Spielwarenmesse: Robotik: So lernen Kinder und Jugend­liche spiele­risch program­mieren

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Robotik: So lernen Kinder und Jugend­liche spiele­risch program­mieren

von Peter Thomas

„Programmieren ist heute eine Kulturtechnik“, sagt Christopher Cederskog im Gespräch mit dem Online-Magazin Spirit of Play über die Entwicklung von programmierbaren Spielzeugrobotern. Der 36 Jahre alte Betriebswirt ist General Manager Europe von Wonder Workshop mit dem Schwerpunkt auf Marketing und Vertrieb. Das 2012 gegründete Unternehmen aus dem Silicon Valley wendet sich mit seinen interaktiven Robotern und Apps insbesondere an Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren. Die wichtigsten Märkte in Europa sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.


Spielwarenmesse®: Herr Cederskog, wir hören immer wieder, dass Coding heute die wichtigste Fremdsprache für Kinder und Jugendliche ist. Wenn das stimmt, sind Ihre Roboter dann mehr Lernmittel als Spielzeug?

Christopher Cederskog

Christopher Cederskog: Wir bei Wonder Workshop glauben, dass Lernen und Spielen untrennbar verbunden sein müssen. Denn Kinder lernen am leichtesten, wenn sie dabei Freude und Erfolgserlebnisse haben. Und genau das schaffen unsere Roboter: sie stellen eine haptische und visuell erfahrbare Verbindung zwischen der digitalen Programmierung und dem Ergebnis her.

Was heißt das konkret?

C. C.: Das heißt, dass komplexe, abstrakte Codes sich in eine Bewegung des Roboters verwandeln. Für Kinder ist das ein wichtiges Erfolgserlebnis. Aber gleichzeitig bekommen sie die Möglichkeit, Fehler in ihrem Programm auszubessern, es zu verändern, an neuen Lösungen zu tüfteln. So sieht für mich die perfekte Mischung aus Spiel und Lernen aus.

Das klingt recht komplex. Ist Robotik eher etwas für ältere Kinder und Jugendliche?

C. C.: Auf keinen Fall! Bereits Kleinkinder interessieren sich heute brennend für digitale Dinge im Haushalt. Und das sollten wir für das spielerische Lernen nutzen: Anstatt nur auf einem Bildschirm herumzuwischen, können Mädchen und Jungen über Robotik durch ein physischen Spielzeug die Ergebnisse dessen sehen, was sie selbst digital auf dem Tablet oder Smartphone gestaltet haben. Aber natürlich gibt es Unterschiede: Für jüngere Kinder ist besonders das physische Spielzeug sehr wichtig, ältere Kinder und Jugendliche sind stärker vom freien Programmieren fasziniert. Grundsätzlich liegt aber für alle Altersgruppen der Reiz in der Erfahrung, ihre Codes durch einen Roboter verwirklicht zu sehen. Das fördert Selbstbewusstsein und weckt nachhaltiges Interesse an den MINT-Themen.

Und könnten davon auch Erwachsene profitieren?

C. C.: Ja, das passiert bereits heute: So wie Manager mit Bauklötzen arbeiten, um Innovationen zu formulieren oder Prozesse fassbar zu machen, so werden programmierbare Roboter eingesetzt, um Problemlösungskompetenzen und logisches Denken zu üben. Mit dem Cue beispielsweise lässt sich so etwas auf unterhaltsame Art und Weise für Erwachsene im Arbeits- und Ausbildungskontext einbinden. Sie lernen spielerisch mit wenigen Klicks, was ein Algorithmus ist und wie JavaScript funktioniert.

Stichwort JavaScript: Der 2018 erschienene Cue setzt auf zwei Programmierebenen, zwischen denen umgeschaltet werden kann: Das von Ihnen gerade genannte JavaScript und eine grafische Oberfläche für die Blockprogrammierung. Wie wichtig ist dieser duale Ansatz für Kinder?

C. C.: Für Kinder sind blockbasierte Programmiersprachen wie Blockly und Scratch meist der Einstieg in das komplexe Thema Programmieren: Sie sind einfach anzuwenden und intuitiv verständlich. Durch die direkte Überführung der visuellen Blöcke in das abstraktere JavaScript verstehen die elf bis 14 Jahre alten Kinder intuitiv die Bedeutung der JavaScript-Befehle. Und Jugendliche begeistern wir für das Thema Robotik und Programmieren mit dem komplexeren JavaScript. Grundsätzlich gilt für alle Altersstufen, dass Kinder und Jugendliche von Robotik-Anwendungen in der richtigen Entwicklungsstufe abgeholt werden müssen.

Welche Fähigkeiten schult das spielerische Programmieren?

C. C.: Das sind Problemlösungsfähigkeiten, logisches Denken, Kreativität und Ausdauer – alles Fähigkeiten, von denen Kinder genauso profitieren wie im Berufsleben stehende Erwachsene.

Vor der Spielwarenmesse 2018 sagte Vikas Gupta, Unternehmens-Mitgründer und CEO von Wonder Workshop, dass im Jahr 2050 bereits von rund 40 Prozent aller Arbeitnehmer Programmierkenntnisse verlangt werden könnten. Wie reagiert darauf die Bildungspolitik?

C. C.: Programmieren findet heute bereits Eingang in den Lehrplan der meisten Grundschüler weltweit - eine Entwicklung, die Wonder Workshop schon 2014 mit der Entwicklung von Dash vorausgesehen hat. Wir glauben, dass Programmierkenntnisse für jeden Menschen in gewissem Grade unerlässlich sind, da sie uns alle befähigen, die digitalen Prozesse, die uns täglich umgeben, zu verstehen und aktiv nutzen zu können, anstatt sie nur passiv zu konsumieren. Programmieren ist heute zu einer echten Kulturtechnik geworden. Oder anders gesagt: Für uns ist Coding das neue Konstruktionsspielzeug.

Auf welche erreichten Ziele ist Wonder Workshop besonders stolz?

C. C.: Darauf, dass unsere Roboter bereits in über 15.000 Schulen weltweit eingesetzt werden. Denn wir wollen möglichst viele Mädchen und Jungen mit ganz unterschiedlichen sozialen Hintergründen erreichen, um sie spielerisch für MINT-Themen zu begeistern. Das ist eine wichtige Grundlage dafür, dass sie sich in späteren Jahren weiter selbstbewusst mit diesen relevanten Themenbereich beschäftigen.

Wie sehen kommende Schnittstellen zwischen klassischem Spiel und Robotik aus?

C. C.: Ein gutes Beispiel dafür ist unser Dot Creativity Kit. Das ist der perfekte Einstieg in die Themenbereiche Robotik und Programmieren für kleinere Kinder, da es klassische Spielideen mit einer digitalen Komponente kombiniert. Das Kit beinhaltet jede Menge Bastelideen, die durch Programmierelemente zum Leben erweckt werden. Bereits hier zeigt sich aber, wo wir den eigentlichen Mehrwert der Produkte von Wonder Workshop sehen: in der Kombination aus einem physischen Spielzeugroboter und dem digitalen Element Programmieren innerhalb unserer Apps.

Wie sieht es mit der Sprachfähigkeit des Roboters aus? Lernen Cue und Co die Muttersprache ihrer Kunden in aller Welt?

C. C.: Die Produktsprache spielt eine wichtige Rolle für den einfachen, direkten und spielerischen Zugang zu unseren Produkten. Daher arbeiten wir tatsächlich an weiteren Übersetzungen der Oberfläche. Aber wir freuen uns auch immer wieder über die Erfolgsberichte von Kindern, die gleichzeitig und erfolgreich Englisch und Coding lernen.

Wie schätzen Sie die künftige Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) für das elektronische Spielzeug ein?

C. C.: Produkte wie unser Roboter Cue setzen schon auf eine emotionale KI, die Kindern den intuitiven Zugang zur Robotik erleichtern soll. Ein Beispiel dafür ist die integrierte Chatbot-Funktion von Cue, über die der Roboter mit seinen Nutzern interagiert. Sie wird durch die Nutzung immer klüger. Aber Kinder werden in der Zukunft immer höhere Ansprüche an solche Produkte stellen. Denn sie lernen mit unglaublich hoher Geschwindigkeit. Bald werden sie sich direkt mit der KI auseinandersetzen, die beispielsweise das Programmieren beeinflusst. Dieser Umgang mit KI wird in den kommenden Jahren für Kinder ganz natürlich werden – so, wie es heute für viele bereits das Programmieren ist.


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Autor dieses Artikels:

Peter Thomas, Journalist

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