kinder nehmen können, indem sie entsprechendes Spielzeug verkaufen. So ging z.B. 2017 die Stofftierserie Pollutoys von Sea Shepherd, einer internationalen Organisation zum Schutz der Meere, an den Start: Plüschtiere, mit denen Kindern die Verschmutzung der Meere anhand konkreter Beispiele nahegebracht wird. Über die Website können Spenden zur Rettung der Meeresbewohner getätigt werden.

Pollutoys/ Sea Shepherd

Dieses Jahr bringt der WWF „Coral the Crab“ auf den Markt, ein Stofftier in der Pantone-Farbe 2019 "Coral". Mit seiner Serie Cub Club will der WWF mithilfe schöner Spielsachen ein Bewusstsein für bedrohte Arten schaffen. Dabei gehen 12% des Großhandelsumsatzes an die WWF-Organisation des Landes, in dem das Produkt erworben wird.

Spielzeugunternehmen setzen auch eigene Kampagnen zum Schutz der Erde um. So z.B. Plantoys, wo Nachhaltigkeit gleich in mehrfacher Hinsicht gelebt wird: Durch die verwendeten Materialien, durch die gewählten Themen und durch die Kampagnen des Unternehmens zum Schutz der Umwelt. Plantoys hat ein Programm zur Aufforstung aufgelegt sowie eine Stiftung zur Förderung des Umweltbewusstseins mit Veranstaltungen in Büchereien, Parks usw. gegründet.

Umweltfreundliches Spielzeug ist im Kommen

Umweltfreundliches Spielzeug wird zu einem immer wichtigeren Trend, der eine große Chance für die Spielzeugbranche ist. Der Nachhaltigkeitsgedanke lässt sich dabei auf ganz unterschiedliche Art und Weise in Produkte und Marketingkampagnen integrieren. Dadurch erreichen Hersteller einerseits ein Stück mehr Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen und werden andererseits Teil der Bewegung.


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Autor dieses Artikels:

Maria Costa, AIJU

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