Spielwarenmesse: Darum ist Spielen immer mit Lernen verbunden

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Darum ist Spielen immer mit Lernen verbunden

von Eva Stemmer und Jörg Meister

Vom sensorischen Lernen über „educational toys“ bis hin zum Gesellschaftsspiel, der "Lernwert" des Spielens ist bei so gut wie allen Spielsachen mit dabei. Bei der Gestaltung von edukativem und motorischem Spielzeug sollte der emotionale Mehrwert - also der Spielspaß - nicht zu kurz kommen. Dabei hilft es, sich einfache Fragen zu stellen.

Sicher erinnern Sie sich an die eine oder andere Lernsituation vor Prüfungen. Der Stoff musste irgendwie in den Kopf, damit der Test erfolgreich verläuft. Danach war das angeeignete Wissen nicht mehr so wichtig. Und jetzt, im Nachhinein, können Sie sich an das Gelernte, wenn überhaupt, nur rudimentär erinnern.

Erinnern Sie sich auch noch an das Glücksgefühl, die ersten Meter alleine mit dem Fahrrad geschafft zu haben? Oder an den Moment, ohne Schwimmflügel die ersten Züge alleine zu bewerkstelligen? Was Sie da gelernt haben, ist noch präsent. Da wir die wesentlichen Lernerfahrungen über den Körper machen. Gleichzeitig ist Lernen auch stark mit emotionalen Erfahrungen verbunden: Die emotionalen Zentren im Gehirn werden aktiviert, wo neuroplastische Botenstoffe dafür sorgen, dass die Erfahrung verankert wird.

Erfolgreiches Lernen hängt mit positiven Gefühlen zusammen

Wenn Lernen erfolgreich sein soll, muss das Gehirn emotional aktiviert werden. Und der einzige emotionale Zustand, den Kinder von Anfang an mitbringen, um aus sich selbst heraus entdecken und lernen zu wollen, ist die Begeisterung. Und solange die Inhalte bedeutsam sind, bleiben sie auch im Kopf. „Bedeutsamkeit“ ist dabei abhängig vom kulturellen und sozialen Hintergrund.

So ändert sich beispielsweise technische Spielware und ihre Anforderungen. Sobald Erlerntes, wie beispielsweise das Pflegen eines Tamagochi, die Bedeutsamkeit verliert, wird auch das Wissen darum verblassen. Waren in den 90ern Kinder noch fit darin, sich alle Pokémons zu merken, ist dieses Wissen - mangels Bedeutsamkeit - meist passé.

Was wir also als Spielzeugdesigner, Spielwarenhersteller oder auch als Eltern tun müssen, um Kindern nachhaltig Dinge beizubringen, ist, sie einzuladen, sie zu ermutigen und sie zu inspirieren, sich als kleine Weltentdecker auf den Weg zu machen.

Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe an der Universität Göttingen, vertritt diese Auffassung.
Was für Kinder bedeutsam ist, so Hüther, lernen sie auch. Unbedeutende Dinge werden später nicht mehr benötigt und verschwinden wieder aus dem Gehirn.

Wissen und Fakten ist nicht gleich Lernwert

Wenn wir also im Zusammenhang mit Spielware vom „Lernen“ sprechen - oder vom „Lernwert“, so sehen wir mit unserem Erwachsenenblick in erster Linie die Vermittlung von Wissen und Fakten. Die Inhalte, die Spielsachen vermeintlich in die Köpfe der Kinder transportieren.

Kinder dagegen sehen den emotionalen Mehrwert. Den Spaß und den Spielwert. Nur, wenn das Spielzeug die emotionalen Zentren des Gehirnes aktiviert, kann es auch ein gutes Lernspielzeug sein.

Der Begriff „Lernspielzeug“ mag ein wenig irreführend sein: Prinzipiell ist nämlich jedes Spielzeug ein solches. Und je nach Lebensphase haben Kinder unterschiedliche Bedürfnisse, was das Lernen und Begreifen angeht. Sind es im Kleinkindalter sensorische und motorische Fähigkeiten, die es zu entdecken und festigen gilt, sind es später auch soziale Fertigkeiten.

Das einfachste Spielzeug kann so in unterschiedlichen Altersstufen unterschiedliche Lernerlebnisse fördern. Motiviert ein Ball Kleinkinder noch zum Betasten, in den Mund nehmen und hinterhertapsen, ist er für größere Kinder und Jugendliche ein Mittel, Körperbeherrschung und kompetitives Mannschaftsspiel - und somit soziales Verhalten - zu erlernen. Und da das Spiel in den emotionalen Zustand der Begeisterung versetzen kann, ist es ein geeignetes Mittel, Lerninhalte zu vermitteln.

Baby spielt mit Ball
Ein Ball für Kleinkinder zum Tasten und Fühlen
Kind balanciert Ball auf Füße
... oder zum Balancieren für mehr Körperbeherrschung

Wenn Sie als Hersteller oder Händler also vor der Wahl stehen, welches Lernspielzeug wohl den meisten Lernwert bietet, dann stellen Sie sich nicht primär die Frage nach dem Lerninhalt - sondern danach, wie er vermittelt wird.

Ihre zentralen Fragen sollten also sein:

  1. Macht es Spaß?
  2. Möchte man es immer wieder spielen?

Wenn Sie beide Fragen mit „Ja, auf jeden Fall!“ beantworten können, dann stehen die Chancen ganz gut, dass es ein gutes Lernspielzeug ist.


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