Spielwarenmesse: Plastik versus Umweltschutz: Eine Bedrohung für die weltweite Spielwaren­industrie?

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Plastik versus Umweltschutz: Eine Bedrohung für die weltweite Spielwaren­industrie?

von Steve Reece

Das Problem der Vermüllung der Weltmeere mit Plastikabfällen ist zwar schon länger bekannt, dringt aber jetzt durch verschiedene hochkarätige Projekte und Fernsehsendungen verstärkt in die Öffentlichkeit vor. Durch das von dem Niederländer Boyan Slat entwickelte System zum Auffangen von Plastikmüll oder die Serie „Unser blauer Planet“ von Sir David Attenborough wurde ein Bewusstsein dafür geschaffen, das Müll in den Meeren eines der dringendsten Umweltprobleme unserer Zeit ist.

Auch der Spielzeugbranche darf die Gesundheit unseres Planeten und das Wohlergehen unserer Kinder nicht egal sein. Schließlich wird ein Großteil der Spielwaren aus Kunststoff hergestellt oder in Plastik verpackt. Besteht nun die Gefahr, dass der allgemeine No-Plastic-Trend spürbare negative Auswirkungen auf die Spielwarenbranche haben wird? Eines ist auf jeden Fall sicher: Im Rahmen einer SWOT-Analyse, mit der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken einer Branche ausgelotet werden, würde die zunehmende Ablehnung von Plastik zweifelsohne als Bedrohung für die Spielwarenindustrie insgesamt gewertet werden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, wie groß die Gefahr für die Spielwarenbranche tatsächlich ist, die vom Thema Plastikmüll ausgeht.

Spielzeug und die Verschmutzung der Weltmeere: zwei wichtige Fakten

Zum einen stammt der überwiegende Teil des Plastiks, das sich in den Ozeanen tummelt, aus Einwegprodukten wie Essensverpackungen, Trinkflaschen, Plastiktüten usw. Eine andere Verschmutzungsquelle, die die Meere bedroht, sind Fangleinen und -netze aus Kunststoff. Wenn man sich das Problem aus der Gesamtperspektive anschaut, spielen Spielwaren aus Plastik keine allzu große Rolle bei der Vermüllung der Meere.

Zweitens dürfte mehr als ein Viertel des in den Meeren treibenden Plastikmülls aus zehn asiatischen und afrikanischen Flüssen stammen, was wiederum bedeutet, dass Nordamerika und Europa als Hauptabsatzmärkte für Spielwaren überhaupt nicht zu diesen Müllströmen beitragen. Dem kann man natürlich entgegenhalten, dass viele der asiatischen Betriebe, die Spielsachen und andere Konsumgüter produzieren, an eben diesen Flüssen gelegen sind und dass viele Menschen aufgrund des dort ansässigen produzierenden Gewerbes in diese Gegenden gezogen sind – aber eine direkte Verbindung zur Spielwarenbranche lässt sich daraus nicht ableiten.

Indirekte Chancen und Risiken

Eines ist klar: Die große Zeit des Einwegplastiks ist vorbei. Das ist an und für sich keine Bedrohung für die Spielwarenindustrie, sondern vielmehr eine Chance, die wir als Verbraucher und Weltbürger nutzen müssen. Gleichwohl gibt es bestimmte Themen, aus denen sich spürbare Folgen ergeben können:

  1. Zentralisierte Lösungen in Asien – Da ein Großteil der Weltbevölkerung in Asien lebt und asiatische Flüsse stark zur Verschmutzung der Weltmeere beitragen, ist es überaus wahrscheinlich, dass es irgendeine Art von zentral gesteuerter konzertierter Aktion geben wird, durch die der Einsatz von Einwegplastikartikeln auf ein Minimum reduziert wird. Ein solcher indirekter Faktor hatte bereits bei anderen Umweltschutzthemen große Auswirkungen auf die Spielwarenbranche, so z.B. bei der Umrüstung von Papiermühlen und deren Anpassung an ökologische Standards, die zu einer Verteuerung von Spielwarenverpackungen geführt hat.
  2. Regelungen, die zwar gut gemeint, aber hoffnungslos überzogen sind – Jeder, der in letzter Zeit das politische Geschehen auf der Weltbühne verfolgt hat, weiß, dass der allgemeine Trend zu Übertreibungen und irrationalen Gegenmaßnahmen immer weiter zunimmt. Die Spielwarenindustrie muss darum darauf achten, dass es keine negativen Effekte aufgrund schlecht konzipierter oder übertriebener rechtlicher Vorgaben gibt, die letzten Endes dazu führen, dass Plastikspielzeug aufgrund irgendeiner unsinnigen rechtlichen Definition in eine Verbotsliste rutscht.
  3. Transport von Spielzeug – Die Art und Weise, wie Verbraucher und Direktlieferanten Spielwaren von A nach B transportieren, wird sich ändern. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass man in Zukunft noch seine Einkäufe in Wegwerf-Plastiktüten und Einwegverpackungen aus Plastik aus dem Laden trägt.
  4. Verpackungslösungen – In den kommenden Jahren wird der Druck, dem Einwegverpackungen bereits jetzt ausgesetzt sind, weiter zunehmen. Die Entwickler und Hersteller von Spielwaren werden sich also etwas einfallen lassen müssen, um nachhaltig produzierte Verpackungslösungen auf Papierbasis zu stärken.
  5. Neue Materialien – Der Druck, der von den Anstrengungen zur Vermeidung von Plastikmüll ausgeht, kann auch eine Chance sein und dazu führen, dass Materialien entwickelt werden, die nicht nur umwelttechnisch, sondern auch in anderen Hinsicht Vorteile aufweisen. Lego hat z.B. schon verschiedentlich verlautbaren lassen, dass man in Zukunft auf nachhaltige Bausteine auf Zuckerrohrbasis oder aus anderen Plastik-Ersatzstoffen setzen wird. Ab 2030 will das dänische Unternehmen im großen Stil nachhaltige Materialien einsetzen. Und auch Hasbro hat bekanntgegeben, dass man ab 2019 Verpackungen aus pflanzlichem Kunststoff verwenden wird.

An alternativen Materialien für Spielzeuge führt kein Weg vorbei

Wir alle wissen, dass es um die Weltmeere nicht gut bestellt ist, und darum ist es auch nur logisch, dass die weltweite Ablehnung von Einwegplastikartikeln immer größer werden wird. Die Auswirkungen auf die Spielwarenindustrie dürften eher indirekter Natur sein. Bereits heute setzen einige wichtige Player auf nachhaltige Rohstoffe. Daher ist es durchaus wahrscheinlich, dass der Einsatz alternativer Materialien immer mehr an Gewicht gewinnen wird. Hoffen wir, dass wir dabei der Gesetzgebung immer ein Stück voraus sind, um nicht in eine Situation zu kommen, in der wir Maßnahmen umsetzen müssen, zu denen wir noch gar nicht bereit sind


Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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