Spielwarenmesse: "Spielwaren sind Teil unseres Lifestyles"

Sprache wählen

 

  Macher

Macher

"Spielwaren sind Teil unseres Lifestyles"

von Harald Hemmerlein

Egal ob ökologisch, technisch oder kreativ: auch Spielwaren sind eng mit verschiedenen Lebensstilen verbunden. Viele Eltern drücken mit der Wahl der Spielzeuge für ihre Kinder soziale Botschaften aus. Wir haben uns mit Gabriela Kaiser, Trendscout und –Beraterin der TRENDagentur unterhalten, wie sich diese Botschaften in den Kinderzimmern bemerkbar machen.

Spielwarenmesse®: Will man ein Statement zum eigenen Lifestyle setzen, sind Kleidung, Konsumverhalten und Glaubensbekenntnisse beliebte Medien. Setzen Eltern und andere erwachsene Konsumenten mit der Wahl von Spielzeug ähnliche Statements?

Gabriela Kaiser: Auf jeden Fall. Auch Spielwaren sind Teil unseres Lifestyles und spiegeln wieder, wer wir sind oder gerne wären. Solange die Kinder noch klein sind, bestimmen die Eltern, welche Spielwaren ihrer Meinung nach die besten für ihren Nachwuchs sind. Kinder teilen da nicht immer diese Meinung. Ich finde ein schönes Beispiel sind ökologische, nachhaltige Holzspielwaren, am besten noch ohne Lackierung. Ich finde solches Spielzeug für Kinder auch toll, aber musste selber bei meinen Kindern die Erfahrung machen, dass diese sich gerne auf buntes Plastikspielzeug stürzten. Alle Menschen, und da sind Kinder nicht ausgeschlossen, sehnen sich meist nach dem, was sie nicht haben. Von daher plädiere ich dafür, vor allem Kleinkindern verschiedenste Materialien, Formen und Farben anzubieten, damit sie ihre sinnliche Erfahrung in alle Richtungen ausleben können.

Wenn die Kinder dann in der Schule sind, haben sie das Alter erreicht, in dem Gruppenzugehörigkeit eine wichtige Rolle spielt. Das heißt nicht, dass Eltern alle Spielwaren kaufen sollen, die bei den Kids gerade hipp sind, aber es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und den Kindern auch zu erklären, dass man nicht jeden Trend mitmachen möchte oder kann.

Erkennen Sie Muster, die eine Typologisierung des Konsumverhaltens in diesem Zusammenhang erlauben?

GK: Typologisierung ist immer so eine Sache, da es ja auch viele Mischformen gibt und Schubladendenken zu einer falschen Einschätzung führen kann. Es gibt aber ein paar Aspekte, die uns beim Einkaufen heute wichtig sind.

Gerade für Kleinkinder finde ich auffällig, dass hier der „Öko-Aspekt“ und eine nachvollziehbare regionale Fertigung zunimmt - Typ "New Eco". Ich kaufe für mein Kind nur ökologisch einwandfreie Produkte, weil ich meinem Kind kein Gesundheitsrisiko aussetzen möchte, die Umwelt nicht belasten und ein gutes Gewissen haben möchte.

Dann gibt es den „High-Tech-Aspekt“, der besonders bei Vätern sehr ausgeprägt ist. Alle Produkte, in denen Technik integriert ist, sind da angesagt. Beispiele sind hier Lego-Technik, programmierbare Mini-Roboter, ferngesteuerte Hubschrauber,... Da leben die Väter ihre eigenen Wünschen auch mit aus.

Bei vielen Müttern ist dann eher der "kreative Aspekt" wichtig. Sie suchen nach Produkten, bei denen die Kinder keine vorgefertigten, unflexiblen Spielwaren vorfinden, sondern wo sie selber Dinge gestalten und verändern können. Multi-Optionale Spielwaren sind da ideal. Lego und Holzbausteine sind der Klassiker, aber auch jedes Spielzeug, das mehr in Modulen aufgebaut ist und somit Gestaltungsmöglichkeiten zulässt.

Dann ist der "Individualisierungs-Aspekt" ein Megatrend unserer Zeit. Bei Kindern ist Zugehörigkeit zu einer Gruppe wichtig. Erwachsene wollen als einzigartige Individuen angesehen werden und sich heute am liebsten mit Produkten umgeben, die quasi extra für sie erschaffen wurden. Dabei reicht aber auch schon, wenn sie einem Massenprodukt eine eigene Note verleihen dürfen. So finden sie Spielzeug mit dem Namen ihres Kindes toll - es gibt Holzbausteine, bei denen man die Buchstaben des Kindes aufdrucken lassen kann, Beißringe mit Namensperlen, personalisierte Holz-Bowlingsets, bei dem auf den Keulen die Buchstaben des Kindernamens stehen. Heute kann man sogar aus einer Kinderzeichnung eine individuelle dreidimensionale Puppe nähen lassen und dank 3D Technologie wird es da bald noch ganz andere Möglichkeiten geben.

"Mobilität" ist heute ein weiterer wichtiger Megatrend unserer Zeit. Im letzten Jahr haben wir deswegen beim TrendCommittee den Trend "Mini is King" herauskristallisiert. Wir sind heute viel unterwegs und Kinder sind meistens auch immer dabei. Da ist Spielzeug gefragt, das ich überall mitnehmen kann und wenn es nur ins Restaurant ist, um die Zeit bis zum Essen zu überbrücken. Und unterwegs im Auto oder in der Bahn  wollen sich die Kinder ja auch die Zeit vertreiben und auch dafür gibt es sicherlich mehr als einen Nintendo oder das iPad.

Einen ganz interessanten Aspekt, der vielleicht bei dem einen oder anderen Spielwarenhändler noch gar nicht so auf dem Radar ist, stellen die jungen Erwachsenen dar, die heute scheinbar nicht mehr wirklich Lust haben erwachsen zu werden, nach dem Motto "Forever young". Junge Menschen wohnen länger daheim bei ihren Eltern. Die Kindzeit hat sich verlängert und das Erwachsenwerden beginnt oftmals nicht mehr wirklich mit 18 Jahren. Junge Erwachsene spielen länger mit "Kinder"-Spielen. So wurde das razor Crazy Cart zwar für Kinder ab 9 Jahren entwickelt, aber wenn man sich die Youtube-Videos anschaut, sieht man, dass vor allem junge Erwachsene viel Spaß damit haben. In Städten wie Los Angeles hängen junge Erwachsene "Guerilla-Schaukeln" z. B. an Brücken auf. Oder sie spielen Crossboccia in den Städten auf Treppen und anderen "unmöglichen" Orten.

Das sind sicherlich nicht alle Aspekte, aber auf Plattformen wie der Trend-Gallery auf der Spielwarenmesse® kann man sich anschauen, welche Trends unter anderem im Spielwarenbereich wichtig sind.

Was sollte ein Spielwarenhändler tun, um erfolgreich diese Aspekte der Nachfrage seiner Kunden anzusprechen?


GK: Ich finde es immer wichtig, es dem Kunden so einfach wie möglich zu machen. Wir alle sind heute durch die Masse an Produkten und Möglichkeiten überfordert und suchen nach Strukturen, die uns helfen, uns zurechtzufinden.

So kann ich mir vorstellen, dass man seine Produkte im Geschäft mal nicht nur nach dem Aspekt Brettspiele, Lego, Playmobil, Outdoor sortiert, sondern in der Reisezeit Inseln schafft, in denen alle Spiele gezeigt werden, die auf Reisen im Auto, Flieger oder Zug gut gespielt werden können.

Vielleicht tut sich ein stationärer Händler auch mit einer kleinen Manufaktur zusammen, die er z.B. online über dawanda.com findet, um individualisierte Spielwaren, beispielsweise mit Namen, anbieten zu können.

Dann finde ich Einladungen zu Events gut und wichtig, wie etwa ein Spieleabend für Männer oder junge Erwachsene. Vielleicht macht man aber auch mal einen Spieleabend oder eine Abwandlung zu Klassikern wie Monopoly starten, wo jeder mal seine Hausregeln den anderen erklären darf - viele Spiele werden ja gar nicht nach den ursprünglichen Regeln gespielt. Dadurch bekommen andere vielleicht Ideen, wie sie ein altes Spiel mal anders spielen können. Vielleicht darf man neue Spiele beim Händler an einem Abend ja auch mal probe spielen.

Vor allem der persönliche Kontakt zur Ware und Events sind heute wichtig, denn genau das kann ein Onlineshop im Internet einfach nicht bieten.

 

Autor dieses Artikels:

Harald Hemmerlein

Genannte Produktgruppen:

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.

 

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.