Spielwarenmesse: Spielzeug und Umwelt: Wo steht die Spielwaren­branche?

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Spielzeug und Umwelt: Wo steht die Spielwarenbranche?
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Spielzeug und Umwelt: Wo steht die Spielwaren­branche?

von Steve Reece

2020 sollte eigentlich das Jahr werden, in dem die Spielzeugbranche die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit endlich anpacken wollte – bis die globale Pandemie und die Lockdowns kamen, die weltweit zu schweren wirtschaftlichen Verwerfungen führten. In den letzten Jahren ist immer klarer geworden, dass die Menschheit selbst für die globale Erderwärmung und den Plastikmüll in den Weltmeeren verantwortlich ist, weil Konsum und wirtschaftliches Wachstum immer für wichtiger gehalten wurden als Umweltfragen.

2020 begann für die Spielzeugbranche mit einem echten Paukenschlag in Sachen Umweltschutz, denn die Spielwarenmesse 2020 hatte das Thema Nachhaltigkeit zu dem mit Abstand wichtigsten Trend auserkoren. Während man früher pro Halle vielleicht ein bis zwei Mal auf den Slogan Sustainability traf, war er diesmal endlich (zumindest nach Ansicht einiger Zeitgenossen) überall zu finden. 2020 wartete mit einer Vielzahl an umweltfreundlichen Lösungen auf, wie z.B. biologisch abbaubaren Kunststoffen, Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft und nachhaltig produzierter Pappe.

Umweltfreundlichkeit und kurzfristiges Überleben

Aktuell ist die Spielwarenbranche aufgrund der einschneidenden Folgen der Corona-Krise allerdings darauf bedacht, überhaupt irgendwie über die Runden zu kommen. Man schaut fast nur noch auf Umsätze und Gewinne und dabei fallen nicht so dringende Fragen gerne mal hinten runter. Trotz allem gibt es Anlass zu Optimismus, denn das Bewusstsein für die negativen Folgen des ungehemmten Plastikverbrauchs ist immer noch da, auch wenn es nicht mehr so laut geäußert wird. Die Nachfrage nach Produkten aus nachhaltigen Materialien nimmt weiterhin zu: Zum einen ist das Umweltbewusstsein der Verbraucher nicht über Nacht verschwunden und zum anderen sind die Umsätze mit Brettspielen, die ja aus Pappe oder Holz gefertigt werden, nach oben gegangen, weil Kinder in der Krise sinnvoll beschäftigt werden mussten.

Das Hauptproblem bei Spielzeug bleibt aber nach wie vor, dass noch zu häufig Kunststoff bei der Produktion eingesetzt wird. Nachhaltige Kunststoffe auf Pflanzenbasis stellen zwar grundsätzlich eine Alternative dar, sind allerdings (noch) zu teuer und nicht so langlebig wie Plastik. Aber schließlich wurde auch Rom nicht an einem Tag erbaut und die Bekenntnisse, die einige große Spielzeughersteller zur Vermeidung von unnötigem Plastik bei Verpackungen abgegeben haben, geben Anlass zur Hoffnung. Ein Ziel, das nicht so schwer zu erreichen sein dürfte, denn durch den Einsatz von Pappe und optimierte Verpackungslösungen dürfte sich der Müll aus Plastikverpackungen sicherlich signifikant verringern.

Gibt es Lösungen aus anderen Branchen, die man übernehmen könnte?

Nichtsdestotrotz bleiben immer noch große Mengen an Plastik in den Produkten übrig, die sich im Inneren der Verpackung verbergen. Wie können wir also Puppen, Actionfiguren, Spielsets oder Plüschspielzeuge zu den niedrigen Preisen produzieren, die die Kunden uns vorgeben, ohne dabei auf die unschlagbar billigen Kunststoffe zurückzugreifen? In diesem Punkt haben wir noch ein gutes Stück Arbeit vor uns. Wahrscheinlich kommt die Lösung auch nicht aus der Spielzeugbranche selbst, sondern von den Herstellern von schnelldrehenden Produkten oder Artikeln mit hohen Stückzahlen und entsprechend hohem Ressourcenverbrauch. Denn gerade dort drängen Medien und Verbraucher besonders stark auf einen Verzicht auf überflüssige Kunststoffe, die die Umwelt nachhaltig schädigen.

Denken Sie nur an die ganzen Getränkehersteller weltweit – in den meisten Ländern gibt es kein Pfandsystem und deswegen werden Jahr für Jahr Milliarden von Plastikflaschen verkauft und dann weggeworfen. Von diesen Unternehmen, aber auch aus anderen Branchen wird es sicherlich eine starke Nachfrage nach umweltfreundlicheren Materialien geben, sodass sowohl Forschung als auch Lieferanten in Zugzwang kommen dürften.

Aus der Industriegeschichte wissen wir, dass Unternehmen immer dann, wenn einschneidende Veränderungen unvermeidlich waren, mithilfe geeigneter Technologien eine passende Lösung gefunden haben. In der Zwischenzeit können wir Plastikmüll einfach dadurch minimieren, dass wir immer wieder verlangen, dass er eliminiert wird. Bei der Zusammenarbeit mit der Produktentwicklung und der Produktion macht man oft den Fehler, dass man alles beim Alten belässt. Echten Fortschritt kann man aber nur erreichen, wenn man neue Pflöcke einschlägt und aktiv Änderungen einfordert. Wenn wir nicht von unseren Entwicklungsabteilungen und unseren Zulieferern verlangen, dass sie etwas ändern, werden wir es mit dem Handel und den Endverbrauchern zu tun bekommen. Denn die Konsumenten werden uns nicht mit fünf Jahren Vorlaufzeit über ihre Absicht in Kenntnis setzen, in Zukunft auf Plastikspielzeug zu verzichten. Vielmehr werden sie einfach an irgendeinem Weihnachtsfest unsere Produkte aus Plastik nicht mehr kaufen, sondern sich lieber für ein Brettspiel oder Spielzeug aus Holz entscheiden oder sich gleich ein Videospiel aus dem Internet herunterladen. Wenn wir nicht rechtzeitig umsatteln, riskieren wir eine Bruchlandung. Wenn Sie glauben, dass die Auswirkungen der Corona-Krise für die Spielzeugbranche schon schlimm genug waren, dann viel Spaß dabei, mit der massenhaften Ablehnung des primären Rohstoffs zurechtzukommen, der in der Mehrheit aller Spielwaren steckt!

Warum die Menschen spielen, ist hinlänglich bekannt und wird letzten Endes auch dadurch untermauert, wieviel Zeit die Leute am Bildschirm verbringen. Deswegen sieht es für die Zukunft gar nicht so schlecht aus. Aber das heißt nicht, dass die Spielwarenbranche die Hände in den Schoß legen darf. Der Wandel kommt so oder so. Entweder wir leiten die erforderlichen Innovationen selbst ein oder übernehmen sie aus anderen Branchen. Plastik ist jedenfalls nicht mehr zukunftsfähig, und das müssen wir schnellstmöglich umsetzen, wenn wir nicht die Kontrolle über den Wandel verlieren wollen, der schon längst begonnen hat.


Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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