Spielwarenmesse: Spielzeug mit echtem Mehrwert für die Menschheit: Social Welfare

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Spielzeug mit echtem Mehrwert für die Menschheit: Social Welfare

von Maria Costa

Das gestiegene Bewusstsein für soziale Fragen und Umweltschutz bedeutet für Unternehmen Herausforderung und Chance zugleich. In den kommenden Jahren wird es immer wichtiger werden, sich diese Trends zu eigen zu machen. In diesem Artikel werden die wichtigsten Ideen vorgestellt, die sich hinter den Produkten und Kampagnen verbergen, die sich mit gesellschaftspolitischen Fragen befassen.

Inklusion muss sein

Das Thema Inklusion ist derzeit so aktuell, dass es auch auf den Märkten Niederschlag findet. Zwar gab es auch früher schon Produkte, die Kinder „mit besonderen Bedürfnissen“ unterstützen sollten, aber im Mainstream war bisher so gut wie nichts davon angekommen. Das neue Phänomen ist vor allem aus der Mundpropaganda in den sozialen Medien heraus entstanden.

Spielzeugschachtel  von Playmobil

Die gute Nachricht ist, dass Kinder mit besonderen Anforderungen oder Einschränkungen jetzt endlich mit Sachen spielen können, zu denen sie einen echten Bezug aufbauen können. Vor ein paar Jahren hat z.B. Makies Puppen mit Brille und Gehstock, Hörgeräten und einem individuell anpassbaren Gesichtsmuttermal auf den Markt gebracht. 2017 war das Unternehmen dann so populär, dass Disney zuschlug und es sich einverleibte. Playmobil begann aufgrund des großen Interesses an der „Toy Like Me“-Kampagne Spielfiguren und Zubehör zu entwerfen, die dem Inklusionsprinzip besser gerecht werden.

Puppenwagenverpackung

Auch in ihrer Kommunikation setzen Spielzeughandel und Spielzeugproduzenten verstärkt auf das Thema Inklusion. So hat Toy Planet sein Bekenntnis zur sozialen Verantwortung erweitert und ruft zur stärkeren Inklusion von Kindern mit Down-Syndrom auf. Im neuen Weihnachtskatalog des Unternehmens sind Kinder mit Trisomie 21 wieder an vorderster Stelle mit dabei. Der spanische Puppenhersteller DeCuevas Toys bildet unter dem Claim „Together we play“ Kinder mit Behinderung auf Verpackungen und in Katalogen ab. Dort werden Jungs und Mädchen gezeigt, die mit ihrer Mutter, ihrem Vater oder ihrem Großvater spielen.

Ein anderes Superprojekt mit einer tollen Kampagne ist Fittle, ein Puzzle in Blindenschrift aus dem 3D-Drucker, das als Lernhilfe für Sehbehinderte konzipiert ist. Der Spieler kann 3D-Puzzleteile zusammensetzen, auf denen Buchstaben in Brailleschrift aufgebracht sind. Wenn das Puzzle dann fertig ist, kann der Spieler das komplette Wort „lesen“. Das Projekt befindet sich noch im Entwicklungsstadium, aber bald wird es Modelle geben, die das gesamte Alphabet abdecken. Fittle wurde vom indischen LV Prasad Eye Institute in Zusammenarbeit mit Ravensburger entwickelt. Die Fittle-Puzzle können kostenlos heruntergeladen und ausgedruckt werden (Open Source-Prinzip).

Dieser Trend zielt nicht nur auf Kinder mit Behinderungen ab, sondern soll „The New Normal“ abbilden. Grundidee ist, dass jedes Kind Spielzeuge haben sollte, die seine körperlichen Eigenschaften, Einstellungen und Überzeugungen widerspiegeln. Der Trend ist sehr breit angelegt und reicht über Transgender-Puppen (z.B. Jazz Jennings von Tonner Doll Company) bis hin zu Puppen, die die Welt muslimischer Mädchen abbilden (z.B. Salam Sisters). Dadurch kann ein großes Potenzial gehoben werden, indem Kinder einbezogen werden, die vorher noch nie explizit angesprochen wurden.

Hilfe für Benachteiligte: Zusammenarbeit mit spezialisierten Organisationen oder Entwicklung eigener Projekte

Menschenfreundliche Projekte sind im Kommen! Besondere Freude macht es mir zu sehen, wie manche Unternehmen Produkte und Marketingkampagnen entwickeln, mit denen bestimmte Gruppen oder einzelne bedürftige Personen gezielt unterstützt werden. Ein gutes Beispiel ist das Unternehmen The Wanderer aus London. Es unterstützt nicht nur die Organisation Afrikids in Ghana, sondern lässt die von The Wanderer vertriebenen Tragekörbe für Babys ausschließlich von Frauen fertigen (deren Namen und Fotos auf der Website des Unternehmens zu finden sind). Dadurch werden die Arbeiterinnen in die Lage versetzt, ihre Kinder zur Schule zu schicken und für deren Krankenversicherung aufzukommen.

Astrojax ist ein Spielzeug, das aus drei gewebten Bällen besteht, die der Spieler kunstvoll zum Kreisen bringen muss. Die Textilfasern werden von Hand in Guatemala hergestellt, einem Land, das zwar wirtschaftlich nicht sehr gut dasteht, aber auf eine unglaublich reiche Handwerkstradition zurückblicken kann, erklärt man bei Astrojax. „Die beteiligten Kunsthandwerker werden über Marktniveau entlohnt und die Beziehungen zu Mitarbeitern und Geschäftspartnern zeichnen sich durch hohe Transparenz aus.“ Zweifelsohne ist Astrojax ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung eines sozial verantwortlichen Geschäftsmodells.

Astrojax hat das Ziel, anderen mit seinen Produkten zu helfen. Es gibt aber auch noch andere Wege, wenn man Gutes tun will. So entwickeln z.B. einige Firmen Kampagnen in Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen. Und auch umgekehrt suchen Non-Profit-Organisationen den Schulterschluss mit der Spielwarenbranche, um die Aufmerksamkeit für bestimmte Themen zu erhöhen.

So hat beispielsweise Amnesty International 2016 eine Kampagne zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch ins Leben gerufen. Auslöser war die hohe Anzahl von Mädchen, die in Paraguay infolge eines Missbrauchs schwanger wurden. Die Hilfsorganisation verteilte darum 500 Paare der Arami & Aramu-Puppen in Schulen und Krankenhäusern des Landes. Diese waren mit Sensoren ausgestattet, über die Audionachrichten abgespielt werden konnten, mit denen erklärt wurde, an welchen Körperteilen einen andere anfassen dürfen und an welchen nicht.

Kenianische Kinder mit Plüschtieren

Andere Unternehmen entwickeln gleich eigene Kampagnen. So hat z.B. der Spielwarenhändler Imaginarium ein Programm namens „Eres como yo“ (Du bist wie ich) ins Leben gerufen, mit dem es Kindern in Kenia ermöglicht werden soll, zu spielen. Auch soll so bei Kindern in der westlichen Welt das Bewusstsein dafür gestärkt werden, wie viel Freizeit und Spielzeug sie im Vergleich zu anderen Kindern haben.

Und auch das Unternehmen Bears for Humanity darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Die handgestopften Teddys aus Biomaterialien, die in den USA ihr Finishing bekommen, sind nicht nur perfekte Knuddeltiere, sondern haben auch noch einen Zweitnutzen: für jeden verkauften Bären wird ein zweiter an ein bedürftiges Kind verschenkt.

Ein Plus für Ihre Geschäftszahlen und die Menschheit insgesamt

Für die Spielwarenbranche war es noch nie so interessant wie heute, sich für Kinder und gesellschaftliche Projekte einzusetzen. Dieser Megatrend hat spürbare Auswirkungen auf den Markt, nicht zuletzt über die sozialen Medien. Überlegen Sie sich einfach, mit welchen Projekten, Produkten, Verfahren oder Kampagnen sich Kindern in Not helfen lässt – weil sie einer Minderheit angehören, Beeinträchtigungen haben, sich körperlich oder emotional von der Norm unterscheiden oder auf andere Art besonders sind. So verbessern Sie Ihre Verkaufszahlen und tun dabei noch etwas Gutes. Das ist doch in Trend, von dem man sich wünscht, dass er viele Nachahmer findet!


Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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Autor dieses Artikels:

Maria Costa, AIJU

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