Spielwarenmesse: Spielzeug­sicherheit: Neue mecha­nische Prüf­anforderungen schließen Lücken

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Spielzeug­sicherheit: Neue mecha­nische Prüf­anforderungen schließen Lücken

von Daniel Marx

Die neueste Ausgabe der Europäischen Normenreihe EN 71-1 für mechanische Prüfungen von Spielzeug wird vom 28. Februar 2019 ihre Wirkung entfalten. Sie schließt Regelungslücken und umfasst Spielzeug, das in den vergangenen Jahren neu auf den Markt gekommen ist – zum Vorteil der Hersteller und der Konsumenten. 

Wenn Verbraucher an Spielzeug und Sicherheit denken, haben sie mittlerweile meist chemische Substanzen als Gefahrenquelle vor Augen. Dass es dabei häufig um Mengen und Annahmen geht, die mit dem realen Kontakt mit entsprechenden Schadstoffen wenig zu tun haben, wird dabei oft  übersehen.

Risiken mechanischer Natur sind hingegen unmittelbarer und haben im Zweifelsfall eine kritischere Auswirkung auf die Kinder, die mit den betroffenen Spielzeugen spielen. Die mechanischen Prüfanforderungen für Spielzeuge werden daher immer wieder angepasst, damit auch für neue Trends und Entwicklungen entsprechende Möglichkeiten zur Prüfung zur Verfügung stehen.

Mechanische Prüfungen nach der Normenreihe EN 71 sind in Europa eine Möglichkeit, die Konformität mit der gesetzlichen Grundlage, der Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG, nachzuweisen. Der wichtigste Normenteil ist EN 71-1, da darin grundlegende Anforderungen festgelegt werden, die alle Spielzeuge erfüllen müssen. Neben oberflächlichen Kriterien, wie Aussehen, Kennzeichnung oder Dimensionen, sind es auch sehr spezifische Anforderungen an spezielle Bauteile, wie zum Beispiel Federn, Scharniere oder akustische Eigenschaften. Über die Jahre kamen immer mehr Details und neue Anforderungen zusammen, so dass die aktuelle deutsche Ausgabe fast 200 Seiten umfasst, was nahezu einer Verfünffachung in den vergangenen 20 Jahren entspricht.

Die neueste Ausgabe der EN 71-1 ist im Sommer 2018 veröffentlicht worden und wird am 28. Februar 2019 die sogenannte Konformitätsvermutung auslösen. Wendet ein Hersteller diese Norm an und entspricht sein Spielzeug den relevanten Anforderungen, kann er davon ausgehen, dass es im Hinblick auf die im Normenteil abgehandelten Betrachtungen, im Sinne der Spielzeugrichtlinie konform ist.

Gefährdung von Personen ausschließen

Die Ausgabe 2018 stellt einige neue Anforderungen für bislang nicht geregelte oder sogar ausgenommene Produkte zur Verfügung. Bislang waren beispielsweise RC Helikopter ohne Ring um die Rotorblätter nicht mit der EN 71-1 prüfbar. Es musste eine EG Baumusterprüfung durchgeführt werden, um die Konformität nachzuweisen. Jetzt stehen Prüfkriterien fest, die angewandt werden können, um zu ermitteln ob die grundlegenden Sicherheitsanforderungen von einem Spielzeug erfüllt werden. Wenn beispielsweise die Rotorblätter entsprechend gerundet sind, eine gewisse Elastizität aufweisen und gleichzeitig auch noch reißfest sind, kann ein Hersteller davon ausgehen, dass sie als sicher im Sinne der Richtlinie erachtet werden können.

Neben diesen Flugspielzeugen werden auch sogenannte Geschossspielzeuge unter neuen Gesichtspunkten betrachtet. So ist es beispielsweise notwendig, dass ein Hersteller sich Gedanken über die Möglichkeiten macht, ob mit seinem Geschoßspielzeug, etwa einer Armbrust, auch andere, nicht von ihm gelieferte Geschosse, verwendet werden können. Diese dürfen dann keine Gefährdung für andere Menschen darstellen, wenn sie abgefeuert werden.

Kostüme auf dem Prüfstand

Eine weitere Produktgruppe der neuerdings ein eigener Abschnitt gewidmet ist, sind die Rollenspielzeuge, insbesondere zum Beispiel Kostüme für Fasching und Halloween. Bislang war die Prüfung von Schnüren, Bändern, Kordeln und anderen Anhängseln nicht besonders für diese Produkte geregelt. Seit Jahren gibt es eine Norm für Kinderbekleidung, für die Kostüme die Spielzeug sind, wäre diese aber nicht zwingend anzuwenden. Dadurch ergab sich eine unterschiedliche Betrachtung, obgleich die Benutzung von Kostümen als Teil der Bekleidung, oder zumindest in sehr ähnlicher Weise, außer Frage steht. Jetzt sind die Anforderungen der EN 14682 auch auf Spielzeuge anzuwenden, ein entsprechender Verweis und die nötigen Definitionen wurden in die EN 71-1 aufgenommen.

Es wurden außerdem einige allgemeine Änderungen vorgenommen, die teilweise Anforderungen präzisieren, Fehler beseitigen oder auch Betrachtungen ergänzen. So wurden beispielsweise das Kapitel für Schnüre und ähnliche Bestandteile nicht nur um die Anforderungen für die Kostüme erweitert, sondern auch um Anforderungen für Spielteppiche und Spielzeuge die über Wiegen und Kinderbetten gespannt werden sollen, ergänzt.

Betrachtet man die Änderungen und führt sich vor Augen welche Risiken mit den dadurch betrachteten Produkteigenschaften einhergehen, so wird deutlich, wie unmittelbar wichtig die Einhaltung dieser Anforderungen ist. Durch die regelmäßigen Aktualisierungen der Normen für Spielzeuge, insbesondere im Bereich der mechanischen Prüfungen, werden immer mehr Anforderungen präzisiert und bei Erfüllung durch die Produkte, diese letztlich auch ein Stück sicherer.

 

Autor dieses Artikels:

Daniel Marx, DEKRA

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