Spielwarenmesse: „Solche Beziehungen werden Sie in keiner anderen Branche finden“

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Historie Spielwarenmesse
  Macher

23. Mai 2018 / Macher

„Solche Beziehungen werden Sie in keiner anderen Branche finden“

von Spielwarenmesse eG

Zur Premiere der Spielwarenmesse® 1950 herrschten Bedingungen, die mit den aktuellen Veranstaltungen nicht zu vergleichen sind. Wir sprachen mit einem Aussteller der ersten Stunde: zur Jubiläumsmesse 2019 wird Herr Andreas Loquai (Loquai Holzkunst) auf 70 abwechslungsreiche Messen zurückblicken können. Wir haben uns mit diesem Zeitzeugen zum Interview getroffen, um mehr über die Eindrücke des ersten Jahrzehnts der Spielwarenmesse® zu erfahren.


Spielwarenmesse®: Herr Loquai, Sie waren bereits 1950 auf der allerersten Spielwarenmesse vor Ort. Wie waren Ihre Eindrücke?

Andreas Loquai
Andreas Loquai hält als Aussteller der ersten Stunde zur Ausstellerehrung eine Rede auf der 65. Spielwarenmesse 2014.

Andreas Loquai: Die erste Messe war für mich spannend. Ich war bereits im Unternehmen meiner Eltern beschäftigt und deshalb mit allen Geschäftsabläufen vertraut. Mit Ausstellern und Kunden habe ich bis heute Kontakt und pflege Freundschaften.

Nürnberg war fünf Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs noch von der Zerstörung gekennzeichnet. Wie war die Stimmung unter den Ausstellern – was haben Ihre Eltern rund um die Messe erzählt?

A.L.: Ich erinnere mich gut an die Aufbruchsstimmung der ersten Messe. Das zerstörte Nürnberg kannte ich seit 1947 durch Verwandtschaft und Geschäftsbeziehungen. Improvisiert werden musste sowohl beim Messestand, als auch beim Quartier - das war auch noch 1950 nichts Neues.

Sie kennen das alte Messegelände beim Stadtpark, das sich mit der Zeit über viele Gebäude in der Nachbarschaft erstreckte. Wie war es dort auszustellen?

A.L.: Das Innenstadtgelände und dessen permanente Veränderungen habe ich stets hautnah mitverfolgt. Alle Änderungen betrafen uns immer unmittelbar. Nach allen Provisorien bekamen wir mit dem Bau des Messehauses unseren Dauerstand, wofür wir auch ein Baudarlehen gegeben hatten. Unser Abschied von der Innenstadt vollzog sich nur mit EINEM lachenden Auge.

Zur Internationalisierung der Spielwarenmesse 1958 gab es viele Diskussionen. Können Sie sich an hitzige Debatten erinnern? Wie schätzen Sie die Internationalisierung aus heutiger Sicht ein?

A.L.: Die Diskussion um die Internationalisierung ist mir in guter Erinnerung geblieben. Ich meine bis heute, dass die Widerstände vorrangig aus den etablierten Nürnberger Firmen kamen, die ja lange Zeit den Ton in der Messe und in der Branche angaben. Wir, mit unserer kleinen Firma, hatten keine Bedenken, auch weil wir von 1950 an einen guten und wachsenden Export aufbauen konnten.

Ihr Unternehmen stellt entsprechend des Jubiläums zum 70. Mal auf der Spielwarenmesse aus. Was empfinden Sie als die größten Veränderungen, damals und heute auf der Spielwarenmesse Geschäfte zu machen?

A.L.: 1950 waren unsere Familie und das Unternehmen bitterarm. Wir hatten nichts zu verlieren. Wir haben die Chancen gesehen und wahrgenommen. Die Entwicklung unserer Firma und auch der Messe verliefen ähnlich wie der Rest  in Deutschland. Damit wuchsen auch die Risiken. Doch wir sind meistens damit fertig geworden. Seit 1947 gab es die Arbeitsgemeinschaft der erzgebirgischen Holzspielzeughersteller, mit etwa 40 Mitgliedern. Mein Vater Arwed Loquai war der Vorsitzende. Von diesen 40 Firmen stellten 1950 etwa 20 aus. Davon existierten ab 2005 nur noch LOQUAI als einzige.

Wenn Sie an die Spielwarenmesse denken, was verbinden Sie damit?

A.L.: Das Allerschönste ist, dass sich aus den vielen Geschäftskontakten, die man auf der Messe schließt, Freundschaften entwickelt haben. Die Branche steht sich unwahrscheinlich nahe und ich bin mir sicher, dass ist in keiner anderen Branche so. Ich habe Freunde in anderen Ausstellern, in Kollegen und in Kunden gefunden. Und diese Freundschaften bestehen seit Jahrzehnten und sogar über mehrere Generationen hinweg.

An welche Geschichte oder welches Erlebnis, erinnern Sie sich am liebsten im Zusammenhang mit der Spielwarenmesse?

A.L.: Anfangs hatten wir in einer der Baracken einen Stand der Größe 1 x 1 Meter. Als wir diesen verlassen konnten, bekamen wir 10 qm in der ersten Leichtbauhalle auf der Nürnberger Stadtgärtnerei. Dieses Zelt wurde mit Warmluft geheizt. Viele Stunden verbrachten wir am Stand im Mantel und mit Handschuhen.  Aber: unser Stand war nahe des Einganges und unser Quartier gegenüber der Halle. Somit war unser Weg vom Stand zum Bett nur etwa 50 Meter lang.


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