Spielwarenmesse: Liefer-Abos als neuer Vertriebskanal für Spielwaren

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Kreiva Box Caja
 

Liefer-Abos als neuer Vertriebskanal für Spielwaren

von Maria Costa

Ein ganz neuer und wichtiger Vertriebsweg für Spielzeug und Spiele sind Liefer-Abos. Das Modell kommt den Wünschen und Bedürfnissen vieler Eltern entgegen, die ihren Kindern auf jeder Entwicklungsstufe das Spielzeug an die Hand geben wollen, das für sie gerade geeignet ist, aber zu wenig Zeit haben, um aktiv danach zu suchen. Liefer-Abos sind eine bequeme Option, stets neue Spielwaren frei Haus geliefert zu bekommen, die noch dazu altersgerecht sind und besondere Anforderungen erfüllen.

Für Hersteller und Handel tun sich hier viele neue Chancen auf. Eine Ursache für die Entstehung dieses neuen Service ist natürlich der Unboxing-Trend, der die Spielwarenbranche in den vergangenen Jahren wie kaum ein anderer geprägt hat. Die Boxen im Abo werden von eigens zu diesem Zweck gegründeten Start-ups angeboten, aber auch Traditionsunternehmen haben das Geschäftsfeld für sich entdeckt. Im nachfolgenden Artikel erhalten Sie eine kleine Einführung in die Welt der Liefer-Abos für Spielwaren.

Boxen für Babys und Kleinkinder

Der Versand von ausgewählten Produkten an Eltern mit Babys und Kleinkindern ist definitiv ein interessantes Geschäftsmodell. Die meisten Eltern sind bestrebt, die Entwicklung ihrer Kinder bestmöglich zu fördern, aber die schiere Menge an Faktoren und Informationen, die es dabei zu berücksichtigen gilt, ist für viele eher abschreckend. Für diese Eltern ist das neue Servicekonzept in den ersten Jahren sicher eine gute Hilfe.

Lovevery Box mit Babyspielzeug
Beispiel einer Lovevery box

Zu den interessanten Start-ups in dieser Sparte gehört die Firma Bluum, die einmal im Monat eine Box für Mütter und Babys versendet. Darin enthalten sind nicht nur Spielwaren, sondern auch Bücher und andere Produkte, die das Baby benötigt, wenn es eine bestimmte Entwicklungsstufe erreicht hat. Der Kunde zahlt einen gleichbleibend hohen Monatsbetrag und erhält dafür vier Produkte, die er nicht kennt. So werden Baby und Mama immer wieder neu überrascht, denn auch für die Mütter ist stets etwas dabei. Die Auswahl der Produkte durch das Unternehmen erfolgt aufgrund eigener Erfahrungswerte sowie ausgehend davon, welche Produkte auf Amazon die beste Bewertung bekommen haben.

Ein anderes interessantes Konzept bietet das Start-up Lovevery an, das den gesamten Inhalt seiner Versandboxen selbst entwickelt, produziert und ausliefert. Die Produkte, die für Kinder zwischen 0 und 24 Monaten geeignet sind, werden von Experten auf der Grundlage der neuesten Forschungsergebnisse im Bereich kindliche Entwicklung entworfen.

MINT-Boxen

Liefer-Abos gibt es für Kinder aller Altersgruppen und für ganz unterschiedliche Interessensgebiete. Mit am populärsten sind zweifelsohne die Boxen mit naturwissenschaftlich-technischem Inhalt (MINT oder im Englischen auch STEM abgekürzt). Brickbox liefert z.B. Boxen mit unterschiedlichem Bauspielzeug (vor allem von Lego), während das durch Crowdfunding entstandene Unternehmen Little Ms. Crate Produkte anbietet, die Mädchen für die MINT-Fächer begeistern sollen. Jeden Monat wird ein anderes Berufsbild abgedeckt: Raumfahrt, Chemie usw. Die Spiele können alleine oder in der Gruppe gespielt werden.

Bausatz für das Sonnensystem
Kreiva Box Sonnensystem

Von Kiwi Co gibt es jeden Monat Boxen mit Wissenschaft zum Anfassen und Kunstprojekten für Kinder von 0-16+, mit denen junge Bastler, Wissenschaftler, Erfinder und Künstler gefördert werden sollen. Die Kreiva Box richtet sich an Kinder von 3 bis 8 Jahren. Der Spangler Science Club hat jeden Monat „Amazing Science“ für Kinder von 5 bis 12 im Angebot. Green Kid Crafts spricht umweltbewusste Familien an, die dem MINT-Thema entsprechend Raum bieten wollen. Übrigens bietet auch Amazon mit seinem eigens geschaffenen STEM Club ein MINT-Abo für Spielwaren an.

Die Auswahl bei den MINT-Abos ist also überaus breit gefächert.

 

Boxen für jede Spielzeugkategorie

Neben den STEM-Projekten bieten verschiedene Spielzeugunternehmen auch Liefer-Abos an, die auf eine bestimmte Spielzeugkategorie spezialisiert sind. Wenn man sich z.B. für das Abo von Walt Disney für die märchenhafte Prinzessinnenkollektion mit dem Namen „A Magical Experience Delivered to Your Doorstep“ entscheidet, erhalten die Kinder monatlich Kostüme und Accessoires, mit denen sie sich verkleiden und in ihre Lieblings-Prinzessinnen verwandeln können.

Unboxing the Deluxe Disney Princess Enchanted Collection!

Club Eimmie ist ein innovatives Unternehmen, das Puppen vertreibt und auch eine Clubmitgliedschaft anbietet. Clubmitglieder erhalten jeden Monat ein sog. Playtime Pack, das Accessoires zu unterschiedlichen Themen enthält. In einem Monat kann die Puppe als Skater verkleidet werden, im nächsten geht sie auf Campingurlaub, auf Safari oder wird zum Chefkoch. So spielt das Kind länger mit seiner Puppe und das Unternehmen hat eine dauerhafte Einnahmequelle.

Neben diesen Beispielen gibt es noch viele andere Liefer-Abos, die ihren Fokus auf verschiedene Spielzeugkategorien richten: We Craft Box verschickt Spielzeug, bei dem die Themen Kunst und Basteln im Mittelpunkt stehen, Slime Box liefert regelmäßig Produkte mit der gleichnamigen Glibbermasse, während Finders Seekers spannende Mystery-Boxen anbietet, mit denen die ganze Familie Spaß wie in einem Escape Room haben kann. Für Unternehmen, die sich erneuern und Teil des Trends werden wollen, gibt es aber immer noch genügend Nischen.

Miete mit Kaufoption

Man sollte allerdings auch ein anderes Geschäftsmodell im Hinterkopf haben, wenn man über das Thema Abo-Boxen spricht, nämlich der Verleih oder die Miete von Spielzeug. Das Unternehmen Pleylist bietet beispielsweise einen Abo-Service an, bei dem der Kunde jeden Monat passendes Spielzeug für sein Kind erhält. Der Unterschied ist allerdings, dass die Eltern, wenn das Kind fertiggespielt hat, zwischen Rückversand und Kauf wählen können. Ähnlich ist es bei Whirli, allerdings wird Spielzeug dort getauscht. So können Eltern mühelos Kontakt zu einer Marke halten und ganz einfach herausfinden, womit ihre Kinder tatsächlich gerne spielen und was wirklich im Haus bleiben sollte (ein wichtiger Faktor, wenn man die aktuelle Nachhaltigkeitsdiskussion und den Marie-Kondo-Effekt bedenkt).

Baby mit Spielzeug des Einstein Entdecker-Sets
Baby Einstein Entdecker-Set

Der prägende Einfluss der Liefer-Abos

In den letzten Jahren ist mir zudem aufgefallen, dass dieser Trend die Popularität von Toy Boxes generell beeinflusst. Damit meine ich, dass es immer mehr speziell zusammengestellte Kits zu bestimmten Themen gibt, auch wenn diese nichts mit dem Abo-Prinzip zu tun haben. Die Baby Einstein Experience Kits oder die craft-tastic Artist‘s Box von Ann Williams sind gute Beispiele dafür.

Abo-Dienste eröffnen neue Möglichkeiten

Die Popularität der Liefer-Abos bietet der Spielzeugindustrie tolle neue Möglichkeiten. Sowohl Start-ups als auch Traditionsunternehmen haben den Trend erkannt und bieten Eltern die monatliche Zusendung von Spielzeug für ihre Kinder an, das nicht nur altersgerecht ist, sondern auch unterschiedliche Interessen berücksichtigt. Die Möglichkeiten in diesem Bereich sind damit aber keineswegs schon ausgeschöpft.


Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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Autor dieses Artikels:

Maria Costa, AIJU

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