Spielwarenmesse: Kommentar von Richard Gottlieb: Kinder werden immer mit Spielzeug spielen

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Mädchen und Junge bauen Turm aus Holzklötzen
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Kommentar von Richard Gottlieb: Kinder werden immer mit Spielzeug spielen

von Richard Gottlieb

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde ich von einem großen Fernsehsender zu Lego interviewt. Die Quartalszahlen von Lego waren damals schlecht und der Interviewer wollte von mir wissen, was falsch läuft. Er lehnte sich zu mir vor und fragte mit spitzen Lippen und einem Stirnrunzeln leise: „Meinen Sie, dass Lego es schafft?“.

Ich dachte mir nur „Spinnt der eigentlich?“, aber das sagte ich natürlich nicht. Stattdessen antwortete ich, dass Lego 13 Jahre in Folge (also 52 Quartale lang) nur Wachstum zu verzeichnen hatte und dass diese Zahl ein Rekord in der Spielwarenbranche und vielleicht sogar in der Konsumgüterindustrie überhaupt sein dürfte. Und dass auch in der Wirtschaft das Gesetz der Schwerkraft gilt und es nicht immer nur bergauf gehen kann. Der Interviewer beugte sich noch einmal zu mir herüber und raunte: „Wie lange wird es Lego noch geben?“ – „Bis ins 27. Jahrhundert“ war meine Antwort.

Als ich das Studio verließ, dachte ich auch über andere Presseleute nach, die sich in Interviews gerne besorgt über das Schicksal der Spielwarenbranche äußern. Darüber hinaus fielen mir die besorgten Eltern ein, die mich manchmal zur Seite nehmen und mich mit hörbarer Anteilnahme fragen, wie es unserer Branche denn so gehe.

Was all diese Menschen, also die Pressevertreter und die Normalbürger, miteinander verbindet, ist die Sorge, dass Kinder heutzutage so viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, dass sie keine Zeit mehr für das klassische Spiel haben. Und ich sage dann immer, dass es der Spielwarenbranche gut geht, dass wir über mehrere Jahre hinweg Wachstum gesehen haben und dass Kinder auch weiterhin gerne Dinge in die Hand nehmen, umarmen, bearbeiten, werfen, treten, streicheln und an sich drücken.

Diese Eltern und Pressevertreter (die ja schließlich auch selbst Eltern sind) machen sich Sorgen um die Spielwarenindustrie, weil sie sich um ihre eigenen Kinder sorgen. Sie werden von ihren Kindern nicht mehr in Beschlag genommen, weil diese lieber in einem Sessel herumlümmeln, auf einen Bildschirm starren und sich nur noch halbherzig (und mit halben Verstand) an Gesprächen beteiligen. Bei den Eltern entsteht der Eindruck, dass wenn ein Kind digital spielt, es gar nicht mehr traditionell zu spielen braucht.

Um die Spielwarenbranche braucht sich aber niemand Sorgen zu machen. Kinder spielen immer noch mit echten Spielsachen, egal wieviel Zeit sie online sind. Und wenn man in die Vergangenheit schaut, wird einem klar, dass es der Spielwarenindustrie gut geht.

Auch wenn wir 2018 wegen des Verlusts von Toys R Us in vielen Ländern zu kämpfen hatten, haben wir über mehrere Jahre hinweg durchgehend Wachstum erlebt. Laut Euromonitor ist die weltweite Spielwarenbranche in den letzten 16 Jahren jedes einzelne Jahr gewachsen, und zwar durchschnittlich um stolze 6,43%.

Noch ein Grund für Optimismus ist, dass die Digital Natives, die mittlerweile Eltern sind, ihre Kinder aktiv dazu ermutigen, mit physischem Spielzeug zu spielen, auch wenn das erstmal überraschend klingt. Das ist einer der Gründe, warum der Umsatz bei Outdoor-Spielzeug in den letzten Jahren nach oben gegangen ist und Spieleabende in der Familie so populär geworden sind.

Was mir aber im Gedächtnis geblieben ist, ist ein Satz von Will Wright, der die Sim City-Videospiele erschaffen hat. Zum Stellenwert von traditionellem Spiel hat er gesagt: Schauen Sie einem kleinen Kind dabei zu, wenn es versucht, einen Turm aus Bauklötzen zu bauen. Es baut ihn bis zu einer bestimmten Höhe, und dann stürzt er ein. Es macht ihn jedes Mal ein bisschen höher. Bis er irgendwann stehen bleibt. Als Beobachter denkt man, das Kind spielt. Aber in Wirklichkeit lernt es die Gesetze der Physik.

Will Wright hat Recht. Kinder lernen mithilfe von Spielzeug, wie die Welt funktioniert und wie man die Welt gestalten kann. Digitales Spielen macht Spaß, aber es fehlt die taktile Verbindung zu der Welt, die uns umgibt.

Spielzeug bleibt, auch in der Zukunft. Lehnen Sie sich also zurück und schauen Sie ganz entspannt zu, wie die Dinge sich entwickeln.


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